Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zur Entstehung von Lymphorganen

29.05.2007
Eine Forschungsgruppe des Zentrums für Biomedizin am Departement für Klinisch-Biologische Wissenschaften der Universität Basel hat einen Mechanismus entdeckt, der bei der Entstehung von lymphatischem Gewebe eine wichtige Rolle spielt. Das menschliche Immunsystem baut in den lymphatischen Organen Abwehrmechanismen gegen Infektionserreger auf. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin "Immunity" veröffentlicht.

Lymphknoten, Milz und die Peyer'schen Plaques des Darmes haben die Funktion von Filterorganen für Infektionserreger. Abwehrzellen des Immunsystems wandern täglich in diese lymphatischen Organe ein, erkennen dort fremde Proteine, gegen die sie eine Immunantwort aufbauen. Die Anzahl und Lokalisation von Lymphorganen wird im Körper während der Embryonalentwicklung festgelegt. Nun konnten Basler Forscherinnen und Forscher um Prof. Dr. Daniela Finke den Wachstums- und Differenzierungsfaktor Interleukin 7 als Schlüsselmolekül zur Bildung von lymphatischem Gewebe identifizieren.

Interleukin 7 - der Schlüssel zum Leben

Besteht ein Überangebot an Interleukin 7, werden zusätzliche Lymphknoten und Peyer'sche Plaques während der Embryogenese gebildet. Zusätzlich entstehen mittels Interleukin 7 spontan neue Lymphorgane an den Orten, an denen man das Immunsystem stimuliert. Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass Interleukin 7 ein entscheidender Wachstums- und Überlebensfaktor für Zellen ist, welche die Bildung von lymphatischem Gewebe induzieren, indem Interleukin 7 den programmierten Zelltod dieser Zellen verhindert. Darüber hinaus leitet Interleukin 7 die Synthese von Molekülen ein, die für die Entwicklung von lymphatischem Gewebe essentiell sind. Es werden nicht nur zusätzliche Lymphorgane gebildet, sondern es kommt auch zur Entstehung von lymphatischem Gewebe in Organen, die von Autoimmunkrankheiten betroffen sein können. Damit konnte erstmals gezeigt werden, dass Interleukin 7 sowohl an der embryonalen Entwicklung von Lymphorganen, als auch an der Entstehung von neuem (ektopem) Lymphgewebe beteiligt ist.

Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Autoimmunkrankheiten

Bei Autoimmunkrankheiten wandern aktivierte Abwehrzellen in Organe ein und führen zu einer chronischen Entzündung. In der Folge bilden sich in den entzündeten Organen neue lymphatische Gewebe, welche die chronische Entzündung begünstigen und zu einer Zerstörung der Organe führen können. Darüber hinaus können diese Gewebe in bösartige Lymphome ausarten.

Bei einer Reihe von Autoimmunkrankheiten (wie zum Beispiel Arthritis und Multiple Sklerose) wurde die vermehrte Bildung von Interleukin 7 beschrieben. Wenn die Produktion und Wirkung von Interleukin 7 am Ort der Entzündung blockiert würde, könnte dies einen neuen Therapieansatz darstellen, der die Neubildung von lymphatischem Gewebe und Zerstörung der Funktion lebensnotwendiger Organe verhindert.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Daniela Finke, Developmental Immunology, Department for Clinical and Biological Sciences, Universität Basel, Zentrum für Biomedizin, Mattenstrasse 28, 4058 Basel, Tel. 061 267 16 34, E-Mail: Daniela.Finke@unibas.ch

Christoph Dieffenbacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.cbm.unibas.ch

Weitere Berichte zu: Autoimmunkrankheit Entzündung Gewebe Immunsystem Interleukin Lymphorganen Organ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen