Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fleisch fressende Pflanze fängt Termiten gleich massenhaft

24.01.2002


Termiten besuchen eine Kanne der Fleisch fressenden Pflanze Nepenthes albomarginata. Diese lockt die Insekten mit fressbaren Haaren an.
Foto: Merbach


Erstmals haben Biologen eine Fleisch fressende Pflanze gefunden, die sich auf eine Beute spezialisiert hat: Es handelt sich um eine tropische Kannenpflanze mit einer Vorliebe für Termiten. Über diese Entdeckung berichteten die Wissenschaftler von den Universitäten Frankfurt/Main, Brunei und Würzburg Anfang Januar in der Zeitschrift "Nature".

Kannenpflanzen verhalten sich beim Beutefang in der Regel nicht wählerisch. Ihre Blätter sind zu schlauchartigen Gebilden geformt, deren oberer Rand und Innenflächen sehr rutschig sind. Um Beute anzulocken, geben sie zuckerhaltigen Nektar ab. Damit verführen diese Gewächse verschiedenste Insekten dazu, sich am Rand der Kannen niederzulassen. Geraten die Gäste dort auf die gefährlichen Stellen, dann rutschen sie in die Kannen hinein und werden mit Hilfe einer speziellen Flüssigkeit verdaut.

In Brunei auf der Insel Borneo fanden die Wissenschaftler jetzt eine Kannenpflanze, die sich auf den Termitenfang spezialisiert hat. Bei der Art namens Nepenthes albomarginata moderten in der Regel Tausende von Termiten in einer einzigen Kanne vor sich hin. Alle Opfer gehörten zur selben Art und waren in einem ähnlich weit fortgeschrittenen Stadium der Zersetzung. Sie mussten also alle innerhalb eines kurzen Zeitraums in die Falle geraten sein.

Die Kannen dieser Termiten fangenden Pflanze tragen rund um ihre Öffnungen einen Saum aus weißen Haaren, die von den Insekten offenbar gern gefressen werden: Entdecken einzelne Termiten eine behaarte Kanne, dann eilen sie in ihre Kolonie und kommen mit vielen Nestgenossen zurück. Zusammen weiden sie die Haare ab und tragen sie zum Nest, wie die Forscher beobachteten.

Bei dieser Beschäftigung fallen sehr viele Termiten in die Kannen - die Wissenschaftler zählten bis zu 22 pro Minute. Sie meinen, dass diese Fangquote in Gegenden mit einer dichteren Termitenpopulation noch höher sein kann. Andererseits verlieren die Termiten das Interesse an den Kannen, sobald deren Haarsaum abgegrast ist. Gibt es gar keine Termiten in der Umgebung, dann ist der Fangerfolg der weiß behaarten Nepenthes gering: Die Forscher zählten im Laufe eines halben Jahres nur wenige Dutzend Ameisen, Käfer oder Fliegen in den Fallen.

An diesen Forschungen war die Biologin Dr. Brigitte Fiala vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Universität Würzburg im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts beteiligt.

Marlis A. Merbach, Dennis J. Merbach, Ulrich Maschwitz, Webber E. Booth, Brigitte Fiala und Georg Zizka: "Mass march of termites into the deadly trap", Nature Vol. 415, 3. Januar 2002, Seiten 36 - 37.

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Nepenthes Pflanze Termiten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften