Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Budapester Nashornbaby wächst und gedeiht - das erste Nashornbaby, das durch künstliche Befruchtung entstand

02.04.2007
Das erste Nashornbaby, das durch künstliche Befruchtung entstand, hat erfreulich an Gewicht zugenommen. 92 Kilo bringt es auf die Waage. Es war am 23. Januar im Budapester Zoo zur Welt gekommen (Geburtsgewicht: 58 Kilo). Der Züchtungserfolg geht maßgeblich auf Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zurück.

92 Kilo bringt es bereits auf die Waage. Wie prächtig das Nashornbaby gedeiht, davon überzeugen sich die Besucher des Budapester Zoos täglich selbst. Über einen Bildschirm im Nashornhaus können Neugierige das acht Wochen alte Nashornkalb beobachten. Das durch künstliche Befruchtung gezeugte Weibchen kam am 23. Januar im Budapester Zoo zur Welt; Geburtsgewicht: 58 Kilo. Der Züchtungserfolg geht auf Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zurück.

Für die Gewichtszunahme hat eine besondere Mixtur aus Kuhmilch, Wasser, Vitamintabletten und konzentrierten Milchproteinen gesorgt. Fünf Mal täglich füttern die Tierpfleger des Budapester Zoos das Nashornbaby mit der Flasche. "Die Nashornmutter Lulu war leider noch zu unerfahren, um das Baby anzunehmen", sagt der Zootierarzt Viktor Molnár, der zusammen mit Endre Sós dem Tier auf die Welt half. Lulu habe ihren Nachwuchs anfangs freundlich aufgenommen, säugen wollte sie ihr Baby aber nicht. Das Füttern mit der Flasche klappte hingegen auf Anhieb. Gleich beim zweiten Versuch nuckelte das Nashornkalb, von der Mutter getrennt, an der Flasche.

Einen offiziellen Namen hat das kleine Nashorn noch nicht. Unter den Zoomitarbeitern kursiert aber ein Kosename. "Wir nennen sie Nati-Panni", erzählt Victor Molnár. Der Name verbindet die südafrikanisch-ungarische Herkunft des Babys. Nati steht für die südafrikanische Provinz Kwazulu Natal. Die Nashornmutter ist dort geboren. Im alten Rom gehörte die heutige Fläche Ungarns zur römischen Provinz Pannonia. So entstand die Wortschöpfung Nati-Panni. Über den Rufnamen des Nashornbabys werden bald Kinder aus einem ungarischen Kinderdorf entscheiden. Sie dürfen Namen vorschlagen, die Zooverwaltung wird dann den besten unter den Vorschlägen auswählen.

... mehr zu:
»Befruchtung »Besamung »IZW »Nashornbaby »Zoo

An die frische Luft darf Nati-Panni noch nicht. Erst in ein paar Wochen wird das Kalb ins offene Gehege des Nashornhauses entlassen. "Für das Baby ist die Infektionsgefahr noch zu groß", sagt Molnár, der das Tier täglich in der geschlossenen Behausung untersucht. Bald schon wird Nati-Panni eine Spielgefährtin bekommen: eine Ziege soll dem Nashornbaby Gesellschaft leisten.

Das weltweit erste durch künstliche Befruchtung gezeugte Nashornkalb hat die ersten Monate gut überstanden. Für die Reproduktionsexperten des IZW ist das ein großer Erfolg. Im September 2005 hatten sie die Besamung durchgeführt, nachdem die Nashornmutter Lulu nur vier Wochen zuvor ein totes Kalb zur Welt gebracht hatte. Lulu war bereits im Jahr 2004 erstmals erfolgreich mit einer speziell für das Nashorn entwickelten Methode künstlich besamt worden. Drei Wissenschaftler des IZW, Thomas Hildebrandt, Frank Göritz und Robert Hermes, hatten das Verfahren zur künstlichen Befruchtung beim Nashorn entwickelt. "Wir haben uns von der großen Enttäuschung nach der Totgeburt nicht entmutigen lassen", sagte IZW-Veterinär Dr. Robert Hermes, "und haben sofort an eine erneute Besamung gedacht." Denn mit ihrer ersten Trächtigkeit hatte die schon 25 Jahre alte Lulu bewiesen, dass sie noch fruchtbar ist.

Der jetzige Erfolg des IZW-Teams um Dr. Thomas Hildebrandt gelang nur durch enge Zusammenarbeit mit Tierärzten verschiedener europäischer Institutionen und Ingenieuren. Hormonspezialist Prof. Franz Schwarzenberger und Wildtieranästhesist Dr. Chris Walzer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die Chirurgiemechanikfirma A. Schnorrenberg aus Berlin und die Medizintechnikfirma General Electric (GE) leisteten einen wesentlichen Beitrag zu diesem entscheidenden Durchbruch nach siebenjähriger Forschungsarbeit.

Die Forscher hoffen, die künstliche Besamung nun auch bei Nördlichen Breitmaulnashörnern (Ceratotherium simum cottoni) einsetzen zu können, einer der seltensten Tierarten auf unserer Erde. Von dieser Breitmaulnashorn- Unterart gibt es noch 4 Exemplare in freier Wildbahn und lediglich 5 zuchtfähige Tiere in Menschenhand. Der Einsatz der künstlichen Besamung könnte helfen, das Überleben dieser hoch bedrohten Tiere in menschlicher Obhut zu sichern.

Autorin: Tania Greiner

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de/images/verbundjournal/verbund69.pdf

Weitere Berichte zu: Befruchtung Besamung IZW Nashornbaby Zoo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie