Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Schleimer bei der DFG

05.03.2007
Neu entdecktes Bakterium trägt den Namen der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Kinder brauchen einen Namen. Das gilt auch für neu entdeckte Bakterien.
Das Bakterium Deefgea rivuli trägt seinen Namen zu Ehren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Entdeckt wurde Deefgea von Prof. Erko Stackebrandt, Leiter der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) und seinen Mitarbeitern, als sie den außergewöhnlich kalkhaltigen Westerhöfer Bach im Harz untersuchten.

Der ehemalige Präsident der DFG, Prof. Ernst-Ludwig Winnacker, bekundete seine Freude über die Namensgebung und gab zu bedenken: "Mit einer Benennung findet auch eine Parallelisierung zwischen der Bezeichnung und dem Bezeichneten statt." Ihn freute besonders, dass Deefgea etwas Bewegliches bezeichnet: das Bakterium besitzt sogenannte Geißeln, mit denen es sich im Wasser fortbewegen kann. Deefgea speichert aber auch Reservestoffe wie Polyphosphate und - es scheidet Schleim aus. Winnacker reagierte augenzwinkernd: "Ich kann aber nicht glauben, dass die DFG etwas schleimbildendes sein soll. Hier muss doch die Trennlinie zwischen Deefgea und der DFG gezogen werden." Stackebrandt stellt klar: "Die Fähigkeit zur Schleimbildung ist im Reich der Bakterien ausgesprochen nützlich. Erst dadurch ist es dem Organismus möglich, sich in einer produktiven Lebensgemeinschaft, einem so genannten Biofilm, anzusiedeln und zu wachsen."

DFG-Förderung gewürdigt

... mehr zu:
»Bakterium »DFG »Deefgea

Das Bakterium Deefgea rivuli und seine vielfältigen Eigenschaften werden heute in der Online-Ausgabe des International Journal of Systematics and Evolutionary Microbiology erstmals publiziert - damit ist der Name jetzt für Wissenschaftler in aller Welt ganz offiziell. Der Erstbeschreiber, Prof. Dr. Erko Stackebrandt, einer der weltweit führenden Bakterien-Systematiker, hat in seinem Leben bereits hunderte von Mikroorganismen entdeckt und beschrieben. Die Idee, diesem Einzeller den Gattungsnamen "Deefgea" zu geben, kam ihm schnell: "Die DFG hat während meiner Forschungstätigkeiten immer wieder Projekte zur Bakteriensystematik und Artenvielfalt gefördert - nicht zuletzt das Harz-Projekt, bei dem wir Deefgea gefunden haben. Es war einfach einmal an der Zeit, danke zu sagen!" Stackebrandt, der seit 1994 die DSMZ leitet, kam auf die Spur des mobilen Schleimbildners, als er im Sommer letzten Jahres bei mehreren Exkursionen mit Forscherkollegen der Universität Göttingen die Lebensgemeinschaften des nördlich von Göttingen, im Harz gelegenen Westerhöfer Bachs unter die Lupe nahm.

Bakterium bildet Ur-Gestein

Deefgea lebt in extrem kalkhaltigem Wasser und ist offensichtlich an der Bildung von Gesteinen, so genannten Stromatolithen, beteiligt. Stromatolithe sind geschichtete Sedimentgesteine, die ältesten fossilen Belege biologischer Aktivität. Mit ihrem abgesonderten Schleim binden die Bakterien den ausgefallenen Kalk des Wassers und können so zur Bildung des schichtförmigen Kalksteins beitragen.

Milena Wozniczka | idw
Weitere Informationen:
http://www.dsmz.de

Weitere Berichte zu: Bakterium DFG Deefgea

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie