Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetische Varianten erhöhen Risiko für Typ 2 Diabetes und beeinflussen Körpergewicht

09.01.2007
Ein internationales Forscherteam hat eine genetische Variante identifiziert, die das Risiko für Typ 2 Diabetes mellitus erhöht. Der Typ 2 Diabetes ist eine Zuckerstoffwechselkrankheit: Der Körper bildet zwar zunächst ausreichend das Hormon Insulin, dieses kann aber nicht richtig an den Zielzellen wirken.

Die Folge ist, dass sich die Zellen nicht öffnen, um Zucker aus dem Blut aufzunehmen: Das Blut ist "überzuckert". Im weiteren Verlauf der Erkrankung produziert die Bauchspeicheldrüse immer weniger Insulin, so dass sich der Krankheitszustand noch verschlimmert. Früher wurde diese Form des Diabetes auch als Altersdiabetes bezeichnet.

Heutzutage leiden allerdings vermehrt auch jüngere Patienten an dieser Stoffwechselstörung, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass immer mehr junge Menschen übergewichtig oder sogar adipös (fettleibig) sind.

Durch die Analyse von Patientengruppen aus Dänemark, West Afrika und Island identifizierten die Wissenschaftler mehrere genetische Varianten des TCF7L2-Gens. Die Variante HapB(T2D) birgt danach das höchste Risiko, an Typ 2 Diabetes mellitus zu erkranken. Menschen mit einer Kopie dieser Variante besitzen ein um circa 45 Prozent erhöhtes Risiko. Bei zwei Kopien erhöht sich das Risiko sogar um 100 Prozent.

... mehr zu:
»Diabetes »HapB »T2D »TCF7L2-Gen »Übergewicht

Im Rahmen dieser internationalen Kooperation wiesen Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Varianten des TCF7L2-Gens und dem Körpergewicht nach. Erste Hinweise der Wissenschaftler zeigen, dass das TCF7L2-Gen an der Regulation von Hormonen beteiligt ist, die die Balance zwischen Sättigungsgefühl und Appetit kontrollieren. Je nachdem welche Variante des TCF7L2-Gens im Erbgut vorhanden ist, hat man eine etwas höhere oder etwas niedrigere genetische Risikoveranlagung, übergewichtig zu werden. Dieser Effekt ist bei Männern stärker als bei Frauen: Männer mit der HapB(T2D)-Variante wiegen durchschnittlich meist etwas weniger in Relation zur Körpergröße, haben also einen geringeren Body Mass Index (BMI). Im Gegensatz dazu besitzen Männer mit der genetischen Variante HapA einen höheren BMI, wiegen also mehr. "Menschen mit der HapA-Genvariante waren in früheren Zeiten im Vorteil", meint Dr. Anke Hinney von der Universität Duisburg-Essen. Denn wer ausreichende Fettreserven bildete, überstand auch Hungerperioden.

Interessant ist, dass die HapA-Genvariante zwar das Risiko für die Entwicklung von Übergewicht erhöht, aber bei der Entwicklung des Typ 2 Diabetes nur eine nebensächliche Rolle spielt. Umgekehrt bewirkt die HapB(T2D)-Genvariante, dass die Menschen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße sogar weniger wiegen, birgt aber andererseits ein besonders hohes Risiko für Typ 2 Diabetes. "Diese Tatsache hat uns verblüfft," so Professor Johannes Hebebrand, Koordinator des NGFN-Neuronetzes Adipositas. "Da ein Typ 2 Diabetes häufig mit Übergewicht einhergeht, hätten wir etwas anderes erwartet. Gleichzeitig zeigt uns dieses Ergebnis aber, wie komplex diese Krankheit ist und lässt vermuten, dass Menschen mit einer HapB(T2D)-Variante unter einer anderen Form des Typ 2 Diabetes leiden, als diejenigen, die ihn bei Übergewicht entwickeln."

Übergewicht und Adipositas (extremes Übergewicht) haben sich in den vergangenen Jahrzehnten weltweit epidemisch ausgebreitet. Um die genetischen Ursachen dieses Gesundheitsproblems zu ergründen, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2001 die Untersuchung der genetischen Mechanismen der Körpergewichtsregulation im Nationalen Genomforschungsnetz.

Die Ergebnisse der Studie werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Genetics" veröffentlicht.

Für weitere Informationen:

Dr. Anke Hinney
Klinik f. Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Rheinische Kliniken Essen, Univ. Duisburg-Essen
Tel.: 0201 7227-251 oder 0201 9597 025
E-Mail: anke.hinney@uni-duisburg-essen.de
Projektmanagement NGFN, Projektträger im DLR
Tel: 0228 3821-335
E-Mail: pm-ngfn@dlr.de

Birgit Bott | idw
Weitere Informationen:
http://www.ngfn.de

Weitere Berichte zu: Diabetes HapB T2D TCF7L2-Gen Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften