Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzelltherapie: Zerstörte Zellen in der Netzhaut ersetzen

25.09.2006
Die Vorläufer von Nervenzellen in der Netzhaut lassen sich in der Kulturschale vermehren und integrieren sich bei Mäusen auch in geschädigte Netzhäute. Die Zellen lassen sich auch als Transportvehikel für heilsame Gene nutzen, berichten Experten nun auf der 104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), die am 24. September in Berlin zu Ende geht. Bis zu einer klinischen Anwendung solcher Ansätze dürften jedoch noch einige Jahre vergehen, die Methoden stecken noch in den Kinderschuhen.

Zahlreiche Augenerkrankungen, bei denen die Nervenzellen in der Netzhaut (Retina) degenerieren, haben ihre Wurzeln im genetischen Untergrund. Dies ist etwa bei der Retinitis pigmetosa der Fall oder der Zapfen-Stäbchen-Dystrophie. Vor allem die Retinitis pigmentosa und die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), bei der ebenfalls genetische Einflüsse den Zeitpunkt der Erkrankung beeinflussen, sind in den Industrienationen die häufigste Ursache für den Verlust der Sehkraft und Erblindung.

Inzwischen stehen erste medikamentöse Behandlungsmethoden ? etwa für die feuchte Form der AMD ? zur Verfügung und das Retina Implantat befindet sich in der klinischen Erprobung. Doch seit einigen Jahren suchen Ophthalmologen und Biologen auch nach Strategien, um die absterbenden Fotorezeptoren und Nervenzellen in der Netzhaut durch Stamm- oder Vorläuferzellen zu ersetzen. So haben verschiedene Forschergruppen weltweit ? darunter auch ein Team um Dr. Udo Bartsch vom Transplantationslabor der Universitäts-Augenklinik Hamburg ? begonnen, neben embryonalen Stammzellen von Mäusen beispielsweise auch multipotente neurale Stammzellen sowie Vorläuferzellen aus der Netzhaut in der Zellkultur zu züchten und in Mäuseaugen zu implantieren.

Leichtere Integration bei geschädigter Netzhaut. "Die verschiedenen Stammzellen, etwa aus der Retina, und die retinalen Vorläuferzellen lassen sich in vitro gut vermehren und entwickeln sich in verschiedene Zelltypen der Retina", resümmiert Udo Bartsch. Die Differenzierung der Zellen läuft ebenfalls an, wenn sie transplantiert werden. Allerdings gibt es Probleme an einer entscheidenden Stelle: die Zellen integrieren sich kaum in die Netzhaut, ihr Differenzierungsverhalten ist "ungerichtet", wie Bartsch sagt. Gleichwohl ist auffallend, dass die Zellen sich in eine geschädigte Netzhaut besser integrieren, als in eine intakte.

Darum hat die Hamburger Forschergruppe in Zusammenarbeit mit Dr. Marius Ader vom Trinity College in Dublin zunächst geprüft, ob ein Zellersatz überhaupt möglich ist. Die Wissenschaftler untersuchten, ob sich sogenannte primäre retinale Zellen aus jungen Netzhäuten, also Zellen in einem noch frühen Differenzierungsstadium, in die Netzhaut von erwachsenen Empfängertieren integrieren. Bartsch: "Dies ist in der Tat der Fall, die Zellen integrieren sich in die Netzhaut erwachsener Tiere, sie differenzieren zu Zellen, die Fotorezeptoren ähneln und bilden Eiweißstrukturen, die für Retinazellen charakteristisch sind."

Stammzellen als "Genfähren".

Ebenfalls überprüfen die Wissenschaftler die Möglichkeit, verschiedene Stammzellen vor einer Transplantation durch eine Genübertragung umzuprogrammieren. So ließen sich die Zellen als Vehikel für heilsame Gene nutzen. Eine Idee dabei ist, dass diese Zellen "vor Ort" Hemmstoffe produzieren, welche die Einsprossung neuer Blutgefäße in die Retina unterdrücken. Mit dieser Strategie ließe sich möglicherweise eine feuchte Makuladegeneration blockieren.

Eine andere Überlegung ist, durch entsprechende Wachstumsfaktoren die Degeneration der Fotorezeptoren zu verlangsamen. Denkbar ist aber auch, die Differenzierung der Zellen durch entsprechende Gene zu lenken oder ihre Einwanderung in die Netzhaut durch die Produktion entsprechender Eiweißstoffe, welche die Migration fördern, zu erleichtern.

Inzwischen haben die Forscher ein System für die Genübertragung entwickelt, das zu einer stabilen, mehrmonatigen Aktivität der eingeschleußten Gene führt.

Abstract: SO.12.02 Stammzellen und Vorläuferzellen für zellbasierte Therapieansätze und Analysen von Zell-Zell-Interaktionen im visuellen System

Gefördert durch: BMBF: "Zellbasierte, regenerative Medizin" und die Claere Jung-Stiftung

Pressestelle DOG Kongress
ProScience
Communications GmbH
Barbara Ritzert
Andechser Weg 17
82343 Pöcking
Fon: 08157 93 97-0
Fax: 08157 93 97-97
presse@dog.org
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Ihr Ziel ist die Förderung der Ophthalmologie vor allem in den Bereichen Forschung und Wissenschaft. Zu diesem Zweck initiiert und unterstützt die Gesellschaft u.a. Forschungsvorhaben und wissenschaftliche Studien, veranstaltet Kongresse und Symposien, gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus und gewährt Stipendien vornehmlich für junge Forscher. Mit über 5.000 Mitgliedern zählt sie zu den bedeutenden medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Gegründet wurde die DOG 1857 in Heidelberg. Sie ist damit die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://ww.awmf.org
http://www.dog.org

Weitere Berichte zu: DOG Netzhaut Retina Stammzelle Vorläuferzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie