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Keine Angst vor Stammzelltherapie

02.02.2007
UKM-Mediziner zeigen am Tag der Gesundheitsforschung, was es mit dieser Therapie auf sich hat

Die Erfahrung hat Sigrid Nikol überall gemacht, in Bayern, in Aachen, in Amerika und natürlich auch hier in Münster: "Wenn man die Menschen erst einmal aufklärt über Gen- und Stammzellforschung, dann verlieren sie nicht nur die Angst, sondern sind dem Thema gegenüber richtig aufgeschlossen." Die Professorin für Molekulare Kardiologie am Universitätsklinikum Münster (UKM) nutzt deshalb auch den bundesweiten "Tag der Gesundheitsforschung" (25. Februar), um zu zeigen, was es auf sich hat mit Gentherapie und Stammzellenforschung.

Beim "Tag der Gesundheitsforschung" lassen sich Wissenschaftler aus ganz Deutschland an verschiedenen Standorten über die Schulter schauen und zeigen, welchen Nutzen Patientinnen und Patienten von ihren Forschungen haben. Am UKM beteiligen sich knapp 30 Einrichtungen an dem Aktionstag. Mehr als 2000 Interessierte werden rund um das UKM erwartet. Das Thema in diesem Jahr: Herz - Motor des Lebens.

Die "Herz- und Gefäßmedizin" ist einer der Behandlungs- und Forschungsschwerpunkte am UKM. Und Sigrid Nikol ist anerkannte Spezialistin auf dem Gebiet der Gen- und Stammzellforschung. In Bezug auf Herz- und Gefäßmedizin bedeutet ihr Forschungsschwerpunkt so etwas wie Hilfe zur Selbsthilfe. Bei der Gentherapie wird der Körper nämlich dazu angeregt, natürlich vorkommende Wachstumsfaktoren vermehrt bereitzustellen, um das Wachstum neuer Gefäße anzuregen. Hierdurch konnte in einer klinischen Studie, die auch in Münster durchgeführt wurde, sogar eine Halbierung von Amputationsraten bei weit fortgeschrittener Beinarterien-Erkrankung gezeigt werden.

Es gibt Hinweise, dass durch eine Stammzelltherapie ein ähnlicher Effekt erreicht werden kann, zusätzlich zur Gefäßneubildung kann die Pumpfunktion und die Neigung zu bösartigen Herzrhythmusstörungen bei Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, am Herzen verbessert werden. Umgangssprachlich ausgedrückt sind Stammzellen Zellen, die sich noch nicht endgültig entschieden haben, welche reife Zellart sie werden wollen. Und das machen sich Forscher wie Nikol zu Nutze. "Wir können medikamentöse vermehrt Vorläuferzellen aus dem Knochenmark freisetzen lassen, die dann angezogen durch die Gewebsverletzung zum Herzinfarkt-Gebiet wandern.

Alternativ spritzen wir Stammzellen in und um das kranke oder abgestorbene Gewebe. Dort werden die Zellen dann animiert, sich weiter zu spezifizieren sowie Faktoren abzusondern, die vor Ort "schlafende" Stammzellen dazu bringen, das Herz zu reparieren", erklärt Nikol die Stammzelltherapie.

Ein Herzinfarkt hinterlässt am Herzen eine Narbe sowie schadhaftes Gebewebe. "Für die Patienten und Patientinnen bedeutet das, dass sie nach einem Infarkt in Folge der mangelnden Durchblutung des Gewebes nicht nur mit einer verschlechterten Pumpfunktion, sondern auch mit lebensbedrohlichen Herz-Rhythmusstörungen und plötzlichem Herztod zu kämpfen haben", sagt Nikol. Sie setzt also alles daran, den Blutfluss im Gewebe wieder in Gang zu bringen und die Neigung des Herzgewebes zu Rhythmusstörungen zu hemmen. Und Stammzellen sind dabei wertvolle Helfer. Sie können sich teilweise in Zellen verwandeln, die genau an dieser Stelle benötigt werden oder bringen andere Zellen vor Ort dazu, dies zu tun. "Der Unterschied zur Therapie mit Medikamenten ist der, dass man mit der Gen- und Stammzelltherapie erreichen kann, das kranke Organ zumindest teilweise zu reparieren", erklärt Nikol.

Solche und andere Zusammenhänge erklärt die 46-Jährige gemeinsam mit ihrem Team allen Interessierten, die am 25. Februar zum "Tag der Gesundheitsforschung" an ihrem Stand vorbeischlendern.

Simone Hoffmann | Universitaet Muenster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

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