Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zelltherapie gegen Parkinson

05.01.2007
Parkinson ist bislang schwer zu therapieren, denn traditionelle Medikamente wirken indirekt und nur für einige Jahre. Erstmals kommen nun menschliche Stammzellen in die klinische Prüfung, die die Beschwerden auf direktem Weg beheben sollen.

Parkinson ist eine der häufigsten Krankheiten, die Hirn und Nerven schädigen. Die Betroffenen quält Muskelzittern, -starre und ein unsicher Gang. Der Grund für diese Symptome ist der Verlust von spezifischen Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin ausschütten – es entsteht ein Dopamin-Mangel.

Ein neues, auf Stammzellen basierendes Medikament, das von Forschern der Firma NeuroProgen entwickelt wurde und nun mit den Partnern am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI an die pharmazeutischen Richtlinien angepasst wird, soll diesen Dopamin-Mangel direkt behandeln. Wenn die Umstellung auf den pharmazeutischen Prozess gut klappt, könnte das Parkinson-Zelltherapeutikum bereits in etwa einem Jahr in die klinische Prüfung gehen – als erste Zelltherapie mit neuralen Stammzellen.

Zwar können auch herkömmliche Medikamente die Symptome in den ersten fünf bis zehn Jahren gut lindern, danach schwankt die Wirkung jedoch oft unkontrolliert. Denn Hauptbestandteil der Wirkstoffe ist nicht das Dopamin, sondern Vorläufersubstanzen. Nur wenn die Dopamin-produzierenden Zellen des Patienten die Vorläufersubstanzen aufnehmen und in Dopamin umwandeln, lassen die Beschwerden nach. Ein gesunder Mensch hat 800.000 dieser Zellen, bei Parkinson-Betroffenen sind jedoch schon 80 Prozent davon abgestorben, wenn die ersten Krankheitssymptome auftreten. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto weniger des Vorläuferstoffs wird umgewandelt.

Anders das neue Zelltherapeutikum: »Wir ersetzen die abgestorbenen Zellen der Patienten durch menschliche Stammzellen, die zu Nervenzellen ausdifferenziert sind«, erklärt Sigrid Schwarz, Geschäftsführerin von NeuroProgen. »Neurochirugen können diese Zellen gezielt in das Gehirn des Patienten implantieren, wo sie Dopamin erzeugen und dem Mangel entgegen wirken. Bildgebende Verfahren helfen, das Zielgebiet genau zu berechnen.« Eine einzige solcher Behandlungen, so hoffen die Forscher, könnte künftig ausreichen, um die Krankheit zu heilen. Die Fraunhofer-Wissenschaftler übertragen den Herstellungsprozess in ihren Reinräumen in einen »Good Manufacturing Process«, GMP, der die Qualitätsmerkmale für Medikamente erfüllt.

»Unter anderem müssen die Ausgangssubstanzen so gewählt werden, dass kein Risiko für den Patienten besteht«, konkretisiert Gerno Schmiedeknecht, Leiter der GMP-Herstellungsstätte am IZI. »Aus Rindern gewonnene Substanzen dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie rückverfolgbar aus einem BSE-freien Land kommen. Zudem muss der Arbeitsprozess standardisiert und detailliert dokumentiert werden.«

Dr. Gerno Schmiedeknecht | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.izi.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Dopamin Nervenzelle Parkinson Stammzelle Vorläufersubstanz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten