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Mit Gentechnik im Wettlauf gegen resistente Bakterien

13.10.2006
Es werden immer wieder neue Antibiotika entwickelt, die als Wirkstoffe vor allem gegen bak-terielle Krankheitserreger eingesetzt werden können.Da die Entwicklung neuer Wirkstoffe im Labor kompliziert und zeitaufwendig ist, untersuchen zwei internationale Wissenschaftler-Teams unter Leitung der Tübinger Professoren Lutz Heide und Wolfgang Wohlleben harmlose Bakterien auf ihre Anwendbarkeit in der Arzneistoffforschung.

Europäische Tagung zum Design neuer Antibiotika in Tübingen

Die Europäische Tagung "Drug Research in Actinomycetes" findet vom 20. bis 22. Oktober 2006 im Hörsaalzentrum Auf der Morgenstelle der Universität Tübingen statt. Sie steht in Zusammenhang mit den Abschlussworkshops zweier EU-Projekte, die von den Tübinger Wissenschaftlern Prof. Dr. Wolfgang Wohlleben (Mikrobiologie/Biotechnologie, Projekt: CombigTOP) und Prof. Dr. Lutz Heide (Pharmazeutische Biologie, Projekt: CombiGyrase) koordiniert werden.

Es werden immer wieder neue Antibiotika entwickelt, die als Wirkstoffe vor allem gegen bakterielle Krankheitserreger eingesetzt werden können. Doch treten bei den Krankheitserregern ständig neue Resistenzen auf, die sie gegen die Antibiotika unempfindlich machen. In diesem Wettlauf müssen Forscher schnell sein. Da die Entwicklung neuer Wirkstoffe im Labor kompliziert und zeitaufwendig ist, untersuchen zwei internationale Wissenschaftler-Teams unter Leitung der Tübinger Professoren Lutz Heide und Wolfgang Wohlleben harmlose Bakterien auf ihre Anwendbarkeit in der Arzneistoffforschung.

Streptomyces-Bakterien stellen natürlicherweise Antibiotika her, um andere Bakterien im Boden abzutöten. Diese Antibiotika lassen sich oft nicht direkt als Medikamente beim Menschen einsetzen, beispielsweise wenn die Substanzen schlecht wasserlöslich sind und daher nicht im Blutstrom des Körpers transportiert werden können. Die Wissenschaftler haben verschiedene natürliche Antibiotika näher untersucht, um herauszufinden, welche Teile der Moleküle essenziell für die Wirkung gegen Bakterien sind. Sie wollen andere Teile der Moleküle variieren und hoffen, auf diese Weise Antibiotika entwerfen zu können, die gegen Krankheitserreger im menschlichen Körper aktiver sind und weniger Nebenwirkungen haben.

Streptomyces-Bakterien können durch gentechnische Veränderungen zur Bildung neuer Antibiotika gebracht werden. Die erhaltenen Substanzen können möglicherweise gegen gefährliche Krankheitserreger wie zum Beispiel die multiresistenten Staphylococcus aureus-Bakterien (MRSA) eingesetzt werden. Diese MRSA-Bakterien können schwere Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Sepsis hervorrufen.

Die Ergebnisse der EU-geförderten Projekte "CombiGyrase" und "CombigTOP" auf diesem Gebiet werden in Tübingen mit Wissenschaftlern aus vielen europäischen Ländern diskutiert. Sie bereiten auch zukünftige europäische Forschungskooperationen vor. Eine Tagung von jungen Nachwuchswissenschaftlern, die im Rahmen der "Vereinigung für allgemeine und angewandte Mikrobiologie" die Arzneistoffproduktion von Bakterien erforschen, schließt sich an.

Nähere Informationen:

Prof. Lutz Heide
Pharmazeutisches Institut
Auf der Morgenstelle 8, 72076 Tübingen
Tel.: 07071/ 29-72460
E-Mail: heide@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

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