Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biochemiker entwickeln Verfahren zur Blutanalyse

29.11.2006
Frühdiagnostik durch Ausweitung des Laborwerte-Spektrums

Einem Forscherteam unter der Leitung von Heidrun Rhode ist es am Universitätsklinikum Jena (UKJ) gelungen, ein neues Suchverfahren zur Aufschlüsselung von Bluteinzelbestandteilen zu entwickeln. "Ziel unserer Grundlagenforschung ist das bislang eher geringe Wissen über die Anzahl und damit verbundene Funktion an Parametern von Krankheiten durch das Einzelaufspüren weiterer Blutbestandteile möglich zu machen", erläutert Heidrun Rhode, Biochemikerin am Institut für Biochemie I der Friedrich-Schiller-Universität-Jena, im Gespräch mit pressetext.

Im neuen Suchverfahren, das die Forscher gemeinsam mit der Zentralwerkstatt der Medizinischen Fakultät der Universität Jena und der CyBio AG Jena entwickelten, wird von der entnommenen Blutprobe im ersten Schritt eine Trennung der festen Bestandteile, wie beispielsweise den roten Blutkörperchen, vom flüssigen Rest vorgenommen. Das zurückbleibende Serum wird anschließend mit Hilfe einer neuen Analyseplattform in viele tausend so genannte Fraktionen zerlegt, die in jeweils 100 Mikroliter aufgeteilt sind. Somit liegen darin die gelösten Moleküle in nach Größe und Ladung getrennt von einander vor. Im nächsten Analyseschritt des Spezialverfahrens kommen zwei Massenspektrometer zum Einsatz, wodurch deren Inhaltsstoffe aufzuklären versucht werden. Mittels einer eigens zu diesem Zweck programmierten Auswertsoftware wird es ermöglicht, diese abschließenden Inhaltsstoffe auch zu quantifizieren. "Das Verfahren ist ausschließlich für die Grundlagenforschung und nicht für den Laborarzt gedacht", so Rhode. Vielmehr solle mit den aus dem Verfahren gewonnenen Erkenntnissen ein Beitrag zur sichereren Frühdiagnostik von Krankheiten ermöglicht werden.

Der daraus gewonnene "Schnappschuss" gibt einen detaillierten Blick auf sämtliche Inhaltsstoffe der Blutprobe, die folglich zu einem bestimmten Zeitpunkt dokumentiert werden können. Trotz noch vorhandener Wissensdefizite über die Wirkungsmechanismen bei einzelnen Blutbestandteilen, zeigt sich die Biochemikerin mit der neuen Analysemethode zuversichtlich: "Auch wenn wir die Funktion und Herkunft der so gefundenen Moleküle oft erst einmal gar nicht kennen, lässt sich aus dem erhaltenen Muster vieles ablesen." Dies scheint insofern von Nutzen, dass - vergleicht man solcherlei Momentaufnahmen von Blutproben eines Patienten mit einer bestimmten Krankheit, mit der eines Gesunden - sich auf diese Weise genau die Moleküle aufspüren lassen, die im Verlauf der Krankheit auftreten oder sich in ihrer Konzentration verändern. Diese so genannten Biomarker stellen einen wesentlichen Beitrag der Grundlagenforschung dar, da die Frühdiagnose vieler Krankheiten somit effizienter möglich wäre. Darauf aufbauend, ergäben sich günstigere Heilungschancen mit neuen Therapieansätze.

Erste Praxistests des entwickelten Verfahrens verliefen indes viel versprechend: So war es bislang für die Forscher möglich, in Blutproben fast 2.000 verschiedene Eiweiße zu lokalisieren. Die Expertin betont, dass "für viele Wissenschaftler gänzlich unbekannt war, dass bestimmte Bestandteile im Serum vorkommen". Darin bestätigt sich das entwickelte Verfahren, da selbst neueste Lehrbücher bislang davon ausgingen, dass cirka 20 Haupteiweiße im Blut und einige Hundert in geringeren Konzentrationen bestehen. Derzeit wird das Verfahren auf unterschiedliche erworbene und angeborene Nierenerkrankungen angewandt, um Biomarker für schwer entzündliche Reaktionen ausfindig machen zu können. Auch eine Anwendung auf Zellen und Gewebe ist möglich und könnte zum besseren Verständnis über zelluläre Vorgänge beitragen.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Biochemikerin Blutprobe Grundlagenforschung Molekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar
21.02.2018 | Technische Universität München

nachricht Bakterien produzieren mehr Substanzen als gedacht
21.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt

21.02.2018 | Medizin Gesundheit

Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Designvielfalt für OLED-Beleuchtung leicht gemacht

21.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics