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Erklärungsversuche der Hybridisierung von Rosenpflanzen

09.10.2006
Botaniker weist Parasiten spezielle Funktionen zu

Verschiedenste Rosenarten veränderten sich in der Evolutionsgeschichte aufgrund von Kreuzungen, wobei genetische Durchmischungen auftraten. Der Botaniker Volker Wissemann von der Universität Jena untersucht deshalb den Prozess der so genannten Hybridisierung. Dabei handelt es sich um die Auswirkungen der Evolution auf Pflanzenarten. Speziell analysiert der Forscher hierbei das evolutionäre Wechselspiel zwischen der europäischen Hundsrose und denen sich mit ihr in gemeinsamer Evolution befindlichen Parasiten.

Aus diesem Grund sind heutige Hybriden der Hundsrose im Ergebnis genetische Mischlinge, wobei sie Merkmale von Rosen aus der gesamten Welt in sich vereinen. Die aktuelle Publikation von Wissemann geht der Frage nach, ob die gemeinsame Evolution von Rosen und Parasiten insbesondere zur vielfältigen Ausbreitung ersterer beigetragen hat. Der Botaniker betont dabei, dass "es für Parasiten einen wichtigen Vorteil bringt, wenn sich ihre Wirtspflanzen auch über Artengrenzen hinweg ständig miteinander vermischen. Sind sie an eine Art angepasst, so fühlen sie sich auch auf anderen Arten wohl, die Merkmale jener für sie günstigen Wirtspflanze in sich tragen." Die Ausbreitungs- und Lebensbedingungen für Parasiten sieht Wissemann daher ganz erheblich in der Vielfalt der pflanzlichen Mischformen begründet.

Auf diesen Kenntnissen aufbauend, stellt der Forscher die These auf, dass Parasiten nicht nur die Durchmischung in Form einer Hybridisierung von Wildrosen bevorzugen, sondern diesen Prozess ganz erheblich selbst verstärken. Dies garantiert den Parasiten, sich zusätzlich für sie günstige Lebensräume zu sichern und auszubauen. Schlussfolgernd daraus, bietet die vernetzte Durchmischung der Arten bessere Chancen einen für sie passenden Wirt zu finden. Zentraler Punkt in Wissemanns Argumentation ist aber, dass "die Hybridisierung der Wirtspflanzen von den Parasiten gezielt angestoßen wird."

Auf Nachfrage von pressetext weist Wissemann darauf hin, dass bei einem höheren Verbreitungsgrad von Parasiten jedoch nur ein bedingtes Risiko für die Wirtspflanzen selbst bestehen. Für den Forscher liegt hierbei nur eine "theoretische Gefahr im biologischen System, da stets eine ausgleichende Wellenbewegung dominiert, die nur schwer den Sieg des Jägers über die Beute oder umgekehrt möglich macht." Über den Funktionsmechanismus, wie Parasiten den Hybridisierungsprozess von Rosenpflanzen anregen, wird vermutet, dass erstere ihre Wirte gezielt "attraktiv" machen und somit das Anfliegen von beispielsweise Kolibris verstärken. Dadurch kann sich die parasitäre Verbreitung ganz erheblich ausweiten.

Mag. Florian Fügemann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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