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Forscher entdecken neue Immunzellen

10.04.2007
Bei der Multiplen Sklerose und anderen Autoimmunkrankheiten begeht das Immunsystem einen schweren Fehler: Es greift die Strukturen des eigenen Körpers an. Der Organismus kann sich gegen derart selbstzerstörerische Handlungen wehren - so genannte regulatorische T-Zellen spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Forscher von den Universitäten Würzburg und Tübingen haben jetzt unter diesen Zellen einen neuen Typ entdeckt. Von ihm erhoffen sie weitere Fortschritte bei der Behandlung von Autoimmunkrankheiten.

Regulatorische T-Zellen sind für alle Immunprozesse wichtig. Vor allem aber sorgen sie im Normalfall dafür, dass das Immunsystem dem eigenen Körper gegenüber tolerant bleibt und ihn nicht attackiert. Bislang kannte die Wissenschaft von diesen Zellen drei Haupttypen - sie unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie das Immunsystem in Schach halten. Nun ist ein vierter Typ hinzugekommen, den die Forscher in der Fachzeitschrift Blood beschreiben.

Das Team von Professor Heinz Wiendl aus der Würzburger Neurologischen Universitätsklinik hat den neuen Zelltyp aus dem Blut isoliert. Seine Besonderheit: Er trägt auf der Oberfläche ein Protein namens HLA-G, dem die Forscher eine starke immunhemmende Funktion zusprechen. Zellen, die dieses Protein besitzen, unterdrücken in der Regel die Teilung anderer Zellen - und mittels Zellteilung vermehrt auch das Immunsystem seine Truppen, wenn es mobil macht.

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"Der neu identifizierte T-Zell-Typus scheint eigenständig zu sein, weil er mit den bislang bekannten anderen Typen keine Gemeinsamkeiten hat", so Wiendl. Interessanterweise lasse er sich schon in der Thymusdrüse nachweisen, wo alle T-Zellen heranreifen und für ihre Aufgaben ausgebildet werden. "Darum kann man annehmen, dass es sich hier um eine eigenständige Zell-Linie des Immunsystems handelt", sagt der Würzburger Professor.

Das Forschungsteam hat auch untersucht, welche Rolle der neue Zelltyp möglicherweise bei der Entstehung entzündlicher Erkrankungen spielt. Beispielsweise bei Multiple-Sklerose-Patienten, die einen akuten Krankheitsschub durchmachen: Bei ihnen findet er sich in der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit in deutlich größerer Zahl als unter normalen Umständen. Auch bei entzündlichen Muskelerkrankungen lässt er sich nachweisen, und zwar im Verbund mit Entzündungszellen.

"Unsere Daten weisen darauf hin, dass bestimmte T-Zellen, die hemmende Wirkungen ausüben, durchaus in Entzündungsareale gelangen", fassen die Forscher zusammen. Nach ihrer Hypothese versuchen die regulatorischen Zellen dort, der Entzündung entgegenzuwirken.

Aus Sicht des Forschungsgruppenleiters haben diese Ergebnisse bedeutsame Auswirkungen. So könnte der neu entdeckte Zelltyp wichtig für die Erhaltung der Immuntoleranz sein, also für die "Beißhemmung" des Immunsystems dem eigenen Körper gegenüber. Sein Vorhandensein in bestimmten Entzündungssituationen lege auch eine größere Rolle bei der Entstehung entzündlicher Erkrankungen nahe, etwa bei Multipler Sklerose oder entzündlichen Muskelerkrankungen.

Die Wissenschaftler wollen die neu entdeckten regulatorischen T-Zellen nun näher charakterisieren und auch ihre Rolle bei Krankheitsprozessen genauer untersuchen. Ein Fernziel der Arbeiten könnte es sein, dass sich die Zellen in Zukunft womöglich therapeutisch nutzen lassen.

Feger U, Tolosa E, Huang Y, Waschbisch A, Biedermann T, Melms A, Wiendl H: "HLA-G expression defines a novel regulatory T cell subset present in human peripheral blood and sites of inflammation", Blood, Online First Edition, DOI 10.1182/blood-2006-11-057125

Weitere Informationen: Prof. Dr. Heinz Wiendl, T (0931) 201-23755 oder 201-23756 (Sekretariat), E-Mail: heinz.wiendl@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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