Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Larven seltener Höhlenkrebse entdeckt

16.03.2007
Schlüssel zum Verständnis der Evolution der Remipedia

Wissenschaftlern der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und der Texas A&M University ist es gelungen, die Entwicklung seltener und bisher wenig erforschter Höhlenkrebse der Klasse Remipedia zu entschlüsseln. In der im März erscheinenden Ausgabe von Evolution & Development stellen die Forscher ihre Ergebnisse vor.

Bis heute gab das stammesgeschichtliche Alter der Höhlenkrebse, ihre Position im zoologischen System und ihre Verbreitung der Wissenschaft Rätsel auf. Während einer Tauchexpedition in marinen Höhlensystemen auf den Bahamas, den Blue Holes, gelang es den Wissenschaftlern der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Texas A&M Universität nun erstmalig, die Larven der Remipedia zu fangen. Insgesamt wurden fünf Exemplare verschiedener larvaler Entwicklungsstadien gefunden. Anhand der Funde gelang es dem deutsch-amerikanischen Forscherteam rund 25 Jahre nach der Entdeckung der Remipedia die post-embryonale Entwicklung dieser Grottenkrebse zu rekonstruieren.

Aufgrund ihres außergewöhnlichen Bauplans wurden (und werden) Remipedien häufig als Urzeit-Krebse eingestuft. Fossilienfunde aus dem Karbon, deren Bauplan dem der Remipedia ähnelt, schienen diese Auffassung zu unterstützen. Die Larvenfunde untermauern jedoch neuere Untersuchungen, nach denen Remipedien wahrscheinlich keine 'lebenden Fossilien' sind, sondern eine hoch angepasste, moderne Form von Krebsen darstellen.

Die Forscher konnten zwischen den frühen Larvenstadien der Remipedia und den Larven der höheren Krebse, den Malacostraca, Gemeinsamkeiten feststellen, was auf eine engere Verwandtschaftsbeziehung der beiden Krebsgruppen hindeutet. Diese überraschende Erkenntnis stellt ein wichtiges Mosaikstück für das Verständnis der Evolution der Arthropoden dar, und schließt eine wesentliche Lücke im Wissen über die Herkunft und das Alter dieser rätselhaften Tiergruppe.

Das geographische Hauptverbreitungsgebiet der Höhlenkrebse erstreckt sich in der Karibik von der Yukatan-Halbinsel in Mexico bis zu den Bahamas. Zusätzlich wurden zwei Arten auf Lanzarote und in Westaustralien gefunden. Prof. Dr. Stefan Könemann aus dem Institut für Tierökologie und Zellbiologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover erklärt: "Da Remipedien noch nie außerhalb ihres Lebensraums gefunden wurden, bleibt ungeklärt, wann und wie sie es geschafft haben, weit voneinander entfernte Höhlensysteme auf beiden Seiten des Atlantischen und Indischen Ozeans zu besiedeln."

Remipedia leben überwiegend in küstennahen Höhlensystemen, die gegen Ende der Eiszeit von Salzwasser überflutet wurden, und sind in Anpassung an ihren lichtlosen Lebensraum schneeweiß und blind. Die Wissenschaft bezeichnet Tiere mit solchen Anpassungen als Stygobionten, in Anlehnung an Styx, einen Fluss der griechischen Unterwelt. "Die Unzugänglichkeit dieser Lebensräume ist der Hauptgrund für die späte Entdeckung der Remipedia. Bis heute liegen viele Details ihrer Lebensweise buchstäblich im Dunkeln. Jetzt kommt es darauf an, schnell zu handeln, da einige Lebensräume der Remipedia durch Bauvorhaben und Abwassereinleitungen bedroht sind", erklärt Dr. Christoph Held, Mitautor der Studie und Biologe am Alfred-Wegener-Institut.

Die Remipedia bilden innerhalb des Stamms der Gliederfüßer (Arthropoda) eine Klasse der Krebstiere. Sie wurden Anfang der 1980er Jahre während eines Tauchgangs in marinen Höhlensystemen auf den Bahamas entdeckt. Remipedien sind zwischen neun Millimeter und 4,5 Zentimeter lang und erinnern auf den ersten Blick entfernt an Tausendfüßer.

Für Rückfragen wenden Sie sich gern an:

Jun.-Prof. Dr. Stefan Könemann
Institut für Tierökologie und Zellbiologie
Tel.: (05 11) 9 53-88 81
E-Mail: stefan.koenemann@tiho-hannover.de
Dr. Christoph Held
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Tel.: (04 71) 4831 2005
E-Mail: christoph.held@awi.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise