Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroskopier-Roboter sucht Wirkstoffe

18.12.2006
Am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin-Buch wird zukünftig ein automatisiertes Mikroskop im Einsatz sein. Dafür erhält das Institut 1,1 Millionen Euro aus dem Zukunftsfonds Berlin.

Einen entsprechenden Beschluss hat das Kuratorium der TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin am 15. Dezember gefasst. Ein Teil der Fördermittel stammt aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE). Das Projekt wird durch die TSB-Initiative BioTOP Berlin-Brandenburg fachlich begleitet.

"Mit dem neuen System wird der gesamte Zellkulturprozess einschließlich der Mikroskopie von Zellen und der Verarbeitung der Mikroskopbilder automatisiert.", erläutert Dr. Jens Peter von Kries, Leiter der Screening Unit am FMP. Mit dieser neuartigen Technologie sei es möglich, Zehntausende von Substanzen auf ihre Wirkung auf Zellen hin zu beobachten, so von Kries. Das FMP geht damit neue Wege bei der Suche nach dringend benötigten Wirkstoffen für die Forschung und die Arzneimitteltherapie. Dazu sagt Prof. Dr. Walter Rosenthal, Direktor des FMP: "Der Einsatz von Zellen in großangelegten Wirkstoffsuchen ist ein Novum. Hierbei lassen die Effekte von Wirkstoffen viel realistischer prüfen als in klassischen 'Reagenzglasversuchen' mit isolierten Komponenten."

Das Herzstück des Systems ist ein mit einer Kamera ausgerüstetes Fluoreszenzmikroskop, das durch einen Roboter mit Testplatten versorgt wird. Es kann mehr als eine Million Bilder aufnehmen. Darüber hinaus erkennt das System Strukturen im Inneren der Zelle und übersetzt sie in Zahlenwerte. Diese Vorgehensweise, die gerade erst Einzug in die Arzneimittelsuche der Pharmaunternehmen hält, ermöglicht eine detaillierte Auswertung der Daten.

Zunächst wird das FMP die neue Technik in Pilotprojekten etablieren und entwickeln. Anschließend wird sie als wichtiger Bestandteil des "Zentrums für Wirkstoffentwicklung" Nutzern aus dem Raum Berlin-Brandenburg zur Verfügung stehen. Dabei ist sie für akademische Partner und Biotech-Unternehmen, die sich mit Wirkstoffentwicklung befassen, gleichermaßen interessant. Ziel ist es, am FMP für die Region Berlin-Brandenburg eine besondere Expertise zur Identifizierung von Wirkstoffen zu entwickeln und damit entscheidende Impulse für Firmengründungen zu geben.

Das Zentrum für Wirkstoffentwicklung, das seit August 2006 aufgebaut wird, ist ein Experten- und Ressourcen-Netzwerk zur Förderung der Kompetenzregion Berlin-Brandenburg auf dem Gebiet der Wirkstoffentwicklung. Die offene, interdisziplinäre Initiative zwischen akademischen Forschungsinstituten, Universitäten, Kliniken, Biotechnologie- und Pharmaunternehmen bündelt das in der Region vorhandene Know-how und hiesige Ressourcen. Ausgehend von der Identifizierung potentieller Wirk-/Arzneistoffe bis hin zu deren präklinischer Entwicklung soll das Zentrum die gesamte Wirkstoffentwicklung koordinieren und fördern.

Mit dem automatisierten Mikroskop erweitert das FMP noch einmal erheblich das Repertoire seiner Screening Unit. Die Screening Unit ist ausgerüstet für systematische Hochdurchsatzsuchen nach kleinen bioaktiven Molekülen und verwaltet die zentrale Substanzsammlung der Deutschen Initiative für Chemische Biologie (ChemBioNet). Kleine, bioaktive Moleküle können als Werkzeuge für die Forschung dienen, zum Beispiel um die Funktion eines bestimmten Proteins im Organismus zu bestimmen. Ist für dieses Protein eine wichtige Rolle in einem Krankheitsbild nachgewiesen worden, so können die identifizierten Moleküle zu Vorläufern von Arzneimitteln entwickelt werden. Auf diese Weise wird bereits im akademischen Bereich ein komplettes pharmakologisches Konzept inklusive eines prototypischen Wirkstoffes aufgestellt. Die klinische Entwicklung der Wirkstoffe kann dann im privaten Sektor weitergeführt werden.

Seinem Widmungsauftrag gemäß betreibt das FMP Forschung auf dem Gebiet der Molekularen Pharmakologie. In diesem Rahmen beschäftigt es sich mit der Struktur, der Funktion und der Interaktion von Proteinen. Aus dieser Beschäftigung gehen neue Ansätze zur Modulation von Proteinfunktionen v. a. durch kleine Moleküle hervor. Damit ist die Forschungstätigkeit des Instituts im Vorfeld der Entwicklung von Arzneimitteln angesiedelt. Kennzeichnend für die wissenschaftliche Arbeit am FMP ist eine enge Verknüpfung von Chemie und Biologie. Die einzigartige Kombination von Technologieplattformen am FMP - darunter ein modernes NMR-Zentrum, die Screening Unit und ein massenspektrometrisches Labor - ermöglicht eine optimale Unterstützung von Forschungsprojekten zur Auffindung von Wirkstoffen. Das FMP ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und ist mit sieben weiteren natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Leibniz-Instituten administrativ im Forschungsverbund Berlin e.V. zusammengeschlossen.

Die TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin fördert aus dem Zukunftsfonds, den sie im Auftrag des Wirtschaftssenators bewirtschaftet, Gemeinschaftsprojekte zwischen Wissenschaft und Industrie, die internationalen Exzellenzmaßstäben genügen und aus wissenschaftlicher Erkenntnis Wertschöpfung in der Stadt entstehen lassen. Ein Teil der Fördermittel stammt aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE).

Kontakt:
Dr. Jens Peter von Kries, FMP; Tel.: 030 / 94 06-29 82; kries@fmp-berlin.de
Zentrum für Wirkstoffentwicklung:
Dr. Birgit Oppmann, FMP; Tel.: 030 / 9 47 93-283; oppmann@fmp-berlin.de
Dr. Björn Maul
Wissenschaftliche Koordination & Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie
13125 Berlin
Tel.: 030 / 94793-102
maul@fmp-berlin.de

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: FMP Molekül Screening Wirkstoff Wirkstoffentwicklung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen

26.04.2017 | HANNOVER MESSE

Plastik – nicht nur Müll

26.04.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz