Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Duft des Eisens

18.10.2006
"Metallischer" Geruch von Eisen, eisenhaltigem Wasser und Blut entsteht durch Zersetzung von Hautfetten

Woher kommt dieser seltsame, aber typische, als "metallisch" klassifizierte Geruch, wenn man Eisengegenstände, wie Werkzeuge, Besteck, Geländer oder Münzen, anfasst? "Der Geruch des Eisens bei Hautkontakt ist ironischerweise eine Art menschlicher Körpergeruch," konstatiert Dietmar Glindemann, "dass wir das Metall an sich riechen, ist eine Illusion." Zusammen mit einem Forscher-Team vom Virgninia Polytechnic Institute / State University, USA, der Universität Leipzig sowie dem Umweltforschungszentrum Leipzig.ist er den verantwortlichen Geruchsstoffen auf die Spur gekommen.

Sieben Testpersonen erkannten sofort einen "muffigen" metallischen Geruch beim Kontakt ihrer Handflächen mit metallischem Eisen oder einer Lösung, die zweifach positiv geladene Eisenionen enthielt. Lösungen mit dreifach positiv geladenen Eisenionen rufen einen solchen Geruch dagegen nicht hervor. Eine Analyse von Gasproben von der Haut der Versuchspersonen wies auf ein Bouquet verschiedener organischer Verbindungen hin, die für den metallischen Geruch charakteristisch zu sein scheinen. Schlüsselkomponente ist ein Stoff namens 1-Octen-2-on, der noch in großer Verdünnung pilzartig-metallisch riecht.

Vorstufen der Geruchsstoffe sind Lipidperoxide. Lipidperoxide entstehen, wenn Hautfette durch bestimmte Enzyme oder andere Prozesse (z.B. unter UV-Licht) oxidiert werden. Diese Lipidperoxide werden dann durch die zweiwertigen Eisenionen zersetzt, die dabei zu dreiwertigem Eisen reagieren. Beim Anfassen eines Eisengegenstandes entstehen die benötigten zweiwertigen Eisenionen, wenn Hautschweiß das Eisen korrodiert.

Das Verreiben von Blut auf der Haut ergibt einen ähnlichen metallischen Geruch, der auf den selben Geruchsstoffen basiert. Blut enthält ebenfalls Eisenionen. Glindemann: "Dass der Mensch Eisen 'riechen' kann, ist als ein Sinn für Blutgeruch zu interpretieren. Der Frühmensch konnte so wahrscheinlich verwundete Beute oder Stammesgenossen aufspüren."

Auf der Grundlage dieser neuen Erkenntnisse könnten Mediziner Eisen-Tests für Haut, Blut und Körpergewebe weiterentwickeln, um spezifische "Fingerabdrücke" der flüchtigen Geruchsstoffe als Marker für individuellen Körpergeruch, oxidativen Stress und Krankheiten zu identifizieren.

Ein anderer Eisen-typischer Geruch konnte von den Forschern ebenfalls charakterisiert werden: kohlenstoff- und phosphorhaltige Gusseisen und Stähle entwickeln unter Säureeinwirkung einen metallisch-knoblauchartigen Geruch. Er wurde von Metallurgen bisher dem Gas Phosphin (PH3) zugeordnet. Reines Phosphin (auch als Pestizid weltbekannt) ist bei atembarer Verdünnung jedoch so gut wie geruchlos. Die wahren Schuldigen sind Organophosphine, allen voran solche Meister unter den geruchsintensiven Stoffen wie Methylphosphin und Dimethylphosphin. Ihre Struktur entspricht einem Phosphin-Molekül, bei dem ein bzw. zwei Wasserstoffatome durch CH3-Gruppen ersetzt sind.

Angewandte Chemie: Presseinfo 41/2006

Autor: Dietmar Glindemann, Virginia Polytechnic Institute and State University, Blacksburg (USA), http://www.glindemann.net/

Angewandte Chemie 2006, 118, No. 42, 7163-7166, doi: 10.1002/ange.200602100

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de
http://presse.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Eisen Eisenion Geruch Geruchsstoffe Lipidperoxide

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt
18.06.2018 | Universität Bern

nachricht Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen
18.06.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics