Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues vom Selbstmord der Zelle

14.03.2007
Descartes-Preis geht an europäisches Forscherteam mit dem Ulmer Professor Klaus-Michael Debatin

Das Forscherteam aus Frankreich, Österreich, Dänemark, Italien, Schweden und Deutschland hat neue Erkenntnisse über Ablauf und Störung des programmierten Zelltodes gewonnen und damit neue Wege für die Behandlung von Krankheiten wie Aids und Krebs eröffnet.

Jede Sekunde sterben im menschlichen Körper mehrere Millionen Zellen den programmierten Zelltod (Apoptose). Ist das System gestört, sterben zu viele Zellen oder zu wenige. Bei Krebs beispielsweise ist das natürliche Zellsterben gehemmt, so dass die Krebszellen gedeihen und weiterleben können. Bestimmte Chemotherapien, die versuchen, den programmierten Zelltod in den Krebszellen auszulösen, wirken nicht. Mehr noch: Die Krebszellen entwickeln Resistenzen gegen die Chemotherapie.

Ist bei Krebs das geringe Zellsterben das Problem, so ist es bei Aids das erhöhte Zellsterben. Das HI-Virus bewirkt, dass die Immunzellen des Körpers schneller absterben und das Abwehrsystem des Körpers zusammenbricht. Auch bei Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie bei bestimmten Erbkrankheiten spielt ein erhöhtes Zellsterben eine Rolle.

Wie und warum sich Zellen "entscheiden" zu sterben, darüber hat das preisgekrönte internationale Forscherteam mit Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm, neue Erkenntnisse gewonnen. Sie fanden heraus, dass die Mitochondrien, eine funktionelle Untereinheit der Körperzellen, den Zelltod mit kontrollieren. Wird die Hülle der Mitochondrien durch verschiedene Einflüsse durchlässig, werden Proteine freigesetzt, die zum Zelltod beitragen.

Die Erkenntnisse der Forschergruppe öffnen neue Wege in der Krebstherapie: So kann durch die genaue Untersuchung der Mitochondrien bestimmt werden, wie gut ein Leukämie-Patient auf eine Chemotherapie ansprechen wird. Die Pharmaindustrie will sich darauf konzentrieren, die gestörten Abläufe an der Mitochondrienhülle zu beeinflussen. Das preisgekrönte Team hat außerdem Strategien entwickelt, mit denen man Tumorzellen wieder zu einem natürlichen Absterben bringt.

Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin beschäftigt sich seit Jahren mit Vorgängen des programmierten Zelltodes. Die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, die Debatin als Ärztlicher Direktor leitet, hat einen renommierten kinderonkologischen Schwerpunkt. Professor Debatin zeigte sich hoch erfreut über den Preis. Bei der Eröffnung des neuen Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) mahnte er am Wochenende: "Forschung braucht eine Spielwiese. Keine Innovation der letzten Jahrzehnte entstand nur geplant - auch nicht die für den Descartes-Preis."

Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan hatte den Preis am 7. März in Brüssel übergeben. Sie freute sich über den Ulmer Erfolg und betonte bei der CCCU-Eröffnung am Wochenende in Ulm, dass Exzellenz in der Forschung durch eine Kombination aus guten Strukturen und klugen Köpfen entstehe - von denen Ulm einige aufbieten könne. EU-Forschungskommissar Janez Potocnik betonte in seiner Rede in Brüssel: "Für mich geht es in der Wissenschaft um Menschen. Wenn wir ihnen nicht die nötigen Mittel geben, gehen sie in andere Länder oder suchen sich andere Jobs."

Die Forschungsergebnisse der Preisträger wurden seit 2001 über 50.000 Mal von anderen Fachzeitschriften zitiert - ein Beweis für ihre Bedeutung. Der Descartes-Preis wird seit sieben Jahren von der Europäischen Kommission mit einem Preisgeld von insgesamt 1 Million Euro an internationale Forscherteams verschiedener Bereiche vergeben.

Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Tel: 0731 - 500 43025
Fax: 0731 - 500 43026
E-Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de

Petra Schultze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/kliniken/kinder-und-jugendmedizin.html

Weitere Berichte zu: Descartes-Preis Krebszelle Mitochondrium Zellsterben Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics