Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Akute Leukämie: Nutzen bestimmter Formen der Stammzelltransplantation ist derzeit nicht belegt

04.06.2007
IQWiG bemängelt Fehlen gesicherter Daten zum Vergleich mit Chemotherapie

Die Transplantation von Stammzellen hat sich in den letzten Jahrzehnten für bestimmte Patienten mit akuten Leukämien zu einer häufig verwendeten Alternative zur Chemotherapie entwickelt.

Allerdings hat die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser risikoreichen Therapie nicht für alle Patientengruppen mit der Anwendung Schritt gehalten: Nach Recherchen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) liegen für bestimmte Einsatzgebiete keine hinreichend sicheren Daten vor, die einen Nutzen der Stammzelltransplantation belegen. Diese Wissenslücken sollten schnellst möglich geschlossen werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht, den die Kölner Wissenschaftler am 4. Juni 2007 veröffentlicht haben.

Aus dem Bericht lassen sich aber keine pauschalen Schlussfolgerungen gegen den Einsatz einer Stammzelltransplantation bei akuten Leukämien ableiten, weil die Bewertung der Stammzelltransplantation sowohl von Einzelheiten der Krankheiten, Eigenschaften der Patienten als auch den genauen Umständen der Therapie abhängt. Im aktuellen Bericht hat das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auch nur bestimmte Formen der Stammzelltransplantation zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit akuter lymphatischer oder akuter myeloischer Leukämie untersucht (ALL, AML). Eine Frage betraf AML- und ALL-Patienten, für die kein geeigneter Spender in der Familie vorhanden ist und bei denen deshalb Stammzellen von einem nicht verwandten Spender eingesetzt werden. Der Nutzen dieser so genannten Fremdspender-Transplantation lässt sich derzeit nicht bewerten, weil aussagekräftige Vergleichsstudien mit Chemotherapie als möglicher Therapiealternative fehlen.

Eine zweite Frage betraf eine Variante der Stammzelltransplantation, bei der die Vorbehandlung der Patienten weniger aggressiv ist. Für zwei Gruppen von Patienten ergaben sich Hinweise, dass eine solche, so genannte dosisreduzierte Transplantation Vorteile haben könnte. Die eine Gruppe sind Patienten mit AML oder ALL, bei denen die Chemotherapie keine ausreichende Wirkung mehr zeigt (therapierefraktärer Verlauf). Hier gibt es Hinweise, dass eine dosisreduzierte Transplantation das Überleben verlängern könnte. Die andere Gruppe sind Patienten mit AML, für die ein geeigneter Stammzellspender in der Familie zur Verfügung steht. Bei diesen Patienten könnte eine dosisreduzierte Transplantation der Chemotherapie überlegen sein. Auch hier sind aber noch keine definitiven Aussagen möglich, da für diese Patienten nur eine Studie identifiziert wurde, die zudem verschiedene Mängel aufwies.

Aus Gründen der Patientensicherheit sollten diese Wissenslücken so schnell wie möglich geschlossen werden. Das ist möglich, wenn diese Formen der Stammzelltransplantation im Rahmen von angemessenen klinischen Studien eingesetzt werden. Damit sind auch nicht randomisierte Studien gemeint, in denen Patienten alle sinnvollen Therapieoptionen zur Verfügung stehen, in denen aber zum Vergleich der Therapieergebnisse entscheidende Daten über Vorgeschichte der Patienten und Verlauf der Erkrankung festgehalten werden.

Änderungen zum Vorbericht

Im Juli 2006 hatte das IQWiG den Vorbericht publiziert, der teilweise heftig kritisiert worden war. Der jetzt veröffentlichte Abschlussbericht ist eine übliche Überarbeitung des Vorberichts. Er enthält in der Diskussion auch eine Auseinandersetzung mit der Kritik und eine Analyse der neu eingereichten Daten und Publikationen. Insgesamt sah das IQWiG nach der Überprüfung der Kritik keinen Grund, die Schlussfolgerungen des Vorberichts zu revidieren. Der Bericht begründet im Detail, wo das Institut die Kritik für stichhaltig und wo für unangemessen hält (Abschnitt Diskussion, Seiten 182 bis 211).

Dr. Anna-Sabine Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsforschung in der Schwerelosigkeit
18.12.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Von Alaska bis zum Amazonas: Pflanzenmerkmale erstmals kartiert
18.12.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Lipid-Nanodisks stabilisieren fehlgefaltete Proteine für Untersuchungen

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Von Alaska bis zum Amazonas: Pflanzenmerkmale erstmals kartiert

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Krebsforschung in der Schwerelosigkeit

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie