Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiger Sensor für Umweltschadstoff

04.03.2002


Leipziger Chemiker haben bei der Erforschung von Metallkomplexverbindungen mit der Synthetisierung einer speziellen Eisen-Nickel-Verbindung einen Volltreffer erzielt. Mit deren Hilfe kann Stickstoffmonoxid, dessen Bedeutung für den Organismus erst in jüngster Zeit erkannt wurde, besser bestimmt werden als bisher.

Die Forschung über Metallkomplexverbindungen, das sind chemische Verbindungen, bei denen ein zentrales Metallatom sich mit anorganischen oder organischen Molekülen bzw. Ionen ("Liganden") umgibt, hat am Anorganischen Institut der Universität Leipzig eine fast 100-jährige Tradition. Diese ist mit klangvollen Namen wie Arthur Hantzsch (1903-1927), Franz Hein (1923-1942), Leopold Wolf (1945-1961) und Eberhard Hoyer (1967-1996) verbunden. Nun findet diese Tradition mit den beiden Chemikern Prof. Dr. Lothar Beyer und Prof. Dr. Rainer Richter ihre Fortsetzung.

Finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, führten die beiden Forscher gemeinsam mit drei Doktoranden umfassende Untersuchungen über ferrocenhaltige Ligandenklassen und ihre Mehrkernmetallkomplexe durch. Die Stammverbindung Ferrocen selbst ist ein seit 50 Jahren bekannter eisenhaltiger Aromatenkomplex in der Strukturform eines Sandwiches. Das Besondere der Forschungsarbeit bestand nun darin, Ferrocen mit weiteren komplexbildenden Liganden zu verbinden, welche nach dem Schloss-Schlüssel-Prinzip spezifisch andere Metallionen "erkennen" können. Dieses Prinzip lässt sich praktisch nutzen.

In diesem Sinne hat sich ein synthetisierter, neuartiger ferrocenhaltiger Nickelkomplex als Volltreffer erwiesen. An einer Nickel-"Schablone" ordnen sich die ferrocenhaltigen Reaktanten (Stoffe, die mit anderen eine Reaktion eingehen) definiert räumlich an und können das Entstehen des gewünschten Nickelkomplexes bewirken. Dieser ist in der Lage, als Sensor für Stickstoffmonoxid (NO) zu fungieren. NO ist ein bekannter Umweltschadstoff und wird auch bei der Gabe u.a. bestimmter herzaktiver Medikamente im Körper freigesetzt. Das als "Molekül des Jahres 1992" ausgewählte NO ist ein so genannter Botenstoff, dessen Bedeutung für den Organismus erst in jüngster Zeit erkannt worden ist. Mit dem Sensor, der patentiert worden ist, erschließt sich nun ein neuer Weg zur quantitativen, elektrochemischen Bestimmung von NO. Entsprechende Forschungsarbeiten dazu werden in Kooperation mit einer Arbeitsgruppe von Prof. Dr. José Losada an der Madrider Universität durchgeführt.

Neben solchen praktisch bedeutsamen Ergebnissen war es auch möglich, mit der genauen strukturellen Bestimmung einer Vielzahl von Vertretern dieser neuen Verbindungsklasse mittels Röntgenkristallstrukturanalyse detaillierte Vorstellungen zur chemischen Bindung und zum Reaktionsverhalten zu ermitteln. Ein gewiss nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist der, dass die mittlerweile zu Doktoren qualifizierten Mitarbeiter selbst eine Firma "Chiroblock" mit Erfolg gegründet haben, als Postdoc in Japan arbeiten und als Hochschullehrer in Peru wirken.

Weitere Informationen Prof. Dr. Lothar Beyer
Telefon: 0341 97 36160
E-Mail: beyinorg@organik.chemie.uni-leipzig.de

Volker Schulte | idw

Weitere Berichte zu: Ferrocen Nickelkomplex Organismus Sensor Umweltschadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften