Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wichtiges Brustkrebs-Gen entdeckt

11.02.2002


MHH-Forscher sind an internationaler Arbeitsgruppe beteiligt

Das Gen ATM spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs, bietet jedoch möglicherweise auch neue Therapieansätze. Bei bis zu 20 Prozent aller Patientinnen mit einer Häufung von Brustkrebs in der Familie ist das ATM-Gen verändert, und mehr als die Hälfte der Frauen, bei denen dieses Gen mutiert ist, entwickelt vor dem 70. Lebensjahr einen Brustkrebs. Dies fand eine internationale Arbeitsgruppe um Dr. Georgia Chenevix-Trench vom Royal Brisbane Hospital, Sydney, Australien, heraus. Die Forschungsergebnisse wurden am 6. Februar 2002 im Fachmagazin Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht. Koautoren aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind Dr. Thilo Dörk von der Arbeitsgemeinschaft Biochemie und Tumorbiologie im Zentrum Frauenheilkunde und Regina Bendix aus der Abteilung Strahlentherapie und spezielle Onkologie.

Brustkrebs tritt in manchen Familien häufiger auf als in anderen. Die Vermutung lag nahe, dass veränderte Gene die Ursache sind. Seit einigen Jahren kennen Wissenschaftler die Gene BRCA1 und BRCA2, die in mutierter Form Brustkrebs auslösen können. Allerdings ließen sich damit nicht alle familiären Häufungen des Tumors erklären.

Das nun als weitere Krebsursache identifizierte Gen ATM ist den Forschern nicht unbekannt: Wenn es intakt ist, repariert das ATM-Genprodukt Chromosomenbrüche, die auch durch Strahlung ausgelöst werden können. Liegen Mutationen auf beiden Kopien des ATM-Gens vor - eine Kopie stammt von der Mutter, eine Kopie vom Vater -, entsteht ein Strahlensensibilitäts-Syndrom, die so genannte Ataxia teleangiectatica. Die Erkenntnis der internationalen Arbeitsgruppe: Ist nur eine Kopie des ATM-Gens betroffen, haben die Trägerinnen eine Veranlagung zu Brustkrebs; in den untersuchten Familien besteht im Vergleich zur Durchschnitts-Bevölkerung ein rund 15-fach höheres Risiko.

Ein möglicher Ansatz für künftige Therapien: Körperzellen mit einem mutierten ATM-Gen können - anders als bei der intakten Form - Strahlenschäden nicht reparieren, der Tumor lässt sich also durch Röntgenstrahlen besser angreifen. Die Wissenschaftler erhoffen sich deshalb eine hohe Erfolgsrate durch eine Strahlentherapie. Die Ergebnisse haben hierzulande eine besondere Bedeutung, weil etwa jede 150. Frau in Deutschland Trägerin des veränderten ATM-Gens ist. Die interdisziplinär besetzte MHH-Arbeitsgemeinschaft will nun in Langzeitstudien den Zusammenhang zwischen ATM-Genmutation, Strahlensensibilität und Brustkrebs weiter aufklären.


Informationen geben gern Dr. Thilo Dörk, Telefon: (0511) 906-3911, und Dr. Michael Bremer, Telefon: (0511) 532-2575.

Dr. Arnd Schweitzer | idw

Weitere Berichte zu: ATM-Gen Brustkrebs Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sehen, hören und fühlen in der Nanowelt
20.11.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Wirkstoff hilft „Mondschein-Zellen“ bei DNA-Reparatur
20.11.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Anwender-Workshops „Laserbearbeitung von Faserverbundwerkstoffen“

20.11.2017 | Seminare Workshops

Hand aufs Herz - was wissen wir über herzgesunde Lebensmittel?

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

20.11.2017 | Materialwissenschaften