Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fische in der Elbe

06.04.2001


Ergebnisse eines vierjährigen Forschungsprojektes werden in Havelberg präsentiert. Universitäten, Hochschulen und Leibniz-Institute wirkten zusammen

Die bisher größte Fachtagung über Fische in der Mittelelbe findet am 7. April in Havelberg (Hotel "Am Schmokenberg") statt. Auf der Tagung werden die Ergebnisse des vierjährigen Forschungsprojektes "Ökologie der Elbefische" vorgestellt. Das Projekt hat eine Reihe neuer Erkenntnisse über Verbreitung, Wanderrouten, saisonales Verhalten und Bevorzugung von Lebensräumen insbesondere der Arten Rapfen, Aland, Blei, Zander und Quappe erbracht.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten und koordinierten Projekt wirkten die Universität Hamburg, die Freie Universität Berlin, das Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin, das Institut für Binnenfischerei (IfB) Potsdam Sacrow, die Technische Universität Braunschweig und die Universität Rostock mit.
Die Tagung in Havelberg umspannt ein thematisch interessantes Spektrum von der geomorphologischen Geschichte des Flusses und dem historischen Fischbestand der Mittel- und Tideelbe über gegenwärtige Vorkommen bis hin zur geplanten Wiedereinbürgerung ausgestorbener Arten wie des Europäischen Störs (Acipenser sturio) in der Elbe. Der Stör besitzt eine Leitartfunktion für die Verbesserung unserer Fließgewässer.
Schwerpunkt der Tagung ist der ökologische Zusammenhang zwischen Fischgemeinschafts- und Lebensraumstrukturen der Elbe. Die im Elbeabschnitt zwischen Magdeburg und Boizenburg von 1997 bis 2001 gewonnenen Untersuchungsergebnisse bilden einen Datenpool, der nach Ansicht von Experten große Bedeutung für die Leitbildentwicklung und Modellierung von Lebensräumen (Habitaten) besitzt und ökologisch begründete Entscheidungen in der Praxis fördert.

Markierung mit Radiosendern
Um die Wanderungen der Elbefische zu untersuchen, wurden seit 1997 etwa 200 Fische der Arten Rapfen, Aland, Blei, Zander und Quappe mit kleinen Radiosendern versehen. Anhand der ausgesandten Signale konnte der Standort der Fische zu jeder beliebigen Zeit exakt geortet und jedes einzelne Tier individuell erkannt werden. Dabei zeigten sich z.T. beträchtliche Unterschiede im Verhalten von Individuen selbst gleicher Art. Während einige Fische innerhalb eines Jahres einen Flussabschnitt von 2 bis 5 km nicht verließen, wanderten andere von Havelberg bis nahe Hamburg, also mehr als 170 km. Auch Quappen wurden bei über 100 km langen Wanderungen beobachtet, wenn ihnen bei der Überwindung der Staustufe in Geesthacht geholfen wurde. "Käme diese Hilfe rechtzeitig, würden sie möglicherweise wieder ihre Laichplätze in der Havel aufsuchen", meint Biologe Frank Fredrich vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der die Beobachtung seit 1997 auf den Elbegewässern durchführt. Besonders bei Zandern hat er eine enge Bindung der Fische an ihren Winterstandort in Häfen oder großen, tiefen Altarmen beobachtet. Allerdings laichen die Fische auch in diesen Gewässern, während die Rapfen und Alande die Winterstandorte vor der Laichzeit verlassen und im Strom laichen. Ferner stellte er fest, dass durchbrochene Buhnen, hinter denen sich tiefe, strömungsberuhigte Kolke bilden, von den Fischen gern aufgesucht werden, während intakte Buhnen eine große Strukturmonotonie in der Mitte des Flusses verursachen (Tiefe, Strömung, Sediment, Nahrung), so dass dort sehr selten Fische beobachtet wurden.
Die Untersuchungen zeigen, dass die Fische offensichtlich einen sehr großen Flussabschnitt kennen, sich in ihm problemlos orientieren. "Da auf deutschem Territorium in der Elbe nur die Staustufe bei Geesthacht existiert, könnten die Fische nahezu 600 km ungehindert wandern, was sie gewiss auch tun", ist sich Fredrich sicher. "Man muss sie nur lange genug beobachten." Trotz zahlreicher Nebengewässer in der Elbe konstatierten die Wissenschaftler einen Mangel an geeigneten tiefen, strömungsberuhigten Winterstandorten.

Kontakt: Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin
Zu Radiosendern: Frank Fredrich, Tel.: 0172 706 47 62; e-mail: fred@igb-berlin.de
Zum Stör: Jörn Geßner, Tel.: 030 641 81 626; e-mail: sturgeon@igb-berlin.de

Joachim Moerke | idw

Weitere Berichte zu: Binnenfischerei Elbe Gewässerökologie Rapfen Stör

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie