Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsstammzellen identifiziert: Neue Hoffnung bei Leukämie

16.11.2006
Forscher entdecken spezifische Moleküle und generieren Spezialantikörper

Einem internationalen Forscherteam ist es an der Medizinischen Klinik III am Klinikum der Ludwig-Maximillians-Universität München unter der Leitung von Christian Buske gelungen, so genannte Krebsstammzellen in ersten Tierversuchen bei leukämiekranken Mäusen zu identifizieren. Wie in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Cancer Cell" berichtet, fanden die Wissenschaftler an der Oberfläche der Leukämiestammzellen spezifische Moleküle und weitere Merkmale, die im Vergleich zu gesunden, Blut bildenden Stammzellen nicht vorhanden sind. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend und verbunden damit, dass dieser Zelltypus auch beim Menschen vorkommt, erhoffen sich die Forscher hoch selektive Therapien gegen Blutkrebs entwickeln zu können.

"Derzeitige Modellversuche mit Mäusen zeigen, dass auch bei Blutkrebspatienten Hoffnungen auf die Wirksamkeit zukünftiger Therapien bestehen", erläutert Buske gegenüber pressetext. Der Experte bringt zum Ausdruck, dass krankhaft veränderte Blutstammzellen für die Entstehung des Blutkrebses verantwortlich sind, wobei eine vollständige Heilung vermutlich nur bei der erfolgreichen Eliminierung der Krebsstammzellen erreicht werden könnte. Da bei einer für den Patienten möglichst verträglichen Leukämietherapie vor allem die gesunden, Blut bildenden Stammzellen geschont werden sollten, gingen Buske und sein Team zunächst experimentell in Tierversuchen vor. Der bei den Mäusen erzeugte Blutkrebs entstand durch eine genetische Veränderung, wobei in die Blutstammzellen der Tiere das CALM-AF10-Fusionsgen einbracht wurde. Dieses ist auch beim menschlichen Patienten mit akuter myeloischer Leukämie vorherrschend. Folglich war es möglich, die Krebsstammzellen ausfindig zu machen, die beim Entstehungsprozess der akuten myeloischen Leukämie mitwirken.

Krebsstammzellen weisen jedoch spezifische Charakteristika auf, die bei gesunden Stammzellen nicht zu finden sind. Dem Forscherteam gelang es, das bei kranken Krebsstammzellen an der Oberfläche vorkommende Molekül B220 heraus zu synthetisieren. Im Vergleich zu gesunden Blutstammzellen erkannte man, dass dieses Molekül fehlte. Im Versuch ließen sich die schadhaften Zellen durch eine generierte Antikörper-Therapie eliminieren, die B220 erkannten und somit gesunde Blutstammzellen nicht einer Beeinträchtigung unterzogen. Erste Erprobungsphasen am Menschen verliefen viel versprechend, da Patienten mit demselben Typ der CALM-AF10-positiven Leukämie dieselben Oberflächeneigenschaften zeigten, wie die mit dem B220 entsprechenden Molekül auf deren Leukämiezellen.

Mit diesen neuen Erkenntnissen könnte es unter Umständen möglich sein, einen Ansatz für wirksamere und vor allem zielgerichtete und schonende Behandlungstherapien im Kampf gegen Blutkrebs zu entwickeln, bekräftigt der Mediziner. Buske betont, dass "erst wenn Therapien beim Menschen ganz spezifisch gegen das B220-Molekül angewendet werden können, auch die gesunden Blutstammzellen davon unberücksichtigt bleiben. Dies hätte den Vorteil, die bei sonst chemotherapeutischen Maßnahmen auftretenden Nebenwirkungen erheblich einzuschränken". Der Einsatz eigens dafür kreierter Antikörper muss daher als Schlüssel einer selektiven und dauerhaften Vernichtung von Krebsstammzellen bewertet werden.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://med3.klinikum.uni-muenchen.de
http://www.uni-muenchen.de
http://www.cancercell.org

Weitere Berichte zu: Blutkrebs Blutstammzellen Krebsstammzellen Leukämie Molekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie

Digitalanzeige mit Touchscreen WAY-AX & WAY-DX von WayCon

27.06.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie