Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DMBT1: heißer Kandidat für ein Brustkrebs-Risikogen

02.05.2007
Bei der Suche nach Faktoren, die das Brustkrebsrisiko modifizieren, stieß ein Team aus amerikanischen und deutschen Genetikern auf das Gen DMBT1. Sowohl bei der Maus als auch beim Menschen korrelieren niedrige DMBT1-Spiegel mit einem erhöhten Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Untersuchungen an Zwillingen kommen zu der Einschätzung, dass rund 27 Prozent aller Brustkrebserkrankungen auf erbliche Faktoren zurückzuführen sind. Nur ein Drittel dieser erblichen Erkrankungen ist durch bekannte Mutationen, etwa in den so genannten "Brustkrebsgenen" BRCA1 und BRCA2 oder in dem als "Wächter des Genoms" bekannten Protein p53, bedingt. Diese Erbgutveränderungen klassifizieren Genetiker als "hoch penetrant": Sie wirken sich bei einem hohen Prozentsatz der Mutationsträger aus - in Form einer Krebserkrankung, oft schon in jungen Jahren.

Trotz jahrelanger intensiver Suche konnten keine weiteren solchen Risikogene mit hoher Durchschlagskraft gefunden werden, die für die restlichen Fälle von erblichem Brustkrebs verantwortlich sind. Daher vermuten Genetiker inzwischen, dass eine ganze Reihe Genvarianten, die jede für sich in der Bevölkerung häufig auftreten, das Brustkrebsrisiko mit niedriger "Penetranz" modifizieren. Dies würde sich auch auf das Erkrankungsrisiko von Trägerinnen einer der "hoch penetranten" Mutationen auswirken. Um die Hypothese zu überprüfen, hatten sich Professor Dr. Annemarie Poustka und PD Dr. Jan Mollenhauer aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum mit Kollegen aus verschiedenen amerikanischen Universitäten und Forschungsinstitutionen zusammengetan.

Mit einem Vergleich von zwei Maus-Zuchtlinien mit identischem Defekt im p53-Gen, aber unterschiedlichem Erkrankungsrisiko für Brustkrebs, suchten die Genetiker systematisch nach solchen risikomodifizierenden Genen. Tiere mit einer Mutation im p53-Gen wurden gewählt, weil dieser Defekt sowohl bei einem Teil der familiären Brustkrebsfälle vererbt wird, andererseits aber auch bei rund 40 Prozent der nicht erblichen bösartigen Tumoren der Brust auftritt. Bei Kreuzungsexperimenten und genetischen Kopplungsanalysen stießen die Forscher auf einen als SuprMam1 bezeichneten Bereich im Chromosom 7, in dem sich die Zuchtlinie mit geringem von der mit hohem Brustkrebsrisiko unterscheidet. Tragen Mäuse die Hochrisiko-Variante von SuprMam1 gleich auf beiden Chromosomen, so erkranken sie doppelt so häufig an Brustkrebs wie ihre Artgenossen, die nur eine Kopie davon besitzen - und das außerdem durchschnittlich zehn Wochen früher.

... mehr zu:
»Brustkrebs »Brustkrebsrisiko »DMBT1 »Gen

Im Bereich SuprMam1 ist unter anderem das Gen DMBT1 angesiedelt, auf das Poustka und Mollenhauer bereits 1997 stießen. Es geriet ins Visier der Krebsforscher, weil Teile des Gens im Erbgut bösartiger Hirntumoren sowie vieler anderer Krebsformen verloren gegangen waren. Die deutsch-amerikanische Studie zeigt nun, dass die Menge von DMBT1-RNA in den Brustdrüsen der krebsempfindlichen Mäuse reduziert ist. Untersuchungen am Menschen ergaben, dass normales Brustdrüsengewebe von Brustkrebspatientinnen deutlich weniger DMBT1-Protein enthält als das Gewebe gesunder Frauen. Offensichtlich steht ein niedriger DMBT1-Spiegel bereits vor Ausbruch der Erkrankung mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Zusammenhang.

"DMBT1 ist ein Krebsgen mit einer ganzen Reihe weiterer interessanter Eigenschaften, es spielt möglicherweise auch bei Infektabwehr und Entzündungsprozessen eine Rolle", erläutert Jan Mollenhauer. "Es ist denkbar, dass hohe DMBT1-Spiegel die Zelle besser schützen und damit das Brustkrebsrisiko senken. Wichtig ist jetzt, herauszufinden, in welcher Weise DMBT1 der Krebsentstehung entgegenwirkt und wie es bei manchen Menschen zu niedrigen DMBT1-Spiegeln kommt. Außerdem müssen wir prüfen, ob sich nicht noch andere Gene in der SuprMam1-Region auf das Krebsrisiko auswirken."

A.C. Blackburn, L.Z. Hill, A.L. Roberts, J. Wang, D. Aud, J. Jung, T. Nikolchewa, J. Allard, G. Peltz, C.N. Otis, R.S.J. Ricketts, S.P. Naber, J. Mollenhauer, A. Poustka, D. Malamud, J. Jerry: Genetic mapping in mice identifies DMBT1 as a candidate modifier of mammary tumors and breast cancer risk. American Journal of Pathology, 13. April 2007

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Sibylle Kohlstädt | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Brustkrebsrisiko DMBT1 Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten