Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebendes Fossil: Arbeitsgruppe klärt Abstammung der Laotischen Felsenratte

10.05.2007
Eine spektakuläre Entdeckung gelang Wissenschaftlern vor einigen Jahren im südlichen Laos. Damals wurde ein neues Säugetier entdeckt: die Laotische Felsenratte (Laonastes aenigmamus).

Umstritten war die Position dieses Tiers im Stammbaum der Säugetiere. Ein internationales Team mit Wissenschaftlern der Universität Münster hat die Abstammung der Felsenratte jetzt mit molekularbiologischen Methoden geklärt. Die Forschungsarbeit wurde vom Förderkreis der Uni Münster mit 15.000 Euro unterstützt.

Die Laotische Felsenratte, die in einem Gebiet aus verkarstetem Kalkstein lebt, sieht einer Ratte ähnlich und hat einen buschigen Schwanz wie ein Eichhörnchen. Das erste Exemplar der Laotischen Felsenratte wurde 1996 auf einem Fleischmarkt in Laos entdeckt.

Inzwischen wurden auch lebende Exemplare gefilmt und eingefangen. Dieses Nagetier, so vermuteten Wissenschaftler, gehört zu der Familie der Diatomyiden. Diese Gruppe galt als seit mehr als elf Millionen Jahren ausgestorben. Das Auftauchen einer als ausgestorben geglaubten Art oder eines Vertreters einer als ausgestorben geglaubten Familie wird als Lazarus-Effekt bezeichnet - die Laotische Felsenratte wäre also eine solche "Lazarus-Art". Diese Einordnung wurde allerdings diskutiert. Andere Wissenschaftler hatten die Laotische Felsenratte zuvor in eine andere Familie gestellt. Sie wäre demnach eng verwandt mit Meerschweinchen, Chinchillas und Stachelschweinen.

Der Hinweis darauf, dass die Felsenratten zu den Diatomyiden gehören könnte, kam erstmals bei neueren Untersuchungen, bei denen Merkmale im Körperbau der Felsenratte mit Daten von Fossilien von Nagetieren verglichen wurden. In ihrer aktuellen Arbeit haben die Münsteraner und ihre Kollegen molekularbiologische Methoden eingesetzt und DNA-Daten der Laotischen Felsenratte mit den Daten anderer Nagetiere verglichen.

Die Wissenschaftler haben dabei zwei Verfahren angewandt:

Zum einen haben sie Sequenzanalysen der DNA durchgeführt, zum anderen die Position so genannter "springender Gene" (Retrotransposons) verglichen, die sich im Lauf der Evolution im Genom vervielfältigen. Mit beiden Methoden hat sich gezeigt: Die Felsenratte gehört tatsächlich zu den Diatomyiden, der Schwestergruppe einer wenig bekannten Familie afrikanischer Nagetiere, den Gundis. Der Status der Laotische Felsenrate als "lebendes Fossil" hat sich also bestätigt. Dr. Jürgen Schmitz vom Institut für Experimentelle Pathologie der Uni Münster appelliert: "Damit dieses seltene Relikt auch weiterhin ein Zeitzeuge vergangener Jahrmillionen bleibt, sollten gezielt Maßnahmen zum Schutz seines Lebensraums getroffen werden."

Mit der Aufklärung der Abstammung der Laotischen Felsenratte ist die Arbeit der Wissenschaftler nicht abgeschlossen. "Der Stammbaum der übrigen Nagetiere ist ebenfalls sehr nebulös, da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig", so Dr. Schmitz. Daher arbeiten die Wissenschaftler derzeit daran, mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden den gesamten Stammbaum der Nagetiere zu rekonstruieren.

(veröffentlicht in: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 2007, 104 (18), 7495-7499)

| Uni Münster
Weitere Informationen:
http://zmbe.uni-muenster.de/expath/frames.htm

Weitere Berichte zu: Abstammung Felsenratte Laotischen Nagetier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie