Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Labor auf einem Mikrochip

06.11.2006
Eine Siegener Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Schmittel beschäftigt sich mit der Lab-on-Microchip Technologie. Hierfür müssen grundlegende physikalische und chemische Konzepte und Methoden erarbeitet werden.

Eine höchst erfreuliche Nachricht konnte Prof. Dr. Michael Schmittel, Sprecher der Siegener Forschergruppe "Mikro- und Nanochemie" und geschäftsführender Vorsitzender des Forschungszentrums für Mikro-/Nanochemie und -Technologie an der Universität Siegen Cµ entgegennehmen. Nach der positiven Begutachtung durch ein 6-köpfiges Gutachtergremium im August wurden vor wenigen Tagen die entsprechenden Mittel in Höhe von 1.5 Millionen Euro durch den Hauptausschuss der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) bereitgestellt. Durch die zugesagte Förderung können insgesamt 10 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für die nächsten 3 Jahre finanziert und mit der notwendigen Ausstattung versehen werden.

Eine Forschergruppe ist eine Auszeichnung der DFG für exzellente Forschung in einem Forschungsverbund, der an die Beteiligten höchste Anforderungen stellt. Das Mitwirken in der Forschergruppe setzt bei den einzelnen Arbeitsgruppenleitern neben herausragenden Qualitäten in den "eigenen" Forschungsgebieten auch eine fachübergreifende Kompetenz voraus. Diese zeigt sich insbesondere in einer größeren Zahl interdisziplinärer Projekte, welche sich über mehrere Disziplinen: Chemie, Physik, Informatik und Ingenieurwissenschaften erstrecken.

Die Forschergruppe hatte bereits in der ersten Förderperiode - ebenfalls über einen Zeitraum von 3 Jahren - aufgrund der starken Vernetzung der Projekte zügig zu einer kompakten und leistungsfähigen Einheit zusammengefunden. So wurden mehr als 80 Publikationen in renommierten Fachzeitschriften, ein Lehrbuch und auch bereits mehrere Patente auf den Weg gebracht. Alleine während der ersten Förderphase ergingen vier Rufe an leitende Wissenschaftler. Zwar hat mit Herrn Prof. Meixner, dem ersten Sprecher, ein wichtiges und renommiertes Mitglied die Universität Siegen in Richtung Tübingen verlassen, aber er steht weiterhin der Forschergruppe für Kooperationen zur Verfügung. Aufgrund einer gezielten Berufungspolitik konnten die Vakanzen in der Forschergruppe durch ausgewiesene neu an die Universität Siegen berufene Kollegen besetzt werden. Wie bereits in der ersten Förderperiode werden fünf Arbeitsgruppen aus Siegen um die Professoren Böhm, Ihmels, Mews, Schmittel und Wiechert den Kern der Forschergruppe bilden und durch jeweils eine Arbeitgruppe vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz (MPI) und vom Institut für Mikrotechnik Mainz (IMM) ergänzt.

Die Vision eines Lab-on-Microchip, eines von einer CMOS-ASIC Plattform autonom verwalteten chemischen Analyselabors mit komplett integrierter Fluidik, Analytik und Auswertung, lässt für die mittlere Zukunft neuartige medizinische Notfall- und Heilapplikationen erhoffen, die - eine Implantation vorausgesetzt - kontinuierlich verschiedene Messwerte in Körperflüssigkeiten überwachen und gezielte Aktionen beim Überschreiten von Grenzwerten veranlassen können. Gegenwärtig steht die Wissenschaft weltweit, trotz erster beachtlicher Erfolge wie der elektrischen Biochiptechnologie (DNA-Biochip - Deutscher Zukunftspreis 2004), erst am Beginn eines langwierigen Prozesses, in dem Technologien und Komponenten der Mikroelektronik mit denen der Mikrofluidik und der Mikrochemie verknüpft werden müssen, wenn die Vision eines Lab-on-Microchip Wirklichkeit werden soll. Die Wissenschaftler möchten daher durch ihre Forschung gezielt ausgewählte und zukunftsträchtige Schnittstellen zwischen Chemie, Fluidik, Sensorik, Oberflächen und Mikroelektronik untersuchen.

In der zweiten Förderperiode sollen nun die Rahmenbedingungen, die ein solcher Chip mit sich bringt, in allen Teilprojekten deutlich stärker als bisher Berücksichtigung finden. Hierzu soll durch geeignete Experimente und begleitende Simulationen erforscht werden, wie sich das Zusammenspiel chemischer Sensormoleküle in mikrostrukturierten Anordnungen mit der Fluidik und Prozessen an den Oberflächen darstellt.

Um diese Forschungen weiter voranzutreiben, werden auch in Zukunft modernste Methoden der Mikrostrukturierungs- und Nanotechnologie, der organischen und physikalischen Chemie und der Oberflächen- und Grenzflächenwissenschaften eingesetzt. Die Wissenschaftler hoffen so einen "universellen Baukasten" zu schaffen, in dem einzelne Komponenten nahezu beliebig miteinander verknüpft werden können. Prof. Schmittel ist sich sicher, dass die in diesem Bereich ausgebildeten Forscherinnen und Forscher auch international hervorragende Aussichten für ihre berufliche Zukunft haben werden.

An der Universität Siegen werden bereits seit Mitte der 90er Jahre gezielt Forschungsaktivitäten im Bereich der Mikro- und Nanochemie durch die Hochschulleitung gefördert. Im Rahmen einer stärkeren Profilbildung in der Forschung stellt die Mikro- und Nanochemie einen wichtigen Forschungsschwerpunkt der Universität Siegen dar.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Michael Schmittel
Telefon: 0271/740-4356
Telefax: 0271/740-3270
email: schmittel@chemie.uni-siegen.de

Ullrich-Eberhardt Georgi | idw
Weitere Informationen:
http://www.cu.uni-siegen.de

Weitere Berichte zu: Fluidik Förderperiode Lab-on-Microchip

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten