Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Methode zur Analyse komplexer Mechanismen bei Krebs

10.04.2007
Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN, http://www.ngfn.de) haben eine Methode entwickelt, mit der systematisch komplexe Protein-Netzwerke erforscht werden können. Das am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg etablierte Verfahren basiert auf der so genannten RNA-Interferenz.

Die Forscher schleusen dabei spezifische kurze RNA-Moleküle (siRNAs) in Zellen ein, wo sie sich mit speziellen Proteinen zu einem Komplex verbinden. Dieser Komplex zerstört alle Boten-RNAs, die passgenau zu den eingeschleusten siRNAs sind und vernichtet damit die in der Boten-RNA kodierte Bauanleitung für bestimmte Proteine. So kann die Synthese dieser Proteine verhindert werden. Im Gegensatz zur klassischen Verwendung von siRNAs, ermöglicht der neue Ansatz bis zu drei verschiedene Proteine in Kombination spezifisch auszuschalten.

Die Forscher untersuchten drei Proteine, die bei Krebs eine wichtige Rolle spielen. "Die Proteine ErbB2, Akt-1 und MEK1 werden in vielen Tumorzellen verstärkt aktiviert", erklärt Professor Annemarie Poustka vom DKFZ. "Es gibt Hinweise darauf, dass die erhöhte Aktivität dieser Eiweiße dazu führt, dass sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor ablösen, in Blutgefäße eindringen und sich in anderen Bereichen des Körpers wieder ansiedeln und vermehren. Diesen Prozess nennt man Metastasierung oder Tumorinvasion. Wir wollten herausfinden, ob sich die Metastasierung stoppen lässt, wenn man die Proteine entweder einzeln oder in Kombination ausschaltet."

Die Heidelberger Krebsforscher kamen zu überraschenden Ergebnissen: Die Effekte, die man in Bezug auf das Metastasierungsverhalten der Tumorzellen beobachtet, wenn man die Proteine ErbB2, Akt-1 und MEK1 einzeln ausschaltet, addieren sich nicht, wenn die Proteine in Kombination ausgeschaltet werden. Akt-1 spielt eine Schlüsselrolle bei der Metastasierung: Ohne dieses Protein sind die Krebszellen kaum noch in der Lage, in andere Körperteile einzuwandern und sich dort zu vermehren. Wenn die Proteine ErbB2 und MEK1 ausgeschaltet sind, ist das Tumorinvasions-Potenzial der Krebszellen leicht reduziert. "Es hat sich aber gezeigt, dass die Tumorzellen sogar wieder einen leichten Vorteil haben, wenn alle drei Proteine fehlen, also zusätzlich zum Akt-1 auch die Proteine ErbB2 und MEK1 ausgeschaltet sind", erläutert der Biologe Özgür Sahin vom DKFZ. "Durch unsere neue Methode hat sich herausgestellt, dass die Mechanismen bei der Metastasierung offenbar sehr komplex und nicht ohne weiteres vorhersehbar sind." Die Technologie könnte auch für die Krebs-Therapie wichtig sein. "Wenn Medikamente in Kombination eingesetzt werden, die gleichzeitig bei verschiedenen Komponenten des Krebs-Signalweges ansetzen, dann wären die Heilungschancen möglicherweise nicht besser, sondern schlechter", so Sahin.

... mehr zu:
»Akt-1 »ErbB2 »MEK1 »Metastasierung »Protein

Das Nationale Genomforschungsnetz ist ein biomedizinisches Forschungsprogramm, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Im Mittelpunkt der Arbeiten des NGFN steht die Erforschung der genetischen Ursachen von häufigen Krankheiten.

Diese Arbeit wurde innerhalb der Systematisch-Methodischen Plattform (SMP) "Cell" durchgeführt. In diesem Teilbereich des NGFN werden Erkenntnisse und Ressourcen aus der Genomforschung systematisch eingesetzt, um im biologischen System "Zelle" die Funktion und Krankheitsrelevanz von Genen zu überprüfen.

Die Ergebnisse der Studie werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Annemarie Poustka
Im Neuenheimer Feld 580, 69120 Heidelberg
Tel: 06221 42 4646
E-Mail: a.poustka@dkfz-heidelberg.de
Projektmanagement NGFN
Projektträger im DLR
Tel.: 0228 3821 331
E-Mail: pm-ngfn@dlr.de

Birgit Bott | idw
Weitere Informationen:
http://www.ngfn.de

Weitere Berichte zu: Akt-1 ErbB2 MEK1 Metastasierung Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
21.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
18.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics