Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher lassen Mäuse länger leben

04.12.2006
Team um Professor Rudolph schaltet Botenstoff von Telomeren aus

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind dem Mechanismus auf der Spur, der die Alterung von Zellen auslöst. Im Tierversuch konnte das Team um Professor Dr. Karl Lenhard Rudolph aus der Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie einen bestimmten Botenstoff ausschalten und damit die Lebensspanne der Versuchstiere verlängern, ohne dass sich vermehrt Tumoren bildeten. Die Forschungsarbeit ist jetzt in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Nature Genetics" veröffentlicht (www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/index.html).

Zellen können sich nicht unendlich teilen. Der Grund dafür sind die so genannten Telomere, die Enden der Chromosomen. Auf den Chromosomen sind die Erbinformationen gespeichert. Bei jeder Zellteilung, bei der auch alle Erbinformationen an die Tochterzelle weitergegeben werden, verkürzen sich die Telomere ein Stück. Menschliche Zellen etwa verlieren nach 50 bis 70 Teilungen die Fähigkeit zur Zellteilung, weil die Telomeren dann "verbraucht" sind. Kurze Telomere senden den Botenstoff p21 an die Zellen mit dem Befehl, die Zellteilung einzustellen - und damit zu altern.

Die indische MD/PhD-Studentin Aaheli Roy Choudhury (25) und der chinesische Forscher Zhenyu Ju (32) aus der Arbeitsgruppe von Professor Rudolph kreuzten vorzeitig alternde Mäuse mit verkürzten Telomeren mit Mäusen, denen der Botenstoff p21 fehlte. Die aus diesen Kreuzungsversuchen hervorgegangenen Tiere bestätigten die Annahme der Forscher: Schaltet man den Botenstoff p21 ab, leben die künstlich gealterten Mäuse deutlich länger. Da durch diesen Eingriff auch die Stammzellfunktion und die Regeneration im Alter verbessert wurde, konnte die Funktion der alternden Organe länger aufrecht erhalten werden.

"Wir haben damit gezeigt, dass Tiere, deren zelleigene Uhr für die Zellteilung eigentlich fast abgelaufen ist, deutlich länger und besser leben können", betont Professor Rudolph, "wenn der Botenstoff p21 gehemmt wird." Die Forscher waren überrascht, dass die Tumorrate sich durch diesen eingriff nicht verändert hat, denn bislang galt das Prinzip, dass der Zellteilungsstopp in Antwort auf kurze Telomere ein Krebsschutz darstellt und dass die Alterung als Nebenwirkung diese Schutzes auftritt. Die Konsequenzen aus den Forschungsergebnissen sind klar. "Wir wollen jetzt hemmende Substanzen für den Botenstoff finden", erläutert Professor Rudolph, die später therapeutisch eingesetzt werden sollen. "Davon könnten zum Beispiel eines Tages Patienten mit Leberzirrhose profitieren." Bislang bleibt im Endstadium dieser Erkrankung, bei der sich die Leberzellen nicht mehr regenerieren können, außer einer Lebertransplantation keine weitere Therapieoption. Ein Therapeutikum, das die Regeneration anregen kann, würde nicht allein die Behandlung von Patienten mit Leberzirrhose revolutionieren.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Karl Lenhard Rudolph, Telefon (0511) 532-6999, rudolph.lenhard@mh-hannover.de.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: Botenstoff Mäuse Telomere Telomeren Zellteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie