Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Milben machen Frösche giftig

16.05.2007
US-Forscher lösen Gift-Geheimnis der bunten Amphibien

Kleine Milben machen die Pfeilgiftfrösche Mittelamerikas giftig. Das haben Forscher der Florida International University FIU herausgefunden. Bisher wussten die Wissenschaftler nur, dass die Amphibien ihr Gift nicht selbst herstellen können. Unklar war allerdings, welche Nahrung zur Herstellung der Toxine gebraucht wird, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS.

Das Forscherteam um den Biologen Ralph Saporito hatte vor einigen Jahren in den Mägen von so genannten Erdbeerfröschen genau jene organischen Alkaloid-Verbindungen gefunden, die auf Ameisen als Nahrung der Tiere hinwiesen. Doch die Ameisen gehören nicht zur Hauptnahrung der Frösche. Die Wissenschaftler haben sich daher auf die Suche nach jenen Tieren gemacht, die solche Alkaloide produzieren können. Fündig wurden die Forscher bei den Hornmilben (Oribatida). Alkaloide sind Verbindungen, die eine sehr starke Wirkung auf lebende Organismen haben - viele davon sind sehr giftig. Zu den bekannten Alkaloiden gehören Koffein und Nikotin. In der Humanmedizin spielen diese Substanzen, die in sehr vielen Pflanzen vorkommen, eine wichtige Rolle.

Ameisen sind bekannt dafür, dass sie Alkaloide produzieren können. "Sie galten daher auch als jene Quelle, die das Gift der derzeit rund 190 Pfeilgiftfrosch-Spezies lieferten", wie der Experte für tropische Frösche Walter Hödl vom Institut für Zoologie an der Universität Wien im pressetext-Gespräch erklärt. Dass die Frösche tatsächlich Milben fressen, bestätigt der Wissenschaftler. Saporitos Forscherteam hatte in Fallen am Urwaldboden die Milben gefangen und untersucht. Die Analysen ergaben, dass 80 verschiedene Alkaloide vorhanden waren.

... mehr zu:
»Alkaloide »Frösche »Gift »Milben

Das Ergebnis sei sehr interessant, meint auch der Oribatida-Experte Ludwig Beck vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe im pressetext-Interview. "Die Alkaloide in den Milben können eigentlich nur von Pflanzen stammen, von denen sich diese Lebewesen ernähren", meint Beck. Das sei auch deshalb interessant, weil die Milben in erster Linie Pflanzenreste fressen.

Das Gift tropischer Frösche setzt sich aus einer Mischung von bis zu 800 Alkaloiden zusammen und ist auch für medizinische Anwendungen am Menschen von Bedeutung. "Alle diese giftigen Substanzen haben eine Bedeutung für die Humanmedizin, da sie Neurotransmittergifte sind", meint Hödl. Was in Saporitos Untersuchungen allerdings völlig überraschend war, sind die 40 bisher unbekannten Alkaloide, die die Forscher in den Milben feststellen konnten. "Viele dieser Bestandteile zeigen sehr interessante biologische Aktivitäten und sind darüber hinaus strukturell einzigartig", meint Studien Co-Autor John Daly vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda/Maryland.

Interessant sei auch, dass die Frösche von den toxischen Substanzen in keiner Weise betroffen sind, da sie diese in sehr geringer Menge aufnehmen. Über längere Zeiträume hinweg werden sie allerdings im Körper der Tiere konzentriert. "Die Frösche verändern die Substanzen chemisch nicht, sondern sie lagern sie in Hautdrüsen und geben sie als Sekret ab", so Daly.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.fiu.edu

Weitere Berichte zu: Alkaloide Frösche Gift Milben

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft
27.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut
27.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie