Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit sekundären Pflanzeninhaltsstoffen gegen Darmkrebs und Typ-2-Diabetes

21.12.2006
Wirkungen von Heilpflanzen und Gewürzen werden in der Naturheilkunde seit der Antike genutzt. Pharmakologisch wirksam sind aber in der Regel nur die so genannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffe. Diese aufzuspüren und ihren molekularbiologischen Wirkungsmechanismus im Körper aufzuklären, ist das Ziel eines Forschungsnetzwerks am Frankfurter ZAFES (Zentrum für Arzneimittelforschung, -Entwicklung und -Sicherheit).

Resveratrol ist ein Bestandteil von Rotwein und schützt vor Darmkrebs. Und die Inhaltsstoffe von Salbei und Rosmarin bieten viel versprechende Ausgangspunkte für neue Medikamente gegen Altersdiabetes. Details über diese aufsehenerregenden Entdeckungen berichten Pharmazeuten und Kliniker der Universität Frankfurt in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Forschung Frankfurt" (4/2006).

Aus Versuchen mit Ratten weiß man, dass bei diesen Darmkrebs ähnlich wie beim Menschen über verschiedene Vorstufen verläuft - beginnend mit Veränderungen in so genannten Krypten, Vorstufen der Tumorzellen. Das im Rotwein vorkommende Resveratrol hemmt die schnelle Ausbreitung dieser Zellen. Wie dies geschieht, konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Jürgen Stein von der Universitätsklinik Frankfurt zusammen mit französischen Kollegen aus Straßburg aufklären, indem sie die Zielstruktur (das Molekül PPARg) identifizierten, auf die das Resveratrol wirkt, um das Wachstum der Krypten dosisabhängig zu hemmen.

Ziel ist es nun, in Zusammenarbeit mit den Pharmazeuten an der Universität, die natürlichen Leitstrukturen von Resveratrol systematisch chemisch zu verändern und die gewonnenen Derivate auf ihre biologischen Wirkungen hin zu untersuchen. Auf diesem Wege sollen Verbindungen entstehen, die noch wirksamer sind als das natürliche Ausgangsprodukt.

Dieselbe Zielstruktur, die bei der Bekämpfung von Darmkrebs eine zentrale Rolle spielt, ist auch bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes von Bedeutung. Eine der Hauptursachen der Erkrankung ist die "Insulinresistenz" der Körperzellen. Normalerweise reagieren Zellen, die über einen Insulinrezeptor verfügen - beispielsweise Leberzellen - auf einen erhöhten Insulinspiegel, indem sie Glukose aus dem Blut aufnehmen und verarbeiten. Bei Typ-2-Diabetikern sind die Körperzellen gegenüber einem erhöhten Insulinspiegel "abgestumpft". Obwohl die genaue Ursache der Insulinresistenz bisher nicht bekannt ist, weiß man aus Tierexperimenten, dass fettreiche Nahrung dazu beiträgt.

Bei der medikamentösen Behandlung der Typ-2-Diabetes versucht man, die Körperzellen durch die Arzneistoffe aus der Gruppe der "Glitazone" erneut zu sensibilisieren. Wie man weiß, aktivieren diese Wirkstoffe das PPARg. Auf der Suche nach neuen Leitsubstanzen für die Entwicklung von Wirkstoffen zur Behandlung der Typ-2-Diabetes und Entzündungserkrankungen hat der Arbeitskreis von Pharmazie-Professor Manfred Schubert-Zsilavecz daher mehr als 50 verschiedene Pflanzen und deren Extrakte auf ihre PPAR-Eigenschaften untersucht. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Gewürzpflanzen, beziehungsweise solchen, die volksmedizinisch zur Behandlung von Diabetes mellitus eingesetzt wurden oder noch immer werden. Die potentesten Pflanzen waren dabei Salbei und Rosmarin. Als wirksame Inhaltsstoffe und damit Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Typ-2-Diabetes identifizierten die Wissenschaftler Carnol und Carnosolsäure.

Informationen: Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Institut für Pharmazeutische Chemie (Pharmazeutische Analytik); Telefon: (069) 798-29339 oder (0171) 8643219, E-Mail: Schubert-Zsilavecz@ pharmchem.uni-frankfurt.de.

Stephan M. Hübner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie