Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genauere Meßmethode für Stammzellen

11.12.2006
Das blutbildende System des Menschen hat eine enorme Leistungs- und Regenerationsfähigkeit.

Über 3 Millionen Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen) werden pro Sekunde vom Knochenmark produziert und in das Kreislaufsystem abgegeben. Aufrechterhalten wird das System von blutbildenden Stammzellen, die überwiegend im Knochenmark zu finden sind. In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt erforscht die Arbeitsgruppe von Dr. O. Christ an der Medizinischen Klinik III der Universität München (Direktor Prof. Dr. W. Hiddemann) eine neue Methode, mit der die Eigenschaften der blutbildenden Stammzellen genauer als bisher untersucht werden können.

In der klinischen Medizin spielen diese blutbildenden (hämatopoetischen) Stammzellen seit langem eine wichtige Rolle. Bei der Behandlung von Leukämien wird nach einer intensiven Chemotherapie das kranke blutbildende System durch Stammzellen, die aus dem Blut oder Knochenmark eines Spenders gewonnen wurden, ersetzt. Dass Leukämien überhaupt entstehen können, liegt wahrscheinlich an einer gestörten Funktion und damit einem unkontrollierten Wachstum der Stammzellen oder ihrer direkten Nachkommen, der Vorläuferzellen. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass hämatopoetische Stammzellen unter bestimmten Umständen zur Regeneration anderer Gewebe (z.B. Leber, Herzmuskel) beitragen können.

Eine Eigenschaft der hämatopoetischen Stammzellen ist ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Zytostatika, also Medikamenten, die in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. Diese Fähigkeit beruht auf Enzymen, die Zytostatika entweder innerhalb der Zelle neutralisieren oder rasch aus der Zelle "herauspumpen". Eines dieser Enzyme, die Aldehyddehydrogenase (ALDH), kann mit einem neuen Verfahren schnell und einfach nachgewiesen werden. Die Forschergruppe um Privatdozent Dr. Christian Buske und Dr. Oliver Christ an der Universität München (Klinikum Großhadern / GSF) wird das Verfahren in einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Forschungsprojekt nun einsetzen, um hämatopoetische Stammzellen genauer zu charakterisieren. Die Wissenschaftler haben bereits Hinweise darauf gefunden, dass sich Stammzellen und die von ihnen abstammenden Vorläuferzellen wesentlich in ihrer Enzym- (ALDH-) Aktivität unterscheiden. Die Weiterentwicklung der Methode würde es in der Zukunft ermöglichen, Stammzellen für experimentelle, aber auch für klinische Zwecke in höherer Reinheit zu isolieren. Außerdem wird vermutet, dass Leukämiezellen eine große Menge ALDH enthalten. Diese Eigenschaft würde es erlauben, auch sehr kleine Mengen von Leukämiezellen in Blut- oder Knochenmarkproben von Patienten nachzuweisen und so den Behandlungserfolg oder auch einen Rückfall schnell zu erkennen.

Weitere Informationen:
Dr. Oliver Christ, Klinikum der Universität München (Großhadern),
Medizinische Klinik III, Marchioninistr. 15, 81377 München,
Tel. 089 7095 0, e-mail oliver.christ@med.uni-muenchen.de.
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 190.000€.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten