Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Kefir nicht gleich Joghurt ist

31.05.2007
Wissenschaftler des Heidelberger Forschungsinstituts EML Research erforschen die Unterschiede von Milchsäurebakterien mit einem neuartigen Ansatz - "vergleichende Systembiologie" im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts SysMO

Was haben ein gesunder Darm, Crème fraíche und entzündete Gaumenmandeln gemeinsam? Milchsäurebakterien. Doch die Gemeinsamkeit trügt. Den Unterschieden verschiedener Stämme von Milchsäurebakterien gehen jetzt Wissenschaftler des Heidelberger Forschungsinstituts EML Research mit dem neuartigen Konzept "Vergleichende Systembiologie" auf den Grund. Für die nächsten drei Jahre erhalten sie dafür zusammen mit anderen Forschungsgruppen eine umfangreiche Förderung als eines von elf Projekten der SysMO-Initiative. SysMO steht für "Systembiologie an Mikroorganismen" und mit 91 Forschungsgruppen aus sechs europäischen Ländern für eine bislang einzigartige transnationale Förderinitiative. Die Fördersumme von insgesamt 28 Millionen Euro wird von nationalen Fördereinrichtungen gemeinsam aufgebracht.

Die Gruppenleiterinnen Dr. Isabel Rojas und Dr. Rebecca Wade sowie Dr. Ursula Kummer, die vor kurzem von EML Research auf eine ordentliche Professur an die Universität Heidelberg gewechselt ist, sind hocherfreut: "Es ist ein gutes Gefühl, dass unsere Leistungen der letzten Jahre überzeugen, auch international, und unser SYCAMORE bereits heute Früchte trägt". SYCAMORE ist eine nutzerfreundliche Softwarelösung für vielfältige Anwendungen in der Systembiologie, die an der EML Research entwickelt wird. Im SysMO-Projekt "Comparative Systems Biology: Lactic Acid Bacteria" untersuchen die Heidelberger Wissenschaftler mit SYCAMORE jetzt Milchsäurebakterien näher. Sie arbeiten dabei im Verbund mit Forschern aus Deutschland, Großbritannien, Norwegen und den Niederlanden. Durch die Berufung von Ursula Kummer an die Universität Heidelberg wird ein Teil des geförderten Projektes dort durchgeführt.

Milchsäurebakterien verdanken ihren Namen der Fähigkeit, Zucker in Milchsäure zu verwandeln (Milchsäuregärung). Sie finden sich in Milch und werden seit Jahrtausenden zur Herstellung und Konservierung von Milchprodukten, zum Beispiel Joghurt oder Kefir, eingesetzt. Zudem sind Milchsäurebakterien die wichtigsten Vertreter im menschlichen Darm und wirken dort krankheitserregenden Keimen, wie Pilzen, entgegen. Einige Stämme können jedoch auch selbst Krankheiten auslösen, zum Beispiel Streptococcus pneumoniae die Lungenentzündung oder Streptococcus pyogenes Scharlach und Mandelentzündungen. Die Vielfalt der Stämme ist beeindruckend, ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume ebenso.

So wie Verkehrssimulationen potentielle Staugefahren vorhersagen, so versuchen die Systembiologen in Heidelberg Aussagen darüber zu treffen, warum zum Beispiel bestimmte Milchsäurebakterien Krankheiten auslösen, andere aber nicht. Mithilfe von Computersimulationen erfassen sie komplexe biochemische Zusammenhänge und kombinieren Naturbeobachtungen mit theoretischen Modellen. Dabei sollen die Unterschiede im Stoffwechsel einzelner Bakterienstämme herausgearbeitet werden, die für Anpassungen, zum Beispiel an extreme Temperaturen oder Umgebungen mit hohem Säuregehalt, verantwortlich sind. "Interessant ist, dass die genetische Ausstattung von verschiedenen Stämmen der Milchsäurebakterien in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich ist", erklärt Ursula Kummer. "Biologen nennen dies stark konserviert. Aber welche Gene letztendlich in Stoffwechselaktivität umgesetzt werden und in welchem Ausmaß dies passiert, kann in Abhängigkeit vom Lebensraum sehr verschieden sein." Enterococcus faecales (natürlicher Darmbewohner), Lactococcus lactis (zum Beispiel in Crème fraíche) und Streptococcus pyogenes sind dabei die Bakterienstämme, die im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen werden.

Die Wissenschaftler der EML Research und der Universität Heidelberg erarbeiten im SysMO-Projekt einen erheblichen Teil der methodischen Basis. Die entwickelten Methoden werden auch gleich angewandt und von den anderen Projektpartnern ebenfalls genutzt.

Dr. Peter Saueressig | idw
Weitere Informationen:
http://www.eml-r.org/deutsch/presse/pressemitteilungen.php?we_objectID=505

Weitere Berichte zu: Joghurt Kefir Milchsäurebakterien SYCAMORE Streptococcus Stämme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften