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Leukämie bei Kindern

22.02.2007
Kinderklinik belegt die Bedeutung nationaler und internationaler Zusammenarbeit in der klinischen Forschung

Anders als im Erwachsenenalter werden nahezu alle Kinder, die an Krebs erkrankt sind, in Deutschland, aber auch international seit vielen Jahren nach einheitlichen Behandlungsplänen in so genannten multizentrischen Therapieoptimierungsstudien (TOS) behandelt. Ziel dieser TOS ist es zum einen, die krebskranken Kinder einheitlich nach bestem Wissenstand zu behandeln, zum anderen aber mögliche Verbesserungen der Therapie systematisch zu prüfen.

Prof. Martin Schrappe, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, leitet seit vielen Jahren das hierzulande größte derartige Programm, genannt ALL-BFM Studie (die Unikliniken in Berlin, Frankfurt und Münster waren die ersten Kliniken, aus denen dieser Verbund hervorging). Nach diesem Behandlungsplan werden Kinder und Jugendliche behandelt, die an akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) erkrankt sind. Diese Studie wird von der Deutschen Krebshilfe mit 2,4 Millionen Euro gefördert.

Mit 500 bis 600 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland ist die ALL die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Prof. Schrappe ist zugleich Leiter einer internationalen Studiengruppe für Leukämien und Lymphome (International BFM Study Group), einem Zusammenschluss von Studiengruppen aus zahlreichen europäischen und südamerikanischen Ländern. Die Bedeutung dieser Form der klinischen Forschung konnten Prof. Schrappe und seine Mitarbeiter zusammen mit internationalen Fachkollegen kürzlich mit drei Publikationen zur Leukämiebehandlung bei Kindern belegen.

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Zwei Arbeiten, die im Jahr 2005 in den hoch angesehenen Fachzeitschriften "Lancet" und Ende 2006 im "Journal of Clinical Oncology" vorgestellt wurden, konnten eindrucksvoll aufzeigen, dass eine Reihe von Kindern mit so genannter Hochrisiko-ALL mit einer Kombination aus Chemotherapie und Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation besser geheilt werden können als nur mit Chemotherapie. Das betrifft in besonderem Maße die Kinder mit einer Hochrisiko-T-ALL, einer Untergruppe dieser Erkrankung.

In einer Anfang dieses Jahres ebenfalls in "Lancet" veröffentlichten Arbeit, in der die Behandlung von mehr als 3000 Kindern ausgewertet wurde, konnte aber auch gezeigt werden, dass Kinder, die keine Hochrisiko-ALL haben, keine weitere belastende Intensivierung der Behandlung während der so genannten Erhaltungstherapie benötigen: Zusätzliche Gaben bestimmter Medikamente (Vincristin und Dexamethason) verringern nicht die Anzahl der Rückfälle der Erkrankung. Die Ergebnisse dieser Arbeiten tragen bereits heute dazu bei, den Umfang der Behandlung an das Rückfallrisiko jedes einzelnen Kindes mit ALL anzupassen. Das moderne Prinzip der Leukämietherapie heißt somit heute: Soviel wie nötig, aber auch so wenig wie möglich. Die neuesten Daten zeigen an, dass mit diesem Ansatz 80% der Kinder mit ALL auf Dauer geheilt werden können. Trotzdem werden weitere Studien nötig sein, um auch den Kindern, die ein besonders hohes Rückfallrisiko haben, eine erfolgreiche Behandlung anbieten zu können.

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:
Prof. Dr. med. Martin Schrappe, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Schwanenweg 20, 24105 Kiel, Tel. 0431-597-1621, Fax 0431-597-3966,
Email: m.schrappe@pediatrics.uni-kiel.de
OA Dr. André Schrauder, Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Tel. 0431-597-1622
Dr. Anja Möricke, Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Tel. 0431-597-1622

Dr. Anja Aldenhoff-Zöllner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-sh.de

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