Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schritt für Schritt zu künstlichen Organen

19.10.2006
Tissue Engineering, neue Materialien und Genexpressionsanalyse - für ihre Diplomarbeiten werden in diesem Jahr Jan Hansmann und Elena Lindemann aus Stuttgart sowie Frauke Junghans aus Halle an der Saale mit dem Hugo-Geiger-Preis für Life-Sciences geehrt.

Wenn lebenswichtige Organe wie Niere oder Leber erkranken, hilft oft nur die Transplantation. Doch bis ein geeigneter Spender gefunden ist, vergehen manchmal Jahre. Für die Patienten ist die Wartezeit mit großen Einschränkungen verbunden. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigen sich Biologen damit, künstliche Gewebe zu züchten. Bisher entstanden mittels des Tissue Engineerings einfach aufgebaute Knorpelgewebe oder Haut, die transplantiert werden können.

Am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB arbeiten Forscher an der Herstellung künstlicher Gewebe. Jan Hansmann gelang mit seiner Diplomarbeit "Entwicklung eines Bioreaktors für den Einsatz im vaskularisierten Tissue Engineering" ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu künstlichen, komplex aufgebauten Organen. Dafür wurde er mit dem 1. Hugo-Geiger-Preis für Life-Sciences ausgezeichnet. "Mithilfe rechnergesteuerter Kulturgefäße, das heißt Bio-reaktoren, werden über kontrollierte natürliche physiologische Reize komplexe Gewebe mit Blutgefäßen erzeugt", erklärt Hansmann.

Den 2. Preis erhielt Frauke Junghans. Am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Halle beschäftigte sie sich mit der "Mikromechanischen Charakterisierung von Spinnenseidenproteinschichten". Wegen ihrer unübertroffenen Eigenschaften steht die Herstellung naturgetreuer Spinnenseide seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste von Materialforschern. Sie ist fester als Stahl und gleichzeitig dehnbarer als Nylon, zudem wasserfest und für Kälte unempfindlich. Das macht sie für medizinische und technische Anwendungen interessant. IWM-Wissenschaftler in Halle experimentieren mit Spinnenseide als Grundlage für biomedizinische Materialien, etwa als biokompatible Beschichtung für Implantate. "Durch die Charakterisierung der Proteinschichten sind wir diesem Ziel einen Schritt näher gekommen", erläutert Junghans.

Der 3. Preis ging an Elena Lindemann. Am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entwickelte sie ein einfaches alternatives Verfahren zur Genexpressionsanalyse, das bereits zum Patent angemeldet wurde. "Bisher benötigt man für Genexpressionsstudien immer ein vollständig sequenziertes und annotiertes Genom des zu untersuchenden Organismus. Mithilfe der hochauflösenden zweidimensionalen DNA-Elektrophorese können jetzt komplexe Transkriptionsprofile als Spotmuster dargestellt und analysiert werden. Das System kommt ohne Kenntnis der Genomsequenzen aus und lässt sich universell einsetzen", sagt Lindemann.

Ansprechpartner:
Jan Hansmann
Telefon: 07 11 / 9 70-40 25
jan.hansmann@igb.fraunhofer.de
Prof. Heike Mertsching
Telefon: 07 11 / 9 70-41 17
heike.mertsching@igb.fraunhofer.de
Frauke Junghans
Telefon: 03 45 / 55 89-1 54
Frauke.Junghans@
iwmh.fraunhofer.de
Dr. Andreas Heilmann
Telefon: 03 45 / 55 89-1 80
andreas.heilmann@
iwmh.fraunhofer.de
Elena Lindemann
Telefon: 07 11 / 970-41 45
Elena.Lindemann@igb.fraunhofer.de
Dr. Kai Sohn
Telefon: 07 11 / 9 70-40 55
kai.sohn@igb.fraunhofer.de

Isolde Rötzer | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/fhg/company/science/2006/H-G-P_2006.jsp
http://www.iwmh.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Bioverfahrenstechnik Gewebe Organ Tissue

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften