Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Atmosphäre als Autobahn

25.04.2007
Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht haben gezeigt, dass die Atmosphäre ein wichtiger globaler Transportpfad für polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) ist.

PFAS sind extrem langlebige Substanzen und reichern sich in der Nahrungskette an. Der Einsatz für Antihaftbeschichtungen in Pfannen, atmungsaktive Outdoor-Textilien oder Imprägniersprays für Polstermöbel sind bekannte Anwendungsbeispiele. In kürzlich erschienenen Publikationen der Zeitschriften "Analytical and Bioanalytical Chemistry" und "Environmental Science and Technology" beschreiben die Geesthachter Küstenforscher eine von ihnen entwickelte Analysemethode, mit der sie selbst geringste Mengen der stark flüchtigen Vertreter der PFAS in der Luft nachweisen können.

Extrem langlebig und fast überall vertreten

Seit mehr als 50 Jahren wird in der Industrie eine Gruppe perfluorierter organischer Tenside eingesetzt, um Oberflächen fett-, wasser- und schmutzabweisend zu machen. Diese Stoffe, so genannte polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), finden unter anderem Anwendung in Imprägniermitteln, Feuerlöschschäumen sowie in Lebensmittelverpackungen. Ihre für Konsumgüter nützliche Eigenschaft der thermischen und chemischen Stabilität macht einige PFAS in der Umwelt zu langlebigen Schadstoffen, die sich in der Nahrungskette anreichern können. Bei der Verwendung von PFAS können diese Substanzen in Flüsse und ins Trinkwasser gelangen. Auch im Blut und der Leber von Robben und Eisbären sowie in Eisbohrkernen der Arktis wurden PFAS entdeckt. Inwieweit PFAS für den Menschen toxisch sind, muss noch nachgewiesen werden.

... mehr zu:
»Arktis »PFAS

Wie gelangen PFAS in die abgelegenen Regionen unserer Erde? Der Transport der PFAS über den Wasserkreislauf erklärt nicht die hohe Konzentration dieser Substanzen in der Arktis, da diese Verbindungen auf dem Wasserweg von der Produktionsstätte bis in den Arktischen Ozean Jahrzehnte unterwegs sind.

GKSS-Wissenschaftler haben jetzt gezeigt, dass die Atmosphäre ein entscheidender Transportweg für PFAS ist. An je einer Messstation im Ballungsgebiet Hamburg und dem ländlichen Waldhof wiesen die Geesthachter Forscher mit ihrem neuen Analyseverfahren diese Substanzen in der Luft nach, stellten aber keine großen Unterschiede in den Messergebnissen zwischen diesen beiden Standorten fest.

Des Weiteren entdeckten die Forscher diese langlebigen Verbindungen sogar bei Messfahrten in der nord- und südatlantischen Atmosphäre. "Die Atmosphäre wirkt wie eine große Autobahn für PFAS, die über diesen Weg schnell und weit transportiert werden. So erklären sich nicht nur die Messergebnisse an den beiden Stationen in Hamburg und Waldhof, sondern auch das Vorkommen der Stoffe in der Arktis," erklärt der GKSS-Umweltchemiker Dr. Christian Temme.

Wie brisant diese Verbindungen eingeschätzt werden, zeigte auch, dass das ICES (International Council for the Exploration of the Sea) die Untersuchungen der PFAS jüngst ganz oben auf seine Agenda gesetzt hat. Um weitere Erkenntnisse zum Transport ausgewählter PFAS über die Atmosphäre und den Wasserweg zu gewinnen, läuft derzeit unter Beteiligung der GKSS eine Expedition mit dem Forschungsschiff "Merian" von Gran Canaria bis in den Norden Kanadas. Mit an Bord ein Laborcontainer des Instituts für Küstenforschung der GKSS. Die Untersuchungen sollen neue Erkenntnisse über die Konzentration der Verbindungen über im Atlantischen Ozean und in der Atmosphäre darüber bringen.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Dr. Ralf Ebinghaus
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
Max-Planck-Str. 1
21502 Geesthacht
Telefon: +49 (0) 04152/87-2354
E-Mail: ralf.ebinghaus@gkss.de
Dr. Christian Temme
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
Max-Planck-Str. 1
21502 Geesthacht
Telefon: +49 (0) 04152/87-2336
E-Mail: christian.temme@gkss.de
Dr. Torsten Fischer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
Max-Planck-Straße 1
21502 Geesthacht
Telefon: +49 (0) 4152/87-1677
Telefax: +49 (0) 4152/87-1640
E-Mail: torsten.fischer@gkss.de
Die GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH mit den Standorten Geesthacht in Schleswig-Holstein und Teltow bei Berlin in Brandenburg ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Industrie für Wissenschaft und Entwicklung in den Bereichen Küstenforschung, Funktionale Werkstoffsysteme, Regenerative Medizin sowie der Strukturforschung mit Neutronen und Photonen.

Dr. Torsten Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gkss.de/pages.php?page=03_2007.html&language=d&version=g

Weitere Berichte zu: Arktis PFAS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie