Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstes biogenerisches therapeutisches Protein aus Fraunhofer-Labor für den Markt zugelassen

26.01.2007
Interferon-beta wird zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt. Ein am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart, in Zusammenarbeit mit CinnaGen, Teheran, Iran, entwickeltes Interferon-beta wurde nun als erstes therapeutisches Protein aus einem Fraunhofer-Labor als Arzneimittel zugelassen.

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weltweit sind schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen betroffen. Behandlungserfolge wurden bisher nur mit Interferon-beta, einem körpereigenen Protein, erzielt. Es verlangsamt das Fortschreiten der Krankheit und verringert die Häufigkeit der für MS typischen "Schübe".

Ein Interferon-beta-1a, dessen biotechnische Herstellung am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma CinnaGen bis in den Pilotmaßstab vorangetrieben und optimiert wurde, erhielt nun die Zulassung als Biogenerikum der iranischen Arzneimittelbehörde. Es wird unter dem Namen CinnoVex durch CinnaGen zunächst auf dem iranischen Markt vertrieben.

Das therapeutische Protein wurde vom Fraunhofer IGB erforscht und bis zur Laborreife gebracht. Die Hannoveraner IGB-Projektgruppe "Gentechnik" um Professor Bernd Otto klonierte das Protein in einen geeigneten Expressionsvektor und etablierte die Herstellung des natürlichen Proteins durch eine stabile Transfektion in einer Säugerzelllinie. Das so synthetisierte Interferon-beta-1a ist wie das menschliche Protein glycosyliert. Es weist in vitro eine höhere biologische Aktivität als das in Bakterien produzierte, nicht-glycosylierte Interferon-beta-1b auf. In den Stuttgarter Laboren des Fraunhofer IGB entwickelte eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe die Herstellung des Pharmaproteins bis in den Pilotmaßstab weiter. "Wir haben die Fermentation und die Aufarbeitung bis in den 10-Liter-Maßstab vergrößert, das therapeutische Protein über mehrstufige Chromatographie hoch gereinigt, seine Identität über Aminosäuresequenzierung bestätigt und seine antivirale Wirkung nachgewiesen", erklärt Professor Herwig Brunner, Institutsleiter des Fraunhofer IGB. Danach übernahm die iranische CinnaGen Co. den Nachweis der klinischen Wirksamkeit in klinischen Studien, die nun durch die Zulassung erfolgreichen abgeschlossen wurden.

Die Entwicklung eines Medikaments kostet viel Zeit und Geld. "Das Fraunhofer IGB unterstützt Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen bei der Entwicklung und biotechnischen Herstellung von Nachahmerprodukten, aber auch bei der Entwicklung neuer therapeutischer Proteine" erläutert Professor Brunner die Strategie des Fraunhofer IGB. Eine ebenfalls am IGB entwickelte, löslichere Variante des Interferon-beta wird beispielsweise von der Vakzine Projekt Management (VPM) GmbH in Braunschweig klinisch weiterentwickelt. Auch andere Entwicklungslinien haben neue therapeutische Anwendungen zum Ziel. Die am IGB etablierten Technologien zur funktionellen Genom- und Proteomanalyse haben zu einer großen Fülle potenzieller Target-Moleküle für die gezielte Therapie von Infektionen z. B. durch den humanpathogenen Hefepilz Candida albicans geführt und damit Möglichkeiten für neue Medikamente eröffnet. Präklinische Tests von aussichtsreichen Wirkstoffkandidaten können vorab durch am IGB etablierte organoide Testsysteme aus dreidimensionalen humanen Zellstrukturen aussagekräftig unterstützt werden. Tierversuche werden so vermieden. Weitere potenzielle Pharmaprodukte sind am IGB in Bearbeitung. Eine gute Quelle für Firmen, ihre Pipeline zu füllen.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

Fraunhofer-Institut für Grenzflächen-
und Bioverfahrenstechnik IGB
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Prof. Dr. Herwig Brunner
Tel.: +49 (0) 7 11 / 9 70 - 40 00
Fax: +49 (0) 7 11 / 9 70 - 40 06
herwig.brunner@igb.fraunhofer.de
CinnaGen
Teheran, Iran
http://www.cinnagen.com
Dr. Haleh Hamedifar
Tel.: +98 21 466 62 03
Fax: +98 21 466 49 91
hamedifarh@cinnagen.com

Dr. Claudia Vorbeck | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb.fhg.de/WWW/Presse/Jahr/2007/dt/PI_IFN-beta-Zulsg.html

Weitere Berichte zu: Fraunhofer-Labor Interferon-beta Pilotmaßstab Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics