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Klettern zwischen Nasenbären und Beutelratten - Ulmer Biologen forschen im Regenwald

31.10.2006
Wie können die extrem artenreichen Regenwälder Brasiliens inmitten riesiger Zuckerrohr-Plantagen besser erhalten werden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich seit drei Jahren das deutsch-brasilianische Forschungsprogramm "Mata Atlántica". Geleitet wird es von Professor Gerhard Gottsberger, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Ulm und bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr Lehrstuhlinhaber am Institut für Systematische Botanik und Ökologie.

Jetzt hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusätzliche 1,1 Millionen Euro bewilligt und das Projekt um weitere drei Jahre verlängert. Daran beteiligt sind neben Wissenschaftlern der Uni Ulm zwei brasilianische Universitäten und ein einheimisches Forschungsinstitut. An dem Ulmer Uni-Institut entstehen dadurch sechs neue Arbeitsplätze.

Nicht nur deswegen freut sich Gottsberger über die verlängerte Förderung: "Das BMBF hat damit nicht nur die bisherigen Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten honoriert, sondern auch deren hohem politischen Stellenwert Rechnung getragen", sagt der Biologe, der seit Jahrzehnten Ökosysteme in Südamerika erforscht und 1996 den renommierten Körberpreis erhalten hat. Nicht ohne Grund stoße gerade die Arbeit der Ulmer Forschergruppe im Nordosten Brasiliens auf großes Interesse bei brasilianischen Wissenschaftlern ebenso wie in den dortigen Medien.

"Wir untersuchen nördlich der Drei-Millionen-Metropole Recife die Einflüsse der Fragmentierung der Wälder auf wichtige Baumarten und ihre Interaktionen mit Tieren wie Bestäubung und Samenausbreitung", beschreibt Professor Gottsberger die Aufgabenstellung. Deren Hintergrund sei der weiter fortschreitende Raubbau an einem der artenreichsten Ökosysteme der Erde. "Hauptursache hier im Nordosten Brasiliens ist vor allem die Landwirtschaft mit ihren großflächigen Zuckerrohrplantagen, obwohl die Wälder mittlerweile unter Schutz stehen", weiß der Wissenschaftler und nennt den atlantischen Küstenregenwald "eines der am meisten gefährdeten Ökosysteme weltweit".

Gerhard Gottsberger zufolge sollen mit dem Projekt Konzepte und Empfehlungen erarbeitet werden, wie die Wälder inmitten der Zuckerrohr-Monokulturen besser erhalten werden können. "Wir selbst forschen auf einer rund 25 000 Hektar großen Zuckerrohr-Plantage. Hier ist noch ein Drittel der Fläche bewaldet und wir untersuchen, wie gut diese Fragmente noch funktionieren", so der Biologie-Professor.

Dazu müssen einige seiner Mitarbeiter hoch hinaus. Um Tiere bei der Bestäubung von Bäumen zu beobachten, klettern die Diplom-Biologen Leonhard Krause und Daniel Piechowski an Seilen in die 30 Meter hohen Bäume.

"Dabei kommt es nachts in den Baumkronen nicht nur zu Begegnungen mit Fledermäusen, sondern auch mit Krallenaffen, Stachelschweinen, Nasenbären und Beutelratten", berichtet Piechowski. Diese Säugetiere nämlich seien hier auf Nektarsuche unterwegs und die Vielfalt sowie Häufigkeit, mit der die Blütenstände aufgesucht würden, seien ein wichtiger Beleg für die Wichtigkeit dieser Bäume als Lebensraum dieser Tiere.

Professor Gerhard Gottsberger, der mit diesem Projekt dem Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zufolge übrigens deutlich über dem Durchschnitt bei Drittmitteleinwerbungen deutscher Kollegen liegt, gilt auch international als anerkannter Experte für Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen. Als bundesweit einmaliges Angebot für Biologiestudenten geschätzt wird der von ihm mit initiierte Tropenökologie-Kurs an der Universität Ulm. Der sechswöchige Kurs wird gemeinsam von der Botanik und der Zoologie durchgeführt.

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

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