Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altruismus bei Krankheitserregern

20.09.2006
Sterbende Parasiten machen den Weg frei für Infektionen

Unser Immunsystem erkennt und tötet die meisten Mikroorganismen. Dennoch gelingt es einigen Parasiten Körperzellen zu infizieren, sogar Zellen des Abwehrsystems.

Forscher des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, haben am Beispiel der Tropenkrankheit Leishmaniose die Frage untersucht, wie und warum diese Krankheitserreger Zellen befallen können. 50.000 Menschen in Afrika, Asien und Südamerika werden jährlich Opfer dieser Infektionskrankheit, es treten 500.000 neue Infektionsfälle auf und insgesamt droht weltweit 350.000.000 Menschen eine Erkrankung an der Leishmaniose.

Die Krankheit wird durch den Stich einer Sandmücke über Parasiten auf den Menschen übertragen. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences USA" (PNAS) berichten die Lübecker Forscher, dass über den Speichel der Sandmücke nicht nur lebendige Leishmanien übertragen werden, sondern auch so genannte "apoptotische" Parasiten. Dies sind Zellen, bei denen genetische Programme in genau definierter Weise zum "Freitod" geführt haben.

Solche Zellen werden normalerweise von den Zellen des infizierten Organismus aufgenommen und zerlegt. Die neue Entdeckung der Lübecker Forscher ist, dass die abgestorbenen Parasiten noch im Tod eine wichtige Funktion erfüllen: Sie bahnen den lebendigen Mikroorganismen den Weg in spezielle weiße Blutkörperchen, die Granulozyten. Diese wichtigen Körperzellen würden normalerweise die lebendigen Parasiten als Fremdkörper erkennen und sofort abtöten. Weil jedoch gleichzeitig tote Leishmanien mit dabei sind, können die Granulozyten die Parasiten nicht als fremd und schädlich erkennen und reagieren daher nicht.

Aus Sicht der Erreger ist dieser neu entdeckte Mechanismus eine willkommene Möglichkeit, den Organismus "geräuschlos" zu infizieren.

Für weitere Auskünfte steht zur Verfügung:
Dr. Ger van Zandbergen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Tel.: 0451-2903-222

Dr. Anja Aldenhoff-Zöllner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-sh.de

Weitere Berichte zu: Altruismus Krankheitserreger Körperzelle Organismus Parasit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht „Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz
08.12.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Die Zukunft der grünen Gentechnik
08.12.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie