Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzenpotential in der Pipeline

23.11.2006
Pflanzen können Energie, Treibstoffe und Produkte liefern, und dazu beitragen unsere Umwelt schonender zu nutzen. Heute wird eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern berichten, welche Möglichkeiten es gibt.
Das EPOBIO Projekt, an dem auch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie arbeiten, veröffentlicht die erste Serie von Berichten, die die zahlreichen Möglichkeiten zur Nutzung von Pflanzen aufzeigt.

Was haben Sie heute Morgen bereits gemacht? Einen Kaffee gekocht, zur Arbeit gefahren und eine email und SMS versendet?

Auch wenn es uns nicht bewußt ist, Erdöl war dabei immer im Spiel. Vom Benzin fürs Auto bis zum Plastik aus dem die Kaffeemaschine, Autoteile, Computer oder ihr Handy gemacht sind. Unser Lebensstandard steigt immer weiter und hängt in vielen Bereichen vom Erdöl ab. Doch die Erdölvorräte sind begrenzt und der negative Einfluß der Nutzung fossiler Brennstoffe auf die Umwelt wird immer deutlicher.

Auch Pflanzen können Energie, Treibstoffe und Produkte liefern, und dazu beitragen unsere Umwelt schonender zu nutzen. Heute wird eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern berichten, welche Möglichkeiten es gibt. Das EPOBIO Projekt, an dem auch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie arbeiten, veröffentlicht die erste Serie von Berichten, die die zahlreichen Möglichkeiten zur Nutzung von Pflanzen aufzeigt.

Erneuerbare Rohstoffe aus Pflanzen

Pflanzen sind "grüne Fabriken" die die Energie des Sonnenlichts nutzen, um Rohstoffe herzustellen, aus denen Treibstoffe, Plastik und eine Reihe anderer Produkte preisgünstig und in großer Menge gefertigt werden können. Die EPOBIO Berichte zeigen, wie Pflanzen und ihre Produkte nutzbar sind, um aus Erdöl hergestellte Materialien zu ersetzen. Pflanzliche Zellwände stellen die größte erneuerbare Ressource der Erde dar. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie untersuchen wie Zellwände effektiver als Rohstoffquelle für neue Produkte genutzt werden können.

Projektleiter Professor Markus Pauly, und Dr. Ralf Möller, Autor des Berichtes, sagten: "Ein detailliertes Verständnis darüber, wie Pflanzen ihre Zellwände aufbauen, ist nötig um Pflanzen mit höherem Ertrag oder besseren Verarbeitungseigenschaften auszuwählen oder herzustellen. Diese Forschung kann dazu beitragen unsere Gesellschaft in Zukunft nachhaltig mit Produkten und Treibstoffen zu versorgen."

Hauptpunkte des Berichts über Zellwände:

* Biotreibstoffe, Energie, Chemikalien, Materialien und Fasern können in sogenannten Bioraffinerien aus Pflanzen, anstatt aus Erdöl hergestellt werden.

* Die Nutzung von Pflanzenmaterial reduziert den Ausstoß von Treibhausgasen und garantiert eine sichere Rohstoffversorgung.

* Zellwände bestehen zum überwiegenden Teil aus Zuckerpolymeren. Durch das Zersetzen der Zellwände werden große Mengen Zucker frei, die dann als Rohstoff für die Herstellung von Ethanol, oder anderen Chemikalien wie Milchsäure, nutzbar sind.

* Die Pflanzen und Techniken zur Zuckerherstellung aus Zellwänden müssen optimiert werden um den Ertrag und die Qualität der Endprodukte zu erhöhen, und um den Energie - und Chemikalienverbrauch zu senken.

Hauptpunkte weiterer EPOBIO Berichte:

Biopolymere: Alternative Quellen für Kautschuk:

* Kautschuk ist ein strategische Rohstoff der in vielen Anwendungsbereichen, wie zum Beispiel bei der Herstellung von Lastwagen- oder Flugzeugreifen, durch synthetischen Kautschuk nicht ersetzt werden kann.

* Allergien gegen die im Kautschuk vorkommenden Proteine nehmen zu. Das aus dem Kautschuk hergestellte Gummi wird im medizinischen Bereich benutzt und könnte daher ein Risiko für Patienten und medizinisches Personal darstellen.

* Der Gummibaum, Hevea brasiliensis, kann von Pilzen befallen werden. Das hat bereits jetzt zu einer Verringerung der grossflächigen Latexproduktion in Südamerika geführt.

* Die Versorgung mit Kautschuk wird sich in Zukunft verschlechtern.

* Kautschuk kann auch aus Guayule gewonnen werden. Dieser Kautschuk enthält keine Allergene. Durch Pflanzenzüchtung und Verbesserung der Anbaumethoden kann Guayule ökonomisch in Europa angebaut werden.

Pflanzenöle: Schmiermittel aus Pflanzenöl:

* Pflanzenöle haben ähnliche Strukturen und Eigenschaften wie Mineralöle und können in vielen Bereichen als Ersatz eingesetzt werden.

* Pflanzenwachse eignen sich sehr gut als Schmiermittel, werden aber nur eingeschränkt verwendet, da die Extraktion aus Jojoba Samen sehr teuer ist.

* Die kostengünstige Produktion der Ölpflanze Crambe bietet eine gute Alternative. Die aus ihrem Öl hergestellten Schmiermittel können in Maschinen oder Hydraulikölen verwendet werden.

Die Direktorin von EPOBIO, Professor Dianna Bowles sagte "Die zwei größten Probleme unserer Gesellschaft sind unsere Abhängigkeit von begrenzten fossilen Energieträgern und der Klimawandel. Pflanzen könnten uns mit allen Rohstoffen versorgen die heute aus Mineralöl hergestellt werden. Dadurch können wir für die Zukunft eine nachhaltige Gesellschaft aufbauen und die aktuellen Probleme wie steigende Energiekosten, Versorgungsunsicherheit und negative Umwelteinflüsse schon heute in Angriff nehmen."

Das Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie ist einer von 12 Partnern im EPOBIO Projekt. Die Experten aus Pflanzenwissenschaften, Umweltwissenschaften, Sozialwissenschaften und Ökonomie arbeiten zusammen, um Pflanzenprodukte zu identifizieren die in den nächsten 10-15 Jahren auf den Markt kommen und einen positiven ökologischen und ökonomischen Einfluß haben können.

Für allgemeine Fragen zum Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie kontaktieren Sie bitte Ursula Ross-Stitt

Tel.:+ 49 (0) 331 567 83 10, E-mail:Ross-Stitt@mpimp-golm.mpg.de

Ursula Ross-Stitt | idw
Weitere Informationen:
http://www.epobio.net

Weitere Berichte zu: EPOBIO Erdöl Kautschuk Rohstoff Treibstoff Zellwände

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit
19.10.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Rasche Umweltveränderungen begünstigen Artensterben
19.10.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie

Ostfalia forscht an Ultraleichtflugzeug mit Elektroantrieb

19.10.2017 | Verkehr Logistik

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten