Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bindung von Transkriptionsfaktoren korreliert mit ungünstiger Prognose bei Darmkrebs

07.03.2007
Nach der chirurgischen Entfernung von Darmkrebs besteht für die Patienten viele Jahre das Risiko, dass der Tumor lokal wieder auftritt oder dass sich Metastasen bilden.

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Klinikum Mannheim und den beiden Münchener Universitäten untersuchen Faktoren, die möglichst frühzeitig Aussagen über den Krankheitsverlauf ermöglichen, um Hochrisikopatienten so früh wie möglich zu identifizieren.

Tumorzellen, die sich aus dem Gewebeverband gelöst haben und in benachbarte Gewebe eindringen, sind auf molekulare Scheren angewiesen, mit denen sie Eiweißbarrieren aus dem Weg räumen. Das Enzym uPA und sein Rezeptor uPAR bilden zusammen eine solche Proteinschere. In früheren Arbeiten hatte Professor Dr. Heike Allgayer, Leiterin der Klinischen Kooperationseinheit "Molekulare Onkologie solider Tumoren" des Deutschen Krebsforschungszentrums, bereits gezeigt, dass das Vorhandensein dieser Moleküle auf Tumorzellen mit einem eher ungünstigen klinischen Verlauf der Erkrankung korreliert. Allgayer klärte außerdem, warum manche Tumorzellen große Mengen an uPAR bilden, andere dagegen nicht: Als "Promoter" bezeichnete Schalterstellen in der Nähe des uPAR-Gens müssen durch bestimmte Schalterproteine, so genannte Transkriptionsfaktoren, aktiviert werden. Dadurch kommt die Produktion des uPAR-Proteins in Gang. In ihrer neuesten Untersuchung prüften Allgayer und ihre Mitarbeiter bei Darmkrebs, ob die Aktivierung der Schaltstellen für das uPAR-Gen bereits zu einem frühen Zeitpunkt Prognosen des Krankheitsverlaufs ermöglicht.

Im Rahmen der Studie wurde Tumorgewebe von 92 Patienten untersucht. Die Wissenschaftler analysierten die Bindung verschiedener Kombinationen von Transkriptionsfaktoren an die Promoterregionen des uPAR-Gens. Generell zeigten die Ergebnisse, dass Patienten umso länger überleben, je weniger Transkriptionsfaktoren an die uPAR-Promoter gebunden sind. Die Bindung einer bestimmten Kombination von drei Transkriptionsfaktoren ist mit einer besonders geringen Überlebenszeit assoziiert. Ein weiteres Ergebnis überraschte die Forscher besonders: Nach den klassischen Kriterien gilt die Prognose von Darmkrebspatienten, deren Tumoren chirurgisch vollständig entfernt werden konnten, als günstig. Anhand der Transkriptionsfaktor-Bindung identifizierten die Wissenschaftler unter diesen Patienten bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Nachbeobachtung eine Gruppe, deren Erkrankung so ungünstig verlief wie bei Betroffenen, deren Tumor nur unvollständig operiert werden konnte. Das zeigt, dass die Bindung an den uPAR-Promoter bei Darmkrebs ein unabhängiger, neuer und auch sehr früher Prognosefaktor ist: Er funktioniert bereits zu einem Zeitpunkt der Nachbeobachtung, an dem die Menge an uPAR selbst im Tumorgewebe noch keine Risikoabschätzung erlaubt.

"Das ist das erste Mal, dass der prognostische Wert der Bindung von Transkriptionsfaktoren systematisch untersucht wurde", erläutert die Chirurgin und Molekularbiologin Heike Allgayer. "Gerade bei Erkrankungen wie Darmkrebs, die eine Nachbeobachtung von vielen Jahren erfordern, sind wir dringend darauf angewiesen, Faktoren zu identifizieren, die bereits frühzeitig Hochrisikopatienten definieren. Diese Patienten sollten dann besonders engmaschig überwacht und eventuell auch zusätzlich therapiert werden. Um aussagekräftige Tests für verschiedene Krebserkrankungen zu entwickeln, müssen wir in Zukunft die bekannten molekularen Marker systematisch auf ihren prognostischen Wert überprüfen."

Gabriele D. Maurer, Jörg H. Leupold, Denis M. Schewe, Tobias Biller, Ronals E. Kates, Hans-Martin Hornung, Ulla Lau-Werner, Stefan Post und Heike Allgayer: Analysis of specific transcriptional regulators as early predictors of independent prognostic relevance in resected colorectal cancer. Clinical Cancer Research 2007, Band 13, Seite 1123

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Sibylle Kohlstädt | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Bindung Darmkrebs Transkriptionsfaktoren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik