Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbst Maden streben nach Gewinn

13.09.2006
Forscher publizieren neue Verhaltensexperimente

Im Sommer kann es schnell passieren: Die Biotonne füllt sich mit ungebetenen Gästen. Oft sind es Heerscharen von nimmersatten Maden, die sich an den Küchenabfällen laben. Verfressenes, hirnloses Gewürm? Absolut nicht. Auch Maden mit ihrem einfachen Nervensystem sind zu erstaunlichen Verhaltensleistungen fähig. Forscher vom Biozentrum der Uni Würzburg haben jetzt gezeigt, dass die Tiere in gewisser Weise sogar über die Konsequenzen ihres Verhaltens "nachdenken".

Die nur drei Millimeter großen Maden der Taufliege Drosophila können durch Erfahrung lernen, dass ein bestimmter Geruch zuckerhaltige Nahrung verspricht, ein anderer Duft dagegen nicht. Sie behalten das im Gedächtnis. "Wenn sie den ersteren Duft später erneut riechen, werden sie sich daran erinnern, dass er das Vorhandensein von süßem Futter signalisiert", sagt der Biologe Bertram Gerber. Aber: Bevor die Larven schnurstracks zur Quelle des Geruchs laufen, "denken sie nach".

Sie prüfen nämlich zuerst einmal, in welcher Situation sie sich gerade befinden und ob es ihnen in dieser Lage überhaupt einen Vorteil bringt, sich zum Duft hinzubewegen. Sitzen die Larven zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon auf einem Haufen süßen Futters, werden sie keinen Schritt in Richtung Zuckerduft tun. Steht ihnen aber im Moment kein Futter zur Verfügung, werden sie den Weg zum besser gedeckten Tisch auf sich nehmen.

... mehr zu:
»Duft »Futter »Gedächtnis »Geruch »Larven »Maden

"Die Larven setzen die Informationen aus ihrem Gedächtnis nur dann in Verhalten um, wenn ihnen das etwas bringt. Sie streben sozusagen nach Gewinn", bringt Gerber die Sache auf den Punkt. Dass zwischen dem Abrufen des Gedächtnisses und der daraus folgenden Handlung noch ein regulatorischer Zwischenschritt steht - in diesem Fall eine Bewertung der Situation, gewissermaßen ein "Nachdenken" - war bislang nur von Menschen und höheren Tieren bekannt, nicht aber von Insekten. Die Würzburger Forscher schließen daraus, dass der "Nachdenkeschritt" generell grundlegend für die Verhaltenssteuerung ist - eine Annahme, die insbesondere auch von dem Würzburger Psychologie-Professor Joachim Hoffmann vertreten wird.

Die Experimente, die Gerber und sein Kollege Thomas Hendel auf Anregung von Hoffmann hin angestellt haben, sind detailliert im Fachblatt "Proceedings" der britischen Royal Society beschrieben. Sie funktionierten übrigens auch in die andere Richtung: In diesem Fall signalisierten die Düfte, die sich die Larven im Training gemerkt hatten, kein gutes, sondern ekelhaftes Futter - die Wissenschaftler hatten es mit extrem viel Salz oder bitteren Stoffen versetzt.

Erneut hatten die Tiere die Wahl: Aus einer Richtung bekamen sie einen neutralen Duft serviert, aus der anderen umwehte sie der Geruch, der sie an salziges Futter erinnerte. In einer neutralen Situation machten sie keine Anstalten, ihren Platz zu wechseln. Wurde der gleiche Versuch aber auf versalzenem Futter gemacht, bewegten sich die Larven in Richtung des neutralen Duftes. Durch dieses Verhalten entkamen sie der unangenehmen Situation. Beim ersten Experiment dagegen hätte es ihnen keinen Vorteil gebracht, ihren Platz zu verlassen.

Weitere Informationen: Dr. Bertram Gerber, T (0931) 888-4483, Fax (0931) 888-4452, E-Mail: bertram.gerber@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Bertram Gerber und Thomas Hendel: "Outcome expecta-tions drive learned behaviour in larval Drosophila", Proceedings of the Royal Society, online publiziert am 30. August 2006, DOI 10.1098/rspb.2006.3673

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Duft Futter Gedächtnis Geruch Larven Maden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält
22.05.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus
22.05.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie