Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Können adulte Stammzellen aus dem Knochenmark Schlaganfallschäden im Gehirn reparieren?

18.02.2002


Dr. Josef Priller (31) von der "Klinik für Neurologie" der Charité hat am 12. Februar 2002 den mit 6000 Euro dotierten Preis der "Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung" für das Jahr 2002 erhalten.
Die Auszeichnung, die seit dem Jahre 1992 an Nachwuchswissenschaftler verliehen wird, "die bereits durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben," will Dr. Priller dazu verwenden, zu erforschen, in wieweit adulte Stammzellen aus dem Knochenmark in Gehirnareale, die durch Schlaganfall geschädigt sind, einwandern können. In einem zweiten Schritt soll dann festgestellt werden, ob die Zellen sich im Infarktgebiet zu hirneigenen Zellen oder neuen Gefäßen differenzieren können. Letztlich wird sich zeigen, ob sich die Folgen des Schlaganfalls durch Transplantation von adulten Stammzellen aus dem Knochenmark lindern lassen.
Die Voraussetzungen zur Beantwortung solcher Fragen hat Dr. Priller durch Forschungen mit adulten Stammzellen in Mäusen geschaffen.

Von anderen Wissenschaftlern war bereits gezeigt worden, dass Knochenmarks- zellen ins Gehirn erwachsener Tiere (Mäuse) einwandern können. Dies war durchaus fraglich gewesen. Denn normalerweise schützt die natürliche Barriere, die zwischen Blut und Gehirn besteht (sog."Blut-Hirn-Schranke") das Zentralnervensystem vor äußeren Einflüssen.Unter bestimmten Umständen scheinen Knochenmarkszellen aber in das Zentralnervensystem (Hirn und Rückenmark) eindringen zu können.Insbesondere eine bestimmte Art von Gehirnzellen, die sogenannten Mikroglia-Zellen können kontinuierlich aus Stammzellen des Knochenmarks entstehen. Mikroglia-Zellen sind Immunzellen des Gehirns, die für die Abwehr von Entzündungen und Infektionen verantwortlich sind.

Dr. Priller wies im Tierversuch nach, wie und wo sich die neuen Mikrogliazellen im Gehirn verteilen. Um die Verteilung sichtbar zu machen, markierte er die Knochenmarkszellen vor der Transplantation auf gentechnische Weise mit einem biologisch unschädlichen grün-fluoreszierendes Protein. So gelang es ihm, zu zeigen, dass die transplantierten Knochenmarksstammzellen, ausgereift zu Mikrogliazellen, speziell jene Gebiete des Gehirns besiedeln und sich insbesondere dort vermehren, wo Gewebeschäden vorhanden sind. Seine Arbeiten konnte er im Dezember letzten Jahres in der angesehenen Fachzeitschrift "Nature medicine" ([2001] 7, 1356-1361) veröffentlichen.
Bereits im November des gleichen Jahres beantwortete er durch eine Publikation im "Journal of Cell Biology" (2001,155, 733-738), die bis dahin offene Frage, ob sich adulte Stammzellen aus dem Knochenmark nach Transplantation zu voll differenzierten Nervenzellen des Gehirns entwickeln können. Dazu ergänzte er das Knochenmark von Mäusen mit grün-markierten Knochenmarksstammzellen und beobachtete deren Einwandern in das Kleinhirn erwachsener Mäuse. Tatsächlich entwickelten sich aus den markierten Zellen für das Kleinhirn typische Nervenzellen (sog. Purkinje Zellen), die sich funktionell in das Gewebe einfügten. Dies weist auf die hohe Differenzierungsfähigkeit adulter Stammzellen hin und lässt hoffen, dass auch andere gentechnische Manipulationen, etwa um therapeutisch wichtige Substanzen zu exprimieren, die Zellen nicht hindern, sich anzusiedeln und zu vermehren.
Prillers Forschungen an der Maus sollen nun die Voraussetzung schaffen für neue Ansätze in der Behandlung von Patienten mit Schlaganfall

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Knochenmark Mäuse Schlaganfall Stammzelle Transplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

International Land Use Symposium ILUS 2017: Call for Abstracts and Registration open

20.03.2017 | Event News

CONNECT 2017: International congress on connective tissue

14.03.2017 | Event News

ICTM Conference: Turbine Construction between Big Data and Additive Manufacturing

07.03.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen

Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko

23.03.2017 | Medizin Gesundheit

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie