Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biogemüse einen guten Start ins Feldleben geben

26.09.2006
EU-Projekt "STOVE" zeigt: Für die meisten im Saatgut schlummernden Gemüsekrankheiten existieren effektive und umweltschonende Methoden der Samenbehandlung. Teilergebnisse für Möhrenschwärze, Schwarzfäule der Möhre und Phoma in Feldsalat werden auf der 55. Deutschen Pflanzenschutztagung (25.-28. September/Uni Göttingen) vorgestellt.

Die Anlagen für die häufigsten von Bakterien und Pilzen hervorgerufenen Gemüsekrankheiten schlummern oft versteckt im Saatgut. Deshalb ist es üblich, das Saatgut vorbeugend chemisch zu behandeln, ein Vorgang der als Beizen bezeichnet wird. Seit 2004 darf im ökologischen Anbau jedoch nur noch ökologisch produziertes Saatgut eingesetzt werden, die chemische Beizung darf nicht mehr zum Einsatz kommen. Das stellt Saatgutproduzenten vor neue Herausforderungen. Es gilt Alternativen zu finden.

Da im Ökogemüseanbau ohnehin nur sehr wenige Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten zur Verfügung stehen, ist die hohe Qualität der Samen ein entscheidender Faktor. Im EU-Projekt "STOVE", das von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) koordiniert wurde, sind in den vergangenen drei Jahren alternative Saatgutbehandlungsmethoden getestet worden. Die ermutigenden Ergebnisse der Gewächshaus- und Feldversuche haben die Projektpartner aus sechs Ländern kürzlich auf einem Abschlussworkshop in Darmstadt vorgestellt.

"Es ist uns gelungen, in allen untersuchten Erregersystemen alternative Behandlungsmethoden zu identifizieren, die ähnlich effizient wirken wie die chemische Behandlung", so das Fazit von Dr. Eckhard Koch vom Institut für Biologischen Pflanzenschutz der BBA. "So konnten wir beispielsweise die wichtigsten pilzlichen Erreger bei Möhre, Petersilie und Feldsalat (siehe Liste unten) ausschalten und so die Zahl der infizierten Pflanzen deutlich senken. Bei den Bakterienkrankheiten stellt sich die Situation etwas schwieriger dar", berichtet seine Kollegin Dr. Annegret Schmitt.

Die besten Ergebnisse konnten laut dem Koordinatoren-Duo aus Darmstadt mit physikalischen Verfahren, wie der Feuchtheißluft, der Heißwasserbehandlung bzw. mit der Elektronenbeizung erreicht werden. Bei letzterem Verfahren dringen Elektronen gleichmäßig an allen Stellen des Samens in die äußere Schale ein. Durch die damit angeregten physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse werden die Krankheitserreger, die auf bzw. unmittelbar unter der Samenschale leben, abgetötet. "Bei diesen Verfahren ist es jedoch wichtig, dass die Parameter wie Luftfeuchte, Temperatur oder Elektronenintensitäten für die speziellen Kulturen einzeln optimiert sein müssen", berichtet Dr. Koch.

Als nicht ganz so effektiv erwies sich unter den Versuchsbedingungen die Behandlung mit biologischen Mitteln. Dazu gehören Mittel auf der Basis von Naturstoffen (Thymianöl) und antagonistischen Mikroorganismen. Allerdings, gibt Dr. Schmitt zu bedenken, "wurden sehr stark infizierte Samenchargen eingesetzt, wie sie so niemals eine Saatgutfirma vertreiben würde." Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass die "sanfte" Biologie unter normalen Bedingungen durchaus zum Schutz der Pflanze beiträgt. "Bei Möhre haben wir mit einer Kombination von biologischem Mittel mit physikalischer Behandlung bessere Erfolge erzielt, als mit der jeweiligen Einzelbehandlung", berichtet die BBA-Wissenschaftlerin. Es könnte sich also durchaus als vorteilhaft erweisen, wenn zugunsten der Vitalität der Samen (denn die Samen werden durch Heißwasserdampfbehandlung durchaus gestresst) ein physikalisches Verfahren niedriger Intensität eingesetzt wird und zusätzlich die biologische Behandlung erfolgt. "Letzteres könnte sogar helfen, die Pflanze zusätzlich vor bodenbürtigen Pathogenen zu schützen", erklärt Annegret Schmitt.

"Insgesamt sind die Resultate sehr ermutigend und dürften nicht nur für Biobauern interessant sein", wagt Koch eine Prognose. Das STOVE-Projekt habe gezeigt, dass für die meisten samenbürtigen Gemüsekrankheiten effektive nicht-chemische Methoden der Samenbehandlung existieren, die zum Teil sogar schon in der Praxis angewendet werden können. Die Einzel-Ergebnisse für die Möhrenschwärze, Schwarzfäule der Möhre und Phoma in Feldsalat werden im Rahmen der 55. Deutschen Pflanzenschutztagung vom 25.-28. September in Göttingen vorgestellt.

Hintergrundinformation zum STOVE-Projekt:

STOVE steht für "Seed Treatments for Organic Vegetable Production". Die Projektpartner aus Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Italien und Großbritannien haben insgesamt sechs verschiedenen Gemüsekulturen (Möhren, Kohl, Feldsalat, Erbsen, Bohnen, Petersilie) und ihre wichtigsten Erreger untersucht.

Die Wirt-Erregersysteme waren:
Altenaria dauci/radicina und Xanthomonas hortorum an Möhren
Alternaria brassicicola und campestris an Kohl
Colletotrichum lindemuthianum an Bohnen
Ascochyta pisi an Erbsen
Phoma valerianellae an Feldsalat
Septoria petroselini in Petersilie (Blattfleckenkrankheit)
Auf dem Prüfstand standen neben den drei physikalischen Methoden, Elektronenbeizung, Heißwasserbehandlung und Feucht-Heißluftbehandlung auch biologische Mittel auf der Basis von Mikroorganismen, Pflanzenextrakten sowie handelsübliche Pflanzenstärkungsmittel. Als Kontrolle wurde jeweils eine chemisch behandelte Samencharge (Thiram) mitgeführt. Weitere Infos im Internet unter: http://www.stove-project.net/
Ihre Ansprechpartner:
Institut für Biologischen Pflanzenschutz der
Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Heinrichstr. 243, 64287 Darmstadt
Dr. Eckhard Koch
Tel:: 06151 / 407 227
E-Mail: e.koch@bba.de
Dr. Annegret Schmidt
Tel.: 06151 / 407 241
E-Mail: a.schmitt@bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.stove-project.net/
http://www.pflanzenschutztagung.de

Weitere Berichte zu: Feldsalat Gemüsekrankheiten Möhre Petersilie Saatgut Samen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten