Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kornkäfer und Totenuhr: Keine Insekten des Jahres

11.12.2006
Erst kürzlich ist das Insekt des Jahres 2007 proklamiert worden: Die Ritterwanze, ein wunderschön gefärbtes Tier.

Sie folgte auf das wohl bekannteste und beliebteste Insekt unserer Breiten, den Siebenpunkt-Marienkäfer, Insekt des Jahres 2006. Doch Insekten können auch anders. Der Hausbock, die Totenuhr oder der Kornkäfer würden es kaum auf die Liste schaffen. Denn wie im Krimi oder im Western gibt es neben den Lichtgestalten auch die Bösewichte. Und wie so häufig ist deren Leben mindestens genauso interessant. Der ForschungsReport, das Wissenschaftsmagazin des Senats der Bundesforschungsanstalten, widmet in seiner neuesten Ausgabe zwei Beiträge diesen „Antihelden“.

Wer hat es nicht schon selbst erlebt? Im frischen Getreide aus dem Reformhaus wimmelt es, in der Reispackung kleben die Körner mit Spinnfäden aneinander und Nüsse weisen, noch bevor sie die Münder der Menschen erreichen, verdächtige Fraßspuren auf. Kornkäfer, Dörrobstmotten und andere Vorratsschädlinge gehören zu den Ekel-Tieren schlechthin, mag ihre Lebens- und Überlebensweise noch so interessant sein. Wissenschaftler des Instituts für Vorratsschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Berlin wissen, was zu tun ist: Sie entwickeln biologische Methoden für die Bekämpfung der Schädlinge, optimieren physikalische Verfahren wie Hitze- oder Kältebehandlungen und befassen sich mit hygienischen und lagertechnischen Aspekten. Leitbild beim Umgang mit Vorratsschädlingen ist heute der integrierte Vorratsschutz – eine Kombination von Verfahren, bei denen physikalische, biologische, verpackungsschützende und andere Maßnahmen der Vorrang vor chemischen Mitteln gegeben wird. In dem Artikel „Vorratsschutz und Lebensmittelqualität“ beschreiben Professor Christoph Reichmuth und Dr. Garnet Kroos neue Ansätze und informieren über die aktuellen gesetzlichen Regelungen, die sich vom landwirtschaftlichen Betrieb über die Verarbeitung bis zum Einzelhandel und zum Verbraucher erstrecken.

Ähnlich wie bei Vorratsschädlingen handelt es sich auch bei holzzerstörenden Insekten um so genannte Kulturfolger. Ursprünglich Wald- bzw. Forstinsekten, haben sie ihren Lebensraum auf Gebäude und verarbeitete Holzobjekte ausgeweitet und sich damit eine „ökologische Nische“ geschaffen, in der der Feinddruck geringer ist als im Freiland. Integrierte Bekämpfungskonzepte sind hier erst in den letzten Jahren entwickelt worden. Maßgeblich daran beteiligt waren Experten der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) in Hamburg. Dr. Uwe Noldt gibt in seinem Beitrag über holzzerstörende Insekten einen Überblick über die wichtigsten Schädlinge wie Hausbock, Totenuhr oder Möbelkäfer und stellt verschiedene Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen vor. Seit Ende der 1990er Jahre kontrolliert das BFH-Institut für Holzbiologie und Holzschutz regelmäßig den Insektenbefall in historischen Gebäuden und Freilichtmuseen, einerseits, um wertvolle Kulturdenkmale vor dem Verfall zu schützen und andererseits, um dadurch wissenschaftlich wichtige Daten zur Lebensweise und dem Entwicklungszyklus der Schädlinge zu gewinnen. Noldts Expertise ist mittlerweile auch im Ausland gefragt. Zu den spektakulärsten Bekämpfungsaktionen unter seiner Fachaufsicht gehörten eine Heißluft-Entwesung im Dachstuhl des Aachener Doms und die Behandlung ganzer Fachwerkhäuser und Windmühlen im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold. Ähnlich wie bei einer Kunstaktion von Christo wurden hier die Bauwerke zur Gänze verpackt, um dem massiven Insektenbefall mittels Heißluft oder Gasen beizukommen.

Die beiden reich bebilderten Beiträge über Vorratsschutz und über Holzschädlinge geben einen faszinierenden Einblick in eine Welt, über die man am liebsten nur liest, statt sie unmittelbar zu erleben. Die 56-seitige Ausgabe des ForschungsReports, in dem es auch um Lebensmittelqualität, Tierhaltung sowie Fischereiforschung geht, kann kostenlos bezogen werden über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig. E-mail: michael.welling@fal.de, Tel.: 0531 / 596-1016.

Dr. Michael Welling | Senat Bundesforschungsanstalten
Weitere Informationen:
http://www.bmelv-forschung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten