Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erkennung maligner B-Zellen durch das Immunsystem

08.06.2007
Weltweit werden große Hoffnungen und Erwartungen in die Immuntherapie maligner Tumoren gesetzt. Voraussetzung für die Entwicklung einer effizienten Immuntherapie ist jedoch eine detaillierte Kenntnis, wie sich Tumorzellen der Erkennung durch das Immunsystem entziehen können (Immunevasion).

Musterbeispiel für Tumoren, die sich der Erkennung durch das Immunsystem entziehen, sind Tumoren, in denen Virusproteine zur Ausprägung kommen, wie z.B. das menschliche Burkitt Lymphom, von dem es sowohl eine Epstein-Barr Virus (EBV)-haltige als auch eine EBV-freie Form gibt. Das von der Sanderstiftung geförderte Projekt befasst sich mit der Frage, wieso Burkitt Lymphomzellen, die virale Proteine von EBV synthetisieren, von virusspezifischen T-Lymphozyten nicht erkannt werden können.

Wichtigster Schritt in der Pathogenese des Burkitt Lymphoms ist eine Chromosomentranslokation, durch die das wachstumsregulierende c-myc Gen unter die Kontrolle eines auf maximale Ausprägung programmierten Antikörpergens gebracht wird. Wie wir in der ersten Förderperiode zeigen konnten, induziert die maximale Aktivierung des c-myc Gens nicht nur unkontrolliertes Zellwachstum, sondern unterläuft auch gleichzeitig die Immunerkennung der Zellen, in dem zahlreiche Gene, die an der Antigenpräsentation und damit der Immunerkennung beteiligt sind, vom Produkt des c-myc Gens (c-MYC) negativ reguliert werden.

Mit NF-kB und dem Interferon-System wurden in der letzten Förderperiode die von c-MYC negativ regulierten zentralen Schalter für die Antigenpräsentation identifiziert, die die Sichtbarkeit der Zellen für das Immunsystem bestimmen. Im Laufe dieser Arbeiten haben wir eine zusätzliche, vermutlich sehr wichtige Ebene der Immunevasion entdeckt: Wir fanden, dass Epstein-Barr Virus-tragende, nicht jedoch Epstein-Barr Virus-negative Burkitt Lymphomzelllinien gegen IFNgamma resistent sind. IFNgamma wird von antigenspezifischen T-Zellen produziert, treibt die Antigenpräsentation in den Tumorzellen an und hebt auf diese Weise funktionell die immunsuppressive Wirkung des c-myc Gens auf.

... mehr zu:
»Erkennung »Gen »Immunsystem »Tumorzelle

Geprägt von der Hoffnung, die Tumorzellen wieder für IFNgamma empfänglich machen zu können, steht in der laufenden Förderperiode die Aufklärung des Mechanismus der IFNgamma-Resistenz im Vordergrund des Interesses. Gleichzeitig haben diese Arbeiten Modellcharakter für das für die Immuntherapie so zentrale Thema der Immunevasion. Mit der Entdeckung, dass das in vielen Tumoren aktivierte c-myc Gen die Interferoninduktion und Interferonwirkung unterläuft, wird darüber hinaus eine Basis für die onkolytische Krebstherapie gelegt: der selektiven Zerstörung von Tumorzellen durch Viren.

Kontakt:
Georg W. Bornkamm, Institut für Klinische Molekularbiologie und Tumorgenetik
GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, München
Tel. +49 (89) 7099 501 Fax +49 (89) 7099 500
e-mal: bornkamm@gsf.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 170.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Erkennung Gen Immunsystem Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie