Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetischer Test prüft Aggressivität beim Neuroblastom

08.11.2006
Zu den Krebsarten, die Kinder besonders häufig treffen, gehören die Neuroblastome. Ein bis drei von 100.000 Mädchen und Jungen erkranken bis zum 14. Lebensjahr an dieser Wucherung des Nervensystems.

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität zu Köln haben auf der Basis der Genaktivität der Tumorzellen eine Methode entwickelt, um die Aggressivität des Neuroblastoms schon zum Zeitpunkt der Diagnose beurteilen zu können.

Eine Besonderheit des Neuroblastoms ist, dass sich mindestens zehn Prozent der Tumoren, selbst wenn sie bereits Metastasen gebildet haben, ohne Behandlung spontan zurückbilden. "Neuroblastome haben einen sehr variablen Krankheitsverlauf. In manchen Fällen verschwindet der Tumor von selbst wieder, andere Patienten sterben trotz intensiver Behandlung", erläutert Dr. Frank Westermann aus der Abteilung Tumorgenetik unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Schwab. "Mithilfe unseres Tests wird es möglich sein, das Risiko der einzelnen Patienten genauer abzuschätzen." Damit können die Wissenschaftler nicht nur eine Therapie besser auf den jeweiligen Patienten abstimmen, sondern auch Patienten mit guter Prognose eine unnötige, belastende Chemotherapie ersparen.

In der bislang weltweit größten Neuroblastom-Studie untersuchten Dr. Westermann und Dr. Benedikt Brors aus dem Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Dr. Matthias Fischer von der Universität zu Köln das Tumormaterial von insgesamt 251 Patienten. Das Forschungsvorhaben wurde vom Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN) und von der Deutschen Krebshilfe unterstützt. Die Wissenschaftler ermittelten in zunächst 77 Tumoren 144 Gene, deren Aktivität charakteristisch für den Verlauf der Erkrankung ist. Einige dieser Gene sind bei einem eher bösartigen Neuroblastom aktiv, während andere in relativ gutartigen Tumoren stärker abgelesen werden. Mithilfe eines Gen-Chips können die Wissenschaftler nun Tumorproben auf diese Genaktivitäten untersuchen und anschließend den weiteren Verlauf der Erkrankung abschätzen.

Die Forscher testeten den Gen-Chip an weiteren 174 Tumorproben. Dabei bestätigte sich die hohe Zuverlässigkeit des genetischen Tests: Die Genauigkeit, mit der der Verlauf der Krankheit vorhergesagt werden konnte, lag bei 93 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei den bisher angewendeten Methoden zur Klassifizierung von Neuroblastomen. Zudem konnte der Gentest Patienten herausfiltern, die nach der herkömmlichen Kategorisierung nicht behandelt worden wären, deren Krankheit dann aber doch unerwartet bösartig verlief. Eine rechtzeitige Therapie könnte in solchen Fällen lebensrettend wirken.

Publikation: André Oberthuer, Frank Berthold, Patrick Warnat, Barbara Hero, Yvonne Kahlert, Rüdiger Spitz, Karen Ernestus, Rainer König, Stefan Haas, Roland Eils, Manfred Schwab, Bedenikt Brors, Frank Westermann und Matthias Fischer: Gene Expression-Based Classification of Neuroblastoma Patients Using a Customized Oligonucleotide Microarray Outperforms Current Clinical Risk Stratification. Journal of Clinical Oncology, Band 24, 1. November 2006

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Das Nationale Genomforschungsnetz wird seit 2001 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, um die genetischen Ursachen von häufigen Krankheiten aufzuklären und neue Therapie- und Diagnosemethoden zu entwickeln.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.ngfn.de
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Gen-Chip Genetischer Genomforschungsnetz Neuroblastom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise