Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Geheimnis der Fischembryonen

12.04.2007
Forschen und Lehren auf hoher See: Bioingenieurstudenten der Fachhochschule (FH) Aachen erforschen bakterielle Einflüsse auf Fischebestand in der Nordsee.

Forschen bei 'Windstärke 9' und fünf Meter hohen Wellen - eine besondere Herausforderung für Studierende am Campus Jülich der FH Aachen. Die Nachwuchswissenschaftler und ihr Professor wurden auf dem Fischereiforschungsschiff Walther Herwig III ordentlich durchgeschüttelt.

Nun sind die Nachwuchsforscher wieder wohlbehalten von ihrer dreiwöchigen Exkursion auf der Nordsee zurück an den Campus gekehrt. "Es war schon problematisch, sich auf die Schaukelei einzustellen", berichtet Judith Niesen, angehende Bioingenieurin im sechsten Semester, "wenn das Schiff im Hafen liegt, kann man sich nicht vorstellen, dass ein so großes Schiff derartig gewaltige Bewegungen macht, wie wir sie erlebt haben, ganz anders als beim Segeln." 64m lang und knapp 15m breit ist das deutsche Fischereiforschungsschiff der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und bietet Platz für zwölf Wissenschaftler sowie 21 Mann Besatzung. Die Walther Herwig III operiert vor allem in Nord- und Ostsee. Dies war die insgesamt 297. Reise des 1993 in Dienst gestellten Forschungsschiffes unter Leitung des Instituts für Fischereiökologie der Bundesanstalt für Fischerei in Hamburg. Eine besondere Herausforderung auf der schwimmenden Forschungsstation ist, dass man aufgrund des mitunter heftigen Seegangs alle Instrumente befestigen muss.

Nichts lässt sich einfach hinlegen, denn es fiele herunter - bei Glasgeräten und teuren Laborgeräten mit fatalen Folgen. Mikroskope, Zentrifugen, Filtriergestelle, Computer, alles wird auf See gelascht (seemännisch für "angebunden"); eine große Kiste nur mit Befestigungsmaterial gehört daher zur Grundausrüstung der Jülicher Gruppe. "In unserer Werkstatt haben sie mich damals ungläubig angesehen, als ich mit meinem Anliegen kam, Tischplatten mit Klemmleisten und Metallbügeln für die Fixierung von Laborgeräten zu konstruieren", schmunzelt Prof. Baumann, der bereits viele auch mehrmonatige Expeditionen auf See hinter sich hat, etwa in die Grönlandsee, den Atlantik, den Indischen Ozean und das antarktische Weddellmeer.

Inzwischen werden die Konstruktionen der Jülicher Werkstatt auch von erfahrenen Seehasen anderer Forschergruppen von der Küste bewundert. "Die Befestigung des fast 60.000 € teuren Mikroskops hat immerhin schon Stürmen bis 'Windstärke 11' bei schwerstem Seegang standgehalten," erzählt Prof. Baumann nicht ohne Stolz.

Das primäre Forschungsinteresse dieser Fahrt war, die Häufigkeit und Verbreitung von Missbildungen bei Fischembryonen zu erfassen. Besonders im Hinblick auf die drohende Überfischung der Meere steht die Gesundheit der Nachwuchs der Meeresbewohner im Zentrum der Aufmerksamkeit der Forscher.

Die Embryonen, die im März schlüpfen, schwimmen an der Oberfläche, damit sie in der beginnenden Frühjahrsblüte genug Nahrung finden, um sich zu entwickeln. Dabei sind sie verschiedensten - auch schädlichen - Einflüssen ausgesetzt, die ihre Entwicklung beeinträchtigen oder sogar verhindern können. "Hinsichtlich der biologischen Einflüsse ist die Rolle von Bakterien bisher nicht erforscht worden. Daher war das Hauptaugenmerk der Untersuchungen der Jülicher darauf gerichtet, mithilfe von molekularbiologischen Methoden, wie sie auch in der Forensik beim DNA-Nachweis verwendet werden, die Bakterienarten im Wasser, auf den Embryonen und auf Fischen zu erfassen", erklärt Prof. Marcus Baumann vom Fachbereich Angewandte Naturwissenschaft und Technik das Vorgehen an Bord.

Die mit einem speziellen Planktonnetz gefangenen Fischembryonen sowie Planktonorganismen werden mikroskopisch untersucht bzw. photographisch dokumentiert. Dabei werden Aussehen, Entwicklungsstadium und die jeweilige Fischart registriert. In diesem Jahr waren kaum Missbildungen zu verzeichnen, die Embryonen waren für die Jahreszeit gesehen bereits weit entwickelt, ein Phänomen, welches auch für das pflanzliche Plankton gilt. Chlorophyllwerte, die in ihrer Höhe sonst erst einen Monat später zu messen sind, deuten auf einen erheblich früheren Beginn der Vegetationsperiode im Wasser hin. Ursache dafür sind wahrscheinlich die relativ hohen Wassertemperaturen.

"Dies als Beleg für den allgemeinen Anstieg der globalen Erderwärmung anzusehen, halte ich allerdings für völlig übereilt, das wäre daher absolut unseriös, aber es ist immerhin bemerkenswert," fasst Prof. Baumann die ersten Ergebnisse zusammen. Die Hauptarbeit haben die Jülicher jetzt noch vor sich, "das Messen und Auswerten der Proben wird sich noch über Monate hinziehen", so Baumann, "immerhin fängt jetzt auch wieder die Vorlesungszeit an, da bleibt nicht viel Frei-zeit für die Forschung, aber man muss sie sich einfach nehmen."

Dr. Roger Uhle | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de

Weitere Berichte zu: Embryonen Fischembryonen Fischereiforschungsschiff Nordsee

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten