Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Suche nach Wegen, Medikamente auf dem besten Wege in den Körper zu bringen

29.01.2007
Prof. Dr. Sabine Enders sucht nach Wegen, Medikamente auf dem besten Wege in den Körper zu bringen

Sabine Enders ist weder Heilpraktikerin noch Ärztin. Sie ist Professorin für Thermodynamik und thermische Verfahren an der TU Berlin, und dennoch liegt ihr die Gesundheit am Herzen. Sie forscht zu Fragen, die in direktem Zusammenhang mit drei aktuellen Hauptaufgaben der Medizin stehen - der Entwicklung neuer Arzneimittel, der Verbesserung der Herstellungsverfahren von Medikamenten sowie der Entwicklung neuer Therapie- und Diagnoseverfahren. Ihre Schwerpunkte sind die kontrollierte Medikamentenabgabe, Trennverfahren von Biomolekülen und die irreversible Thermodynamik lebender Zellen.

Arzneimittel sollen konstant wirken

"Bei der Entwicklung neuer Medikamente besteht die Herausforderung darin, die Konzentration des Medikaments über einen längeren Zeitraum im Körper konstant zu halten, um den optimalen therapeutischen Effekt zu erzielen", erklärt die Professorin. Bei herkömmlichen Medikamenten steigt nach der Einnahme die Konzentration des Wirkstoffes im Körper an und sinkt wieder ab. Für den Heilungsprozess effizienter ist es, wenn das Arzneimittel konstant wirkt. Gewünscht ist deshalb eine kontrollierte und gezielte Freisetzung des Wirkstoffes. Dies wird erreicht, indem das Medikament über Hydro-Gele, Poly-merpartikel oder Tenside in den Körper gebracht wird. Sabine Enders: "Das gibt es bereits. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, für jeden neu entwickelten Wirkstoff das richtige Transportmittel zu finden, damit er im therapeutischen Konzentrationsfenster wirkt." Sabine Enders, die an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg Chemie studierte, will mit ihrem Team allgemeine Regeln aufstellen, die darüber Aussagen machen, welches Trägermaterial sich für welches Medikament am besten eignet. "Wir entwickeln keine neuen Arzneimittel, sondern forschen daran, wie wir sie am wirkungsvollsten in den Körper einschleusen."

Bei ihrem zweiten Forschungsfeld geht es darum, Grundlagen für Trennverfahren von Biomolekülen zu entwickeln. Die in der Arzneimittelindustrie benötigten Wirkstoffe kommen nie in ihrer reinen Form vor, sondern immer in Verbindung mit anderen Stoffen. Deshalb muss die Stoffmischung so aufgearbeitet werden, dass die benötigte Substanz isoliert werden kann. Diese Stofftrennverfahren beruhen auf thermodynamischen Prozessen. "In der chemischen Industrie beherrscht man diese Prozesse sehr gut, bei den Biomolekülen jedoch muss noch viel getan werden", so Enders. Ein Problem sei, dass Biomoleküle viel empfindlicher auf Temperatur reagierten als normale Chemikalien. Bei den Trennverfahren in der chemischen Industrie wird jedoch oft mit hohen Temperaturen gearbeitet, die die Biomoleküle, die man extrahieren möchte, zerstören.

Ihr dritter Forschungsschwerpunkt untersucht die Wechselwirkung von implantierten künstlichen Stoffen mit dem körpereigenen Gewebe. Aus thermodynamischer Sicht existiert noch kein vollständiges theoretisches Verständnis darüber, welche Prozesse sich da vollziehen. Sabine Enders ist eine von wenigen, national wie international, die diesem Geheimnis auf der Spur sind.

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2007/pi23.htm
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2007/grafik/pi23.jpg

Weitere Berichte zu: Arzneimittel Biomolekül Medikament Trennverfahren Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Sehen, hören und fühlen in der Nanowelt
20.11.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Klein aber Fein: Das Designhaus "Frankel" aus England

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme

20.11.2017 | Maschinenbau

Spin-Strom aus Wärme: Neues Material für höhere Effizienz

20.11.2017 | Physik Astronomie