Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit für Trinkwasser - europaweit

17.11.2006
Helmholtz-Zentrum koordiniert EU-Projekt zur Trinkwasser-Forschung

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel - jeder nimmt es täglich zu sich. Umso bedeutender ist es, genau zu wissen, welche Mikroorganismen sich darin befinden und welche Erkrankungen des Menschen sie auslösen, wenn ihre Zahl zu groß ist. Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig koordinieren jetzt ein EU-Projekt, das diesen Fragen nachgeht.

Die EU verspricht sich von dem "Healthy Water" genannten Vorhaben wesentliche Erkenntnisse zur Verbesserung ihrer Trinkwasserrichtlinien. Über drei Jahre fördert sie das Projekt mit insgesamt 2,4 Millionen Euro.

"In Deutschland hat Trinkwasser hervorragende Qualität", stellt Projektleiter Dr. Manfred Höfle fest. Diese Sicherheit gibt jedoch nicht überall in Europa - deshalb wird ein Schwerpunkt des Projekts auf risikobehafteten Trinkwasserquellen und Verteilungssystemen in Europa liegen. Zudem ist die Messung der Verunreinigung mit Krankheitserregern derzeit nicht ganz unproblematisch. Höfle: "Wir bestimmen nur die Zahl einer Bakterienart - Escherichia coli - über den Gehalt an anderen Bakterien, an Viren oder so genannten Protozoen, also tierischen Einzellern, wissen wir damit aber gar nichts."

... mehr zu:
»DNA »Protozoen »Trinkwasser »Virus

Deshalb wollen die Helmholtz-Wissenschaftler mit ihren neun EU-Partnern aus Industrie und Forschung nun einen Chip testen und weiterentwickeln. Er soll bisher nicht erfasste Mikroorganismen nachweisen. Höfle und seine Kollegen können auf große Erfahrung zurückgreifen, denn einen "Aqua-Chip" zum Nachweis bakterieller Erreger haben sie bereits erfolgreich entwickelt.

"Jetzt wollen wir die Zahl der erfassbaren Erreger erhöhen und den Chip auch empfindlich für Viren machen", erklärt die am Projekt beteiligte Wissenschaftlerin Dr. Ingrid Brettar. Dies sei sehr anspruchsvoll, weil bei Bakterien und Protozoen die Erbsubstanz DNA als Nachweis diene. Manche Viren speicherten ihre genetischen Informationen jedoch auf einer anderen Substanzklasse, den RNA-Molekülen. "Die muss der Chip genauso wie DNA erkennen", so Brettar.

Mit dem neuen Chip werden sich also bisher unbeachtete Keime im Trinkwasser nachweisen lassen. Damit ergeben sich ganz neue Chancen für den Schutz der Menschen vor Infektionskrankheiten. "Wir gehen davon aus, dass kontaminiertes Trinkwasser mehr Krankheiten verursacht, als man bisher vermutet hat", so Projektleiter Höfle. Um herauszufinden, welche Infektionskrankheiten in Europa durch unhygienisches Wasser ausgelöst werden, setzt das wissenschaftliche Konsortium aber nicht nur auf den Chip. "Wir werden eine Reihe so genannter epidemiologischer Studien, sowie Befragungsaktionen bei Ärzten durchführen und Faktoren identifizieren, die auf Zusammenhänge von Infektionen und unsauberem Trinkwasser hinweisen", beschreibt Höfle das Vorgehen. "Solche strukturierten Daten liegen in Europa bisher noch nicht vor. Wir versprechen uns davon Hinweise darauf, auf welche Erreger wir bei der Chip-Entwicklung ein besonderes Augenmerk legen müssen. Damit hoffen wir, einen wesentlichen Beitrag für sicheres Trinkwasser in Europa leisten zu können."

Manfred Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Berichte zu: DNA Protozoen Trinkwasser Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie