Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf den Hund gekommen: Forschungsprojekt "Hund und Halter" an der Universität Wien

06.02.2007
"Sind Sie ein Katzen- oder ein Hundemensch?" Unter Tierfreunden gibt es zwei "Lager" und die jeweilige Zugehörigkeit, so die landläufige Meinung, sagt so einiges über den Menschentyp aus. Der Verhaltensforscher Kurt Kotrschal geht nun den so genannten Hundemenschen auf die Spur. In seinem aktuellen Forschungsprojekt "Hund und Halter" analysiert er diese Art der Mensch-Tier-Beziehung.

"In unserer Forschung behandeln wir die Mensch-Tier-Beziehung wie eine richtige Sozialbeziehung", erklärt Kurt Kotrschal, Professor am Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung der Universität Wien. Er ist Leiter des Projekts "Hund und Halter", das im Jänner begann und das vom Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) gefördert wird: "Das Zusammenleben ist auch hier von Konflikten und Lösungen geprägt. Sowohl Tier als auch Mensch müssen sich immer wieder neu positionieren. Wir wollen herausfinden, inwieweit sich die jeweiligen Persönlichkeiten und ihre Verhaltensweisen gegenseitig beeinflussen."

Jagdgemeinschaft Wolf und Mensch

Die Interaktion von Wolf und Mensch zählt zu den am längsten belegten Mensch-Tier-Beziehungen. So sind die ältesten gemeinsamen Funde von Menschen- und Wolfsknochen über 15.000 Jahre alt, molekulargenetische Daten zeigen allerdings, dass die Partnerschaft schon viel älter sein muss, nämlich etwa 100.000 Jahre. Die ältesten Zeichnungen, die Mensch und Hund gemeinsam auf der Jagd zeigen, sind 8.000 Jahre alt und stammen aus dem algerischen Tassili-Gebirge. Zum Vergleich: Das Schaf ist seit etwa 7.000 Jahren domestiziert. "Der Hund wurde sicherlich nicht im klassischen Sinn domestiziert. Mensch und Hund durchliefen gemeinsam eine so genannte Ko-Evolution", stellt der Verhaltensforscher klar: "Ähnliche Lebensweise und soziale Organisation von Menschensippen und Wolfsrudeln führten offenbar zu dieser frühen Annäherung."

Bester Freund Hund

Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhältnis gewandelt: Aufgrund der generellen Entwicklung hin zur Kleinfamilie ist auch die Beziehung zum "besten Freund Hund" privater geworden, gerade im städtischen Bereich. "Für das Projekt haben wir deshalb Menschen ausgewählt, die eine typisch städtische Beziehung zu ihrem Hund haben", so Kotrschal. Das Team hat mittlerweile zehn Männer und zehn Frauen mit jeweils einem unkastrierten Rüden, der zwischen 18 Monate und sechs Jahre alt ist, ausgesucht. Die meisten der BesitzerInnen sind zudem Single oder leben zumindest alleine mit ihrem Hund, den sie schon seit Welpenalter kennen. "Uns ist es wichtig, dass es sich beim Mensch-Hund-Verhältnis um eine gewachsene Beziehung handelt", erklärt der Verhaltensforscher.

Brot und Spiele

Das Team um Kotrschal wird im Zuge von Hausbesuchen das Wesen und den Charakter von Hund und HalterIn genauestens analysieren. Bei den BesitzerInnen werden zuerst standardisierte Persönlichkeitstests durchgeführt und anschließend die Einstellung dem Hund gegenüber festgestellt. "Wird der Hund als 'Sportgerät', 'Fußabstreifer' oder als vollwertiger Sozialpartner gesehen?", fragt Kotrschal. Anschließend werden Hund und BesitzerIn in Interaktion beobachtet, etwa beim gemeinsamen Spaziergang oder bei der Nahrungszubereitung und dem -verzehr.

Auch spielerische Tests erzählen den ForscherInnen mehr über das Verhältnis. So besteht eine der Aufgaben darin, dem Tier innerhalb einer bestimmten Zeit einen Trick beizubringen. "Hier schauen wir, wie das Herrl agiert - herrisch oder sanft? - und gleichzeitig, wie der Hund darauf eingeht. Ist er eingeschüchtert, gestresst oder macht es ihm Spaß?" Den Stresshaushalt des Hundes können die ForscherInnen durch Speichelproben sehr genau bestimmen: Je mehr Cortisol (ein Stoffwechselhormon) sich im Speichel befindet, desto gestresster der Hund. Und das ist ein Indikator, ob die Beziehung in bestimmten Situationen generell von Stress geprägt ist.

Unterschiede zwischen "Frauerl" und "Herrl"

Auch das Geschlecht spielt in der Beziehung keine unwesentliche Rolle, sowohl beim Hund als auch bei den BesitzerInnen. "Wir untersuchen zu Beginn des Projekts zunächst nur Rüden und werden dabei auf Unterschiede achten, wie Frauen und Männer jeweils mit ihren Hunden umgehen und wie sich das wiederum auf das Verhalten der Hunde auswirkt", so Kotrschal: "Allgemein kann ich schon jetzt sagen, dass ein Hund für Männer oft das verlängerte Ego darstellt, während er von Frauen mehr als Sozialgefährte gesehen wird."

Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal
Department für Neurobiologie und Verhaltenswissenschaften
Konrad Lorenz Forschungsstelle, Grünau im Almtal
M +43-664-602 77 545 42
klf.gruenau@telecom.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://public.univie.ac.at

Weitere Berichte zu: Mensch-Tier-Beziehung Verhaltensforscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften