Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie nützliche Insekten Rosen zu makelloser Schönheit verhelfen

05.02.2007
Positive Ergebnisse zum umweltschonenden Einsatz von Nützlingen im Schnittblumen- und Zierpflanzenanbau - Praxis-Handbuch wird erstellt
Vorzugsweise mit Rosen wird am Valentinstag den Gefühlen Ausdruck verliehen.

Wenn aber schon etwas durch die Blume gesagt wird, dann darf keine Blattlaus, keine braune Stelle auf der Blüte, kein weißer Fleck auf dem Blatt ihre makellose Schönheit trüben. Genau diese hohen Qualitätsanforderungen ließen Rosenproduzenten bisher davor zurückschrecken, Schädlinge wie Thripse oder Weiße Fliegen mit natürlichen Gegenspielern zu bekämpfen.

Zudem war unklar, ob sich diese biologische Bekämpfung rechnet und auch genauso effektiv ist wie der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Verbraucher monieren den Chemieeinsatz ebenfalls nicht, da Blumen im Gegensatz zum Gemüse nicht zum Verzehr bestimmt sind. Insgesamt also keine guten Voraussetzungen, um der Branche den Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben oder Erzwespen schmackhaft zu machen. Das von der Biologischen Bundesanstalt für Land und Forstwirtschaft (BBA) koordinierte Verbundprojekt "Nützlinge" schafft jetzt Transparenz und räumt mit Vorurteilen auf. Die von der BBA und den Projektpartnern erzielten Forschungsergebnisse helfen, den Einsatz nützlicher Insekten im Zierpflanzenbau langfristig zu etablieren.

Die Projektpartner konnten zeigen, dass der Einsatz der Nützlinge im Gewächshaus nicht unbedingt mehr Kosten verursacht als die herkömmliche Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln. "Nach einer Umstellungsphase, bei der zunächst mehr Kosten anfielen, pendelten sich die Werte nach zwei bis drei Jahren auf einem Niveau ein, wie es auch bei chemischen Behandlungen üblich ist ", berichtet die Koordinatorin Dr. Ellen Richten über ihre Erfahrungen mit Schnittrosenproduzenten im Raum Hamburg. Die Wissenschaftlerin der BBA hat im Rahmen des Verbundprojekts den Nützlingseinsatz bei Rosen und zuletzt bei Gerbera untersucht. Die lebenden Gegenspieler sind auf lange Sicht umweltfreundlicher und gesundheitsfreundlicher für die Mitarbeiter. "Bei Nützlingen entfällt die lästige Arbeit mit Schutzanzügen, was besonders bei warmen Temperaturen ein Plus ist. Zudem können sie von jedermann, also auch von Saisonkräften, ausgebracht werden."

In Zeiten, in denen weniger chemische Mittel zugelassen werden und vermehrt Resistenzen auftreten, stellen die Nützlinge laut Dr. Richter eine echte Alternative dar. "Da das Gewächshaus ein geschlossenes System ist, lassen sich Schädlings- und Nützlingsdichten gut kontrollieren und bei Bedarf rasch nachregulieren." Die Rosenpflanzen dankten die Umstellung auf den Nützlingseinsatz. Sie zeigten auf Grund der Minderbelastung durch chemische Mittel eine bessere Wüchsigkeit und Qualität. Ähnliche Erfolge erzielten die Projektpartner bei Weihnachtssternen, Topfsonnenblumen, Alpenveilchen, Christusdorn sowie Topfchrysanthemen.

"Im Gemüseanbau unter Glas werden Nützlinge schon länger erfolgreich eingesetzt. Unser Ziel war es, die Verfahren für den Zierpflanzenbau anzupassen", so Ellen Richter. "Den geplanten Ansatz, ausschließlich Nützlinge einzusetzen, mussten wir aufgeben, da die Qualitätsanforderungen in der Branche zu hoch sind. Zudem mussten Pilzerkrankungen bekämpft werden." So hat sich ein biologisch-integriertes Verfahren herauskristallisiert, das auf dem Nützlingseinsatz basiert, aber bei extremem Befall die Anwendung nützlingsschonender Pflanzenschutzmittel ermöglicht. Dazu gehören Mittel, die auf biologischen Wirkstoffen basieren und/oder im Öko-Landbau zulässig sind.

Weil es sich um ein lebendes System handelt, lässt sich nicht pauschal angeben, wie viele Nützlinge pro Quadratmeter eingesetzt werden müssen. Die Zahlen variieren von Betrieb zu Betrieb, liegen jedoch etwas höher als im Gemüsebau. Der Erfolg hängt von der Pflanzenart, den spezifischen Schädlingen, ihrer Ausgangsbelastung aber auch von der innerbetrieblichen Pflanzenschutzpraxis und der Aufmerksamkeit der Mitarbeiter ab. "Wer sich für die Produktion mit Nützlingen entscheidet, muss in die Fortbildung seiner Mitarbeiter investieren, etwas Geduld und Fingerspitzengefühl haben und sollte sich nicht scheuen, externe Berater zu konsultieren", fasst Richter ihre Erkenntnisse zusammen. Die Ergebnisse zu den einzelnen Kulturen fasst die BBA derzeit in einem Handbuch zusammen. Es soll Betriebsleitern und interessierten Neueinsteigern als Entscheidungshilfe dienen.

Kontakt:
Dr. Ellen Richter
Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau der BBA)
Kompetenzzentrum für den Freilandgemüsebau (Gülzow)
Tel.: 03843 / 789-224 oder 0531 / 299-4441
E-Mail: e.richter@lfa.mvnet.de
Zum Verbundprojekt:
Das Projekt wurde über sieben Jahre vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert. Insgesamt beteiligten sich ca. 30 Gartenbaubetriebe in sechs Bundesländern, die regional zu Projekten zusammengefasst waren, und von sechs Institutionen wissenschaftlich betreut wurden. Alle Projekte wurden zentral vom Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig koordiniert. Projektträger war die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Hauptaufgaben waren, den Nützlingseinsatz an die Zierpflanzenkulturen anzupassen, die Hygienemaßnahmen in den Betrieben zu verbessern, nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel zu integrieren und die biologischen Verfahren ökonomisch zu bewerten, um sie langfristig in der Praxis zu etablieren.

Folgen sie den Links hinter der Angabe des Bundeslandes, um einzelne Standorte und Praxisbetriebe zu ermitteln.

Mecklenburg-Vorpommern:
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_979848/DE/Home/pflanzen__schuetzen
/biologisch__alternativ/verbund__nuetzl/verbundprojektnuetzlinge2/
BetriebeRegionMeckPom__inhalt.html
Hamburg:
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_979848/DE/Home/pflanzen__schuetzen
/biologisch__alternativ/verbund__nuetzl/verbundprojektnuetzlinge2/
BetriebeRegionHamburg__inhalt.html
Niedersachsen:
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_979848/DE/Home/pflanzen__schuetzen/
biologisch__alternativ/verbund__nuetzl/verbundprojektnuetzlinge2/
BetriebeRegionNiedersachsen__inhalt.html
Rheinland:
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_979848/DE/Home/pflanzen__schuetzen/
biologisch__alternativ/verbund__nuetzl/verbundprojektnuetzlinge2/
BetriebeRegionRheinland__inhalt.html
Rheinland-Pfalz:
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_979848/DE/Home/pflanzen__schuetzen
/biologisch__alternativ/verbund__nuetzl/verbundprojektnuetzlinge2/
BetriebeRegionRheinlandPfalz__inhalt.html
Thüringen:
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_979848/DE/Home/pflanzen__schuetzen
/biologisch__alternativ/verbund__nuetzl/verbundprojektnuetzlinge2/
BetriebeRegionTh_C3_BCringen__inhalt.html

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.bund.de

Weitere Berichte zu: BBA Nützling Nützlinge Nützlingseinsatz Rose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie