Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnostik mit gemustertem Papier

30.01.2007
Kostengünstig, rasch und praktisch: Foto-bedrucktes Papier als Träger für simultane diagnostische Tests im Mikro-Maßstab

Die Untersuchung biologischer Flüssigkeiten wie Blut und Urin ist für Diagnostik und Routinekontrollen essenziell. In abgelegenen, wenig industrialisierten Regionen oder für eine Notfall-Diagnostik vor Ort sind herkömmliche laboranalytische Methoden jedoch viel zu aufwändig.

George M. Whitesides und sein Team von der Harvard University (Cambridge, USA) haben nun den Prototyp einer neuen Klasse billiger, sehr praktischer Schnelltests entwickelt, mit denen mehrere verschiedene Biotests simultan an einem Tröpfchen Probe durchgeführt werden können. Wie in der Zeitschrift Angewandte Chemie beschrieben, basieren die Tests auf winzigen, mit definierten, millimetergroßen Kanälen bedruckten Papierstückchen.

Zur ihrer Herstellung wird ein sehr saugfähiges Papier mit einem Fotolack behandelt und mit einer Maske bedeckt, die das Negativ des gewünschten Musters darstellt. Wird das Papier durch diese Maske mit UV-Licht bestrahlt, verändern sich die Moleküle des Photolacks so, dass sie beim anschließenden Erhitzen zu einer durchgehenden Polymerschicht vernetzen. Während sich der nicht belichtete Fotolack wegwaschen lässt, bleibt die Polymerschicht an den belichteten Stellen fest an das Papier gebunden. Auf diese Weise erzeugen die Forscher ein winziges System aus Kanälen, die mit "Kanalwänden" aus dem wasserabweisenden Polymer gegeneinander abgegrenzt sind.

... mehr zu:
»Diagnostik »Harvard

Für ihren Prototyp wählten Whitesides und sein Team ein kleeblattförmiges Kanalsystem: einen Hauptkanal, der sich in drei kleine Kammern verzweigt. In die Kammern dosieren sie verschiedene Farbreagenzien und lassen diese eintrocknen. In die erste Kammer kommen Reagenzien für einen Glucose-Test, in die zweite für einen Test auf Proteine, die dritte dient als Kontrolle. Ein aufgegebenes Flüssigkeitströpfchen wird dank der Kapillarkräfte des Papiers rasch aufgesaugt und in alle drei Kammern transportiert. Testreihen mit künstlichem Urin ergaben, dass die Stärke der - simultan ablaufenden - Farbreaktionen in etwa den jeweiligen Glucose- bzw. Proteinkonzentrationen entspricht. Die Nachweisempfindlichkeit ist vergleichbar mit der konventioneller Glucose- oder Protein-Teststreifen.

Wichtig für den Feldeinsatz: Die Tests sind gegenüber Verunreinigungen der Proben mit Staub, Schmutz oder Pflanzenteilen unempfindlich, da diese Partikel nicht vom Papier aufgesaugt werden.

Angewandte Chemie: Presseinfo 04/2007

Autor: George M. Whitesides, Harvard University, Cambridge (USA), http://gmwgroup.harvard.edu/contact.html

Angewandte Chemie 2007, 119, No. 8, 1340-1342, doi: 10.1002/ange.200603817

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://gmwgroup.harvard.edu/contact.html
http://presse.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Diagnostik Harvard

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung
26.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa
26.07.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops